Aktuelle Forschungsprojekte

Globale Moderne / Kulturelle Regionen
Perspektiven einer musikhistorischen Komparatistik am Beispiel von Ostasien und Europa

Tobias Janz (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) und
Chien-Chang Yang (National Taiwan University, Taipei)

Das im Fachgebiet Historische Musikwissenschaft angesiedelte Projekt strebt einen Beitrag zur Diskussion über die im Kontext der Globalisierung angemessenen Methoden, Themen und Praktiken der Musikgeschichtsschreibung an. Konkret geht es um die Frage, wie sich das Epochenkonstrukt „Musikalische Moderne“ historiographisch mit den Besonderheiten regionaler musikhistorischer Kontexte in Ostasien und Europa, aber auch innerhalb Europas verbinden lässt. Seine Problemstellung fällt somit in den engeren Bereich der Musikhistorik, d. h. der theoretischen Grundlagenreflexion im Gebiet der Musikhistoriographie. Fachübergreifend berührt es sich mit aktuellen Ansätzen zur transnationalen Geschichte und zur Globalgeschichte sowie der soziologischen Moderneforschung.

ausführliche Informationen → Forschungsprojekte » Globale Moderne / Kulturelle Regionen


Carl Philipp Emanuel Bachs konzertante geistliche Chorwerke
Musik, Poetik und bürgerliche Andacht in der norddeutschen Aufklärung

Dr. Kathrin Kirsch, DFG-Projekt (Eigene Stelle)

Das Vorhaben befasst sich seit November 2012 mit Carl Philipp Emanuel Bachs konzertant-geistlichem Vokalschaffen. Die Stücke dieser heterogenen Werkgruppe sind in unterschiedlicher Weise in sozialgeschichtliche, kompositionsgeschichtliche und ästhetische Zusammenhänge der sich in dieser Zeit überlappenden Traditionen eingehängt und dennoch einer gemeinsamen kompositorischen Aufgabe verpflichtet, nämlich der Überführung religiöser Andacht in das bürgerliche Konzert. Im Vordergrund stehen die oratorischen Werke wie etwa "Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu" und kürzere chorsymphonische Stücke wie "Klopstocks Morgengesang am Schöpfungsfeste" und das doppelchörige "Heilig", die Bach als Kantor in Hamburg vorlegte. Ihre Formen, Texte und kompositorischen Strukturen sollen vor dem sozial-und frömmigkeitsgeschichtlichen Hintergrund der Aufführungssituationen betrachtet und z. B. zu kirchlich-religiöser Musik in Beziehung gesetzt werden. Das Ziel des Projekts ist es, Abgrenzungen, Übernahmen und Funktionswandlungen in musikalisch-struktureller und ästhetischer Hinsicht zwischen religiöser Musik und bürgerlichem Konzert am Beispiel von C. Ph. E. Bachs geistlichen Vokalwerken herauszuarbeiten.


„Musikverstehen“ zwischen Hermeneutik und Posthermeneutik
Untersuchungen aus musikhistorischer und musikpädagogischer Sicht

Musikwissenschaftliche Forschung im Projektkolleg „Negative Hermeneutik – Formen und Leistungen des Nichtverstehens“ des Collegium Philosophicum der CAU Kiel
Dissertationsprojekt von Malte Markert, Betreuer: Prof. Dr. Siegfried Oechsle

Die Frage nach dem „Verstehen“ ist bei allem Umgang mit und insbesondere allem Sprechen über Musik gegenwärtig. Dabei ist der Begriff selbst zunehmend problematisch geworden; zu nennen sind u. a. die Normativität des Verstehensanspruchs, die Problematik des Zeichens und seiner Identität sowie Paradoxien der Verkörperung. Vor diesem Hintergrund sollen Konzeptionen des Verstehens in der musikhistorischen wie in der musikpädagogischen Diskussion beleuchtet und problematisiert werden, etwa die Metaphorik einer »Tiefenschicht« aufseiten des Verstehensgegenstandes oder der „Herrschaftsanspruch“ umfassenden, kohärenten Verstehens.

Ziel ist die Formulierung eines „posthermeneutischen“ Begriffs musikalischen Verstehens, der möglicherweise den „hermeneutischen Vorrang der Frage“ (Adorno) und der Diskursivität auflösen kann hin zu einem Denken von nichtdiskursivem Verstehen, evtl. auch zu einer „Ethik des Antwortens“ (Lévinas). Weiter ist zu fragen, wie ein veränderter Verstehensbegriff sich als verändertes Ethos zeigt, wie auf pädagogische Praxis im weiteren Sinne durchschlagen und wie Konsequenzen für musikalische Analyse im engeren Sinne zeitigen kann.


