Die Welt, 20.3.1985

Wilde Jagd auf Sarah

Blitze zucken, der Wind frischt auf, and dann passiert es: Mitten in den Slums von Los Angeles purzelt ein muskelbepackter Mann vom Himmel. Doch dieser seltsame Besucher, der durch einen Zeittunnel aus dem Jahr 2029 in unsere Gegenwart reiste, ist kein Mensch. Unter Haut and Haaren verbirgt sich ein Körper aus rostfreiem Stahl, unter der Schädeldecke spuckt ein Elektronengehirn sekundenschnell tödliche Anweisungen aus. Diese fast unbesiegbare Kampfmaschine hat nur einen Auftrag: Sarah Connor umzubringen. Denn das ebenso hübsche wie ahnungslose Mädchen wird bald einen Sohn gebären, der die Welt nach dem verheerenden Atomkrieg von 1988 vor der Herrschaft der Roboter schützt.

Diese Messiasgestalt, die den Maschinenmenschen des Jahres 2029 einen erbitterten Kampf liefert, soll nun also rückwirkend vernichtet werden. Sarah wäre verloren, wenn nicht ein zweiter Mann vom Himmel fiele: Kyle Reese (Michael Biehn), ein Waffenbruder jenes John Connor, den seine Mutter Sarah erst noch zur Welt bringen soll.

So paradox diese Geschichte um die zurückgedrehte Zeit and die manipulierte Zukunft auch klingt, so packend and geradlinig ist sie erzählt. Der kanadische Regisseur James Cameron, der bisher nur den entbehrlichen Horror-Streifen "Piranha II" inszeniert hatte, erweist sich in seinem neuen Film "Der Terminator", der soeben in Avoriaz den ersten Preis gewann, als Musterschüler Roger Cormans. Mit dem für Hollywood fast mickrigen Budget von fünf Millionen Dollar hat er einen technisch brillanten Thriller gedreht, in dem sich traditionelle Tugenden des Action-Films mit bizarren Einfällen treffen. Harte Schnitte forcieren das Tempo dieser fast ununterbrochenen Verfolgungsjagd, während die ungemein bewegliche Kamera den Figuren alle Fluchtwege abschneidet.

Aus diesem überhitzten. qualvoll engen Hexenkessel entläßt Cameron die Zuschauer immer wieder in beklemmende Zukunftsvisionen, in denen spinnenartige, fast surreale Fluggeräte über einer nur schemenhaft erkennbaren Trümmerwelt kreisen. Die schreckliche Schönheit solcher Schauplätze sucht man in mancher sehr viel teureren Großproduktion vergebens. Und wenn er gar einen kühnen Blick ins gerasterte Computergehirn des Titelhelden wirft, beweist der Regisseur sein Gespür für  ausgefallene Effekte. Selbst dem Terminator-Darsteller Arnold Schwarzenegger geraten seine Schwächen diesmal zu Stärken, da sein eckiges, nuancenarmes Spiel vortrefflich zur Rolle des gefühllosen Stahl-Monstrums paßt.

Gewiß, es wird zuviel geschossen, zuviel gemordet in diesem keineswegs zimperlichen Science-fiction-Alptraum. Aber weder diese Gewalttätigkeit noch die schlichten religiösen Gleichnisse oder die allzu plakative Warnung vor dem Terror der Technik verderben diesen Film. Denn der atemberaubende Rhythmus and derv unentrinnbare Sog der düsteren Bilder degradieren die Handlung ohnehin zur Nebensache.

        HARTMUT WILMES