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der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Johann Christian Fabricius

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Johann Christian Fabricius
 

Mit Johann Christian Fabricius (1745–1808) beherbergte die Christiana Albertina einen der bedeutendsten Biologen der Generation nach Carl von Linné. Er verfasste grundlegende Werke der Entomologie, lehrte aber auch Ökonomie und Kameralwissenschaften.

Johann Christian Fabricius

Johann Christian Fabricius

I. Leben

Der weltweit bekannte Entomologe (Insektenkundler) wurde am 7. Januar 1745 in Tondern im damaligen Herzogtum Schleswig geboren. Sein Vater war der Stadt- und Amts-Physicus Johann Christian Fabricius, seine Mutter Anna Henningsen. Nachdem der Vater auf Betreiben des Königshauses als Arzt nach Kopenhagen berufen worden war und an die weitere Erziehung der Söhne dachte, äußerte Johann Christian keinen sehnlicheren Wunsch, als bei Carl von Linné in Uppsala studieren zu dürfen. Linné hatte einen medizinischen Lehrstuhl inne (Botanik und Zoologie waren noch nicht als selbständige Disziplinen geboren), so daß der Vater gern einwilligte, konnte aus seinem jüngeren Sohn doch vielleicht ein Arzt werden. Allerdings hegte Fabricius, wie der 1809 geborene Charles Darwin nach ihm, keine besondere Neigung zur medizinischen Praxis. Um so mehr schätzte er, von Linné in den zwei Jahren seines Studiums in dessen systematische Methodik und die analytische Behandlung jedes Wissensstoffes eingeführt zu werden. Die Verehrung für Linné scheint aber auch ein innerer Antrieb gewesen zu sein, seinen Lehrmeister auf einem von diesem weniger gut bearbeiteten Gebiet der Naturgeschichte zu übertreffen.

II. Naturerkundung

Schon in Uppsala begann Fabricius mit gründlicheren Insektenstudien, als Linné sie anstellte, unterhielt sich viel mit ihm darüber und feilte an seiner Methode, die er danach während seines gesamten Lebens auf alle Insekten anwandte, deren er, lebendig oder zumeist in den immer stärker anwachsenden Sammlungen Europas, habhaft werden konnte.

1764 kehrte er, ohne einen Abschluss bei Linné gemacht zu haben, als der nachmalig einzige schleswig-holsteinische Linné-Schüler, nach Kopenhagen zurück. Dort suchte er weiteren Anschluss an die wenigen Naturkundler seiner Zeit, wie Georg Christian (von) Oeder (1728–1791), den Herausgeber der Flora Danica, oder den Apotheker Joachim Diedrich Cappel (1717–1784) – und arbeitete sein erstes Buch aus, die »Genera Insectorum«. 1765 wechselte Fabricius nach Leipzig, um die Ökonomie-Vorlesungen von Daniel Gottfried Schreber (1708–1777) zu hören und sich so für die angestrebte Stellung zu empfehlen. Freilich trieb ihn weiter die Beschäftigung mit Insekten und Pflanzen an. In Schrebers Sohn Johann Christian Daniel Edler von Schreber (1739–1810) fand er einen Gleichgesinnten und hörte dessen botanische Vorlesungen mit Begeisterung. »[Ich] arbeitete aber mit Fleiß meine Entomologie weiter aus, sammlete die Gewächse und Insecten der umliegenden Gegend, und erhielt auch wol einige aus dem Walterschen Garten oder aus Schrebers Sammlung, so wie er mir seine Insecten alle schenkte, und ging des Abends in die Komödie, oder besuchte auch den Professor Ludwig, ob ihm gleich bei unsern botanischen Unterhaltungen meine warme Anhänglichkeit an Linné weniger zu gefallen schien.«

III. Studienreisen

Im Herbst 1766 weilte Fabricius an der Universität Leiden, wo er Chemie und Physik studierte, aber nicht unterließ, die großen niederländischen Insektensammlungen zu untersuchen. Dennoch begann er im Hinblick auf seine akademische Laufbahn mit der Ausarbeitung eines Ökonomie-Lehrbuches, in dem er die bei Linné erlernte analytisch-systematische Methode auf die einzelnen Themenfelder anwandte. 1767 folgte er seinem Bruder nach Edinburgh, doch brachen die beiden sogleich auf eine große Tour zu Pferde durch Schottland und England auf, bis sie im Herbst in London eintrafen. Fabricius besah auf dieser beinahe ein halbes Jahr währenden Reise Bergwerke, Manufakturen und viele für die »Volkswohlfahrt« nützliche Einrichtungen, um sie seinen ökonomischen Betrachtungen einfügen zu können. In London machte er die freundschaftliche Bekanntschaft mit Daniel Carlsson Solander (1733–1782), einem weiteren Linné- Schüler, mit dem zusammen er die wachsenden Bestände des British Museum erforschte und an seinen entomologischen Schriften arbeitete. Er wurde in die wissenschaftlichen Zirkel Londons eingeführt und schloss mit vielen Naturkundlern engere Freundschaft, die ihn für etliche Sommer in seinem Leben immer wieder nach London zog. Als Solander, in die Dienste von Joseph Banks6 getreten, mit diesem an der 1. Cookschen Weltumseglung teilnahm, half Fabricius bei der wissenschaftlichen Ausstattung; als die Naturforscher zurückkamen, war Fabricius der erste, der die Insekten der Südseeinseln studieren konnte. Zwischenzeitlich, wegen der Abreise seiner Freunde vereinsamt, besuchte Fabricius Paris und machte von dort aus Reisen zu allen bekannten Insektensammlungen und deren Besitzern. Als in London die 2. Cooksche Weltumseglung mit Johann Reinhold und Georg Forster als Naturkundlern in See stach, war Fabricius längst mit den beiden bekannt – und erhielt bei deren Rückkehr einen Anteil an den auf pazifischen Inseln gesammelten Pflanzen, die er persönlich mit nach Kiel brachte und so einen berühmten Bestand des Universitätsherbariums stiftete.