Abgeschlossene Forschungsprojekte

Komponieren in Italien um 1400
Studien zur Satztechnik in dreistimmigen Ballaten und Madrigalen

Dr. Signe Rotter-Broman, DFG-Projekt (Eigene Stelle), 2002–2004

Im 14. Jahrhundert entsteht in den Stadtstaaten Mittel- und Oberitaliens eine anspruchsvolle Form mehrstimmiger Vokalmusik, deren wichtigste Gattungen die Ballata und das Madrigal sind. Für die Spätphase dieser Entwicklung um 1400 hat die Musikforschung in den letzten Jahrzehnten umfangreiches neues Quellenmaterial erschlossen und das soziale und kulturelle Umfeld der Komponisten untersucht, während die kompositorische Struktur der Musik kaum ins Blickfeld gerückt wurde. Im vorliegenden Projekt wurde ein ausgewähltes Repertoire von insgesamt knapp sechzig dreistimmig überlieferten Liedsätzen analytisch untersucht, wobei die kompositorische Handhabung des dreistimmigen Satzes im Vordergrund stand. Dabei wurden die bisher eher als Ausnahmegestalten angesehenen Komponisten Johannes Ciconia und Antonio Zacara da Teramo mit den etwa zeitgleich komponierenden Musikern Paolo und Andrea da Firenze sowie Bartolino da Padova in Beziehung gebracht.

Zu den Ergebnissen des Projekts zählen u.a. eine neue Sicht auf Contratenores als „Kommentare“ zum Cantus-Tenor-Rahmensatz sowie eine Verschiebung des Untersuchungsakzents von der „Dreistimmigkeit“ zur „dreistimmigen Praxis“. Das Projekt wurde als Habilitationsvorhaben weitergeführt und mündete in die 2009 von der Philosophischen Fakultät der CAU angenommene Habilitationsschrift:

Rotter-Broman, Signe: Komponieren in Italien um 1400. Studien zu dreistimmig überlieferten Liedsätzen von Andrea und Paolo da Firenze, Bartolino da Padova, Antonio Zacara da Teramo und Johannes Ciconia (= Musica Mensurabilis, Bd. 6), Hildesheim u.a. 2012.

weitere Publikationen aus dem Umfeld des Forschungsprojektes:

Dieckmann, Sandra , Oliver Huck, Signe Rotter-Broman und Alba Scotti (Hrsg.): Kontinuität und Transformation in der italienischen Vokalmusik zwischen Due- und Quattrocento. Bericht über die Tagung in Jena vom 1.–3. Juli 2005 (= Musica Mensurabilis, Bd. 3), Hildesheim 2007.

darin: Rotter-Broman, Signe: Geschichtsbild und Analyse. Überlegungen zur Musik des späten Trecento, S. 197–213.

Rotter-Broman, Signe: Temporal Process in Ballatas of the Late Trecento: The Case of Andrea da Firenze’s Non più doglie ebbe Dido, in: Plainsong and Medieval Music (2010), S. 123–137.

Rotter-Broman, Signe: Analyse – Meistererzählungen – Geschichtsbilder. Zum Zusammenhang zwischen Historiographie und Analyse der Musik des späten Mittelalters, in: Musiktheorie25 (2010), Heft 1, S. 59–76.

Rotter-Broman, Signe: Was there an Ars Contratenoris in the Music of the Late Trecento?, in: Studi musicali 37 (2008), Heft 2, S. 339–357.

Rotter-Broman, Signe: Musikzeit und Textzeit in Ballaten des späten Trecento, in: Die Tonkunst 2 (2008), Heft 3, S. 314–323 [Sonderheft: Das Trecento].

Rotter-Broman, Signe: Die Grenzen der dreistimmigen Trecento-Satztechnik. Zur Mehrfachüberlieferung von Ballaten und Madrigalen in Italien um 1400, in: Die Musikforschung 60 (2007), S. 2–12.


Musikwissenschaftliche Forschung im DFG-Graduiertenkolleg
„Imaginatio borealis“ der Philosophischen Fakultät der CAU Kiel

siehe Forschung » Musica borealis, „Imaginatio borealis“