Süddeutsche Zeitung, 17.11.1986

Menschliche Maschinen

"Aliens - Die Rückkehr" von James Cameron

Die neue amerikanische Regie-Riege hat ein Herz für Androiden, ein offenes Ohr für ihre Probleme. Heerscharen trauriger Maschinenmenschen erledigen ohne sonderliche Begeisterung ihre blutigen Jobs und leiden unter dem ständigen Mißtrauen der "wirklichen" Menschen. Keiner lohnt ihnen ihren Professionalismus, ständig müssen sie sich von Amateuren bevormunden lassen. Kein Wunder, daß sie unter Depressionen leiden, ihre Systeme abstürzen, ihre Schaltkreise sich kurzschließen. "Träumen Roboter von elektrischen Schafen?" hieß es in der Vorlage zu Ridley Scotts Blade Runner. Die Frage scheint längst beantwortet. Inzwischen müssen sich die Psychiater der Sache annehmen, damit es unter Androiden nicht zu ernsteren Fällen von Alkoholismus kommt. So mündet Science-fiction übergangslos in den Problemfilm, ins binäre Melodram.

Lance Henriksen spielt den Androiden in Aliens - Die Rückkehr, sein Gesicht ist zerfurcht, durchzogen von Sorgenfalten. Er tut seine Arbeit als Wissenschaftler auf der Raumstation und redet nicht viel, weil er offenbar genügend mit sich selbst zu tun hat. Am. Ende wird er im Konflikt Mensch - Maschine entzweigerissen. Seine obere Hälfte kann dem weiblichen Helden gerade noch entgegenstammeln: "Nicht schlecht für einen Menschen: `

Sind Androiden etwa die besseren Menschen? Organischen Strukturen ist nicht nur bei diesem Film in jedem Fall zu mißtrauen. Der Alien, das fremde Wesen, ist ein wuchernder Zellhaufen, ein gallaktisches Krebsgeschwür. Es pflanzt sich stetig fort, gebiert Ungeheuer - ein riesenhaftes, abartiges Muttertier. Am Ende kommt es zum Kampf zwischen dem Alien und Sigourney Weaver, die im Verlauf der Handlung ein Waisenkind adoptiert hat. Der Mensch gewinnt den Mutterzwist nur, weil er sich eines riesenhaften Transportroboters bedient.

Man merkt, es geht in diesem Film um Abgrenzungen. Die wuchernden Konturen des Alien haben ihre Entsprechung in den unscharfen Videobildern, die aus den Helmen der Kämpfer ins Raumschiff übertragen werden. Weil aber Regisseur James Cameron so schnell schneidet, verschwimmen auch dem Zuschauer die Bilder vor den Augen. Es ist an der Zeit, sich gegen die Zukunft zur Wehr zu setzen. (In München im Mathäser, Royal, Marmorhaus, Karlstor und Veranda.) MICHAEL ALTHEN