Die Bachnelkenwurz Geum rivale ist eine Halbrosettenpflanze, bei der Adventivwurzeln früh im Leben die Primärwurzel ersetzen. Sie formen einen einfachen, dickwalzlichen, schiefen und vorne dicht durch Nebenblattreste umhüllten Wurzelstock. Wie die meisten Rosengewächse (Rosaceae) zeichnet sich auch die Gattung Geum durch den Besitz von Nebenblättern (Stipeln) aus.
WURZEL
Der Wurzelstock ist etwa 10 bis 15 Zentimeter lang und 6 bis 8 Millimeter dick, außen dunkelbraun, innen weißlich bis rötlich. Er schließt meist mit einer Blattrosette, selten auch mit einem Blütensproß ab.
SPROSSACHSE
Die aufrechten Stengel entspringen meist aus den Achseln der endständigen Laubblattrosette; sehr selten sind auch sie endständig. Die Pflanzen wird zwischen 15 und 70 Zentimeter hoch. Die Stengel sind aufrecht oder am Grunde aufsteigend, oberwärts verästeln sie sich. Einfache Haare und Drüsenhaare lassen sie flaumig werden, oberwärts sind sie, gerade an besonnten Standorten, häufig braunrot überlaufen.
BLÄTTER
Die Rosettenblätter sind langgestielt und unterbrochen leierförmig gefiedert. Das Endblättchen ist sehr groß, rundlich-eiförmig, am Grunde breit keilförmig und meist dreilappig ungleich gesägt. Die Seitenblättchen sind ungleich groß. Das oberste Paar ist viel größer, schief eiförmig gestaltet und unregelmässig gesägt.
Die Laubblätter sind oberseits spärlich anliegend behaart und reichlich drüsenhaarig; unterseits sind sie insbesondere auf den Nerven deutlich behaart. Die grundständigen Nebenblätter sind der ganzen Länge nach mit dem dem Grund des Blattstiels zu einer Scheide verwachsen. Im Gegensatz zur Echten Nelkenwurz Geum urbanum L. sind die Laubblätter sommergrün.
Während die unteren Stengelblätter den Grundblättern ähneln, sind die oberen dreizählig. Ihre Nebenblätter sind ziemlich klein und nur im unteren Teil mit dem Stengel verbunden, eilanzettlich, grobgezähnt bis fiederspaltig, in der Behaarung den Laubblättern aber gleichend.
BLÜTEN
Die Blüten stehen in meist armblütigen Doldentrauben auf langen, dicht einfach und drüsig behaarten Stielen. Sie hängen über. Sie sind ungewöhnlich plastisch: Neben schwach proterogynen Zwitterblüten sind nicht selten rein staminate ("männliche") Blüten zu beobachten.
Die KELCHblätter sind dreieckig-lanzettlich, lang zugespitzt, bis etwa 1,5 Zentimeter lang, ganzranig (selten etwas gezähnt), außen und innen an der Spitze einfach und drüsig behaart und braunrot gefärbt.
Die Außenkelchblätter (die Stipeln der eigentlichen Kelchblätter!) sind lineal, um mehr als die Hälfte kürzer als die Kelchblätter und beiderseits behaart.
Die KRONblätter sind bald kürzer, bald etwas länger als die Kelchblätter. Meist sind sie acht bis 10 Millimeter lang, breit verkehrt-eiförmig bis -herzförmig, in ihren Nagel rasch verschmälert, blassgelb und hellrot überlaufen - und sie bleiben lange an der Blüte. Das macht die Bach-Nelkenwurz zu einer attraktiven Gartenstaude.
Die STAUBblätter stehen zu vielen um das Gynoeceum.
Die FRUCHTblätter des vielzähligen Gynoeceums sitzen auf einem etwa 4 bis 12 (mitunter bis 23!) Millimeter langen Gynophor (Achsenstück), das sie emporhebt. Sie sind, wie auch das Gynophor, zottig behaart. Der Griffel ist zweigliedrig, das untere Glied ist etwa so lang wie das obere, zottig und drüsig behaart, das obere Glied hingegen ist bis fast zur Spitze federig behaart. Es fällt früh ab.
FRUCHT
Die Früchtchen (die gesamte Frucht ist die Blüte im Zustand der Reife, deshalb bildet jedes der frei bleibenden, zahlreichen Fruchtblätter (Karpelle) ein Früchtchen) sitzen in einem aufrechten, auf einem sich verlängernden Stiel stehenden Fruchtstand, der aus der einst nickenden Blüte hervorgeht. An der Spitze tragen die Früchtchen den nach abwärts gekrümmten, vorne hakigen, bis 1 Zentimeter langen Griffelrest (gebildet von dem unteren Griffelglied).
Die Bach-Nelkenwurz blüht von April bis Juli und seltener noch einmal im Herbst.
Blütenbiologie
Der reichlich am Kelchgrund abgesonderte Nektar wird vorwiegend von Hummeln, aber auch von Bienen und Schwebfliegen aufgenommen.
Während sich die langrüsseligen Hummeln von unten an die Blüten hängen und diese einklammern, begeht die kurzrüsselige Erdhummel Bombus terrestris nicht selten Einbruch von oben.
Im letzten Anthesestadium ist auch Selbstbestäubung möglich.
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