IV. In Schleswig-Holstein

1770 reiste Fabricius durch die beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein, um seine ökonomischen Studien auszubauen – doch durch politische Umbrüche kam es nie zu der erhofften Anstellung am Charlottenburger Naturaltheater. Immerhin erhielt er eine mager dotierte außerordentliche Professur an der Kopenhagener Akademie, die ihn freilich nicht zufriedenstellte. Im Winter hielt er Vorlesungen, im Sommer reiste er. 1772 erschien sein Lehrbuch über die Anfangsgründe der Ökonomie, 1775 publizierte er sein »Systema Entomologiae«. Dessen Erscheinen zur Ostermesse machte ihn mit einem Schlag auch bei den Naturwissenschaftlern bekannt, denen er auf seinen ausgedehnten Sammlungsbesuchen noch nicht begegnet war. Allerdings starb in diesem Jahr auch sein Vater, so dass ihm dessen finanzielle Unterstützung fehlte, während er, seit 1771 mit Cäcilie Ambrosius verheiratet, seine vierköpfige Familie ernähren musste.

V. Ruf an die Universität Kiel

»Ich fand mich deswegen genöthigt, den Ruf anzunehmen, den ich von dem Kanzler Cramer erhielt, als Lehrer der Naturgeschichte, der Oekonomie und der Cameral-Wissenschaften mit 650 Rthlrn. Gehalt nach Kiel zu gehen. Der Curator, die Lehrer der Academie, und die Einwohner der Stadt nahmen mich mit sehr vieler Liebe und Achtung auf, so wie ich mir auch bald den Beifall und die Freundschaft der Studirenden erwarb. Ich lebte ungemein angenehm, allein ich merkte bald, daß alle Hülfsmittel für meine Wissenschaft mir hier gänzlich fehlten. Man hatte mir zwar, als ich in Kiel angesetzt ward, eine unter meiner Aufsicht anzulegende Sammlung, einen ökonomischen Garten, versprochen; allein die Umstände der academischen Casse verhinderten beständig die wirkliche Ausführung. Ich war daher blos auf meine eigenen Sammlungen eingeschränkt; und da unsere Bibliothek zugleich in meinem Fache äußerst arm war, so würde ich in meiner Wissenschaft sehr geschwind veraltet seyn, wenn ich nicht wieder angefangen hätte, zu reisen.«

Es folgten fruchtbare Jahre für ihn, in denen er, wie bisher, im Winter Vorlesungen hielt und im Sommer reiste, um seine entomologischen Untersuchungen ausdehnen zu können und immer tiefer in die Systematik der Insekten einzudringen. Er veröffentlichte 1776 die »Genera«, 1778 die »Philosophia entomologica«, 1779 die »Reise nach Norwegen«, die er mit dem Kieler Professor Georg Heinrich Weber im Sommer 1778 unternommen hatte. Im Sommersemester 1781 fungierte Fabricius als Prorektor; ebenso noch einmal im Sommersemester 1795. 1781 schrieb er über die Volksvermehrung, 1782 gab er in zwei Bänden die »Species Insectorum« heraus, eine Frucht vieljähriger Arbeit.

Zum ersten Mal drängt es ihn, Kiel zu verlassen, weil er seine wachsende Familie mit dem Professorengehalt nicht ernähren zu können glaubte. Zudem hätte er in England bessere Arbeitsbedingungen vorgefunden. »Die Regierung fand sich indessen bewogen, mir eine Zulage von 200 Rthlrn. beizulegen, so daß ich jetzt auf 850 Rthlr. angesetzt ward. Ich blieb, reisete aber im Sommer nach England.« Folgerichtig veröffentlichte er 1783 »Briefe über England« sowie, gleichfalls ein schmales Bändchen, »Ueber die Erziehung, insonderheit in Dänemark«. 1784 erschien die »Cultur der Gewächse«, die auch als dritter Band von Sanders »Naturgeschichte für Landleute« ausgegeben wurde.

Fabricius Systema Glossatorum

VI. Viele Veröffentlichungen

Fabricius' nie erfüllter Wunsch nach einem »ökonomischen« Garten mag in dieser Zeit wieder stark geworden sein. 1785 erschien der erste Band seiner »Polizeischriften«, eine Ausführung verschiedener Kapitel der Anfangsgründe in den ökonomischen Wissenschaften in Bezug auf Dänemark und die Herzogtümer, dem 1788 der zweite Teil folgte. Fabricius nutzte die gerade ein wenig erweiterte Pressefreiheit, was ihm nicht überall Wohlwollen eintrug. »1789 suchte ich, wegen einer Hintansetzung bei unserer Academie, um meinen Abschied, der mir auch nach einiger Weigerung mit 400 Rthlrn. Pension ertheilt wurde. Es war meine Absicht, erst eine Reise nach Frankreich zu machen, und mich alsdann in England nieder zu lassen. Die außerordentliche Achtung und Liebe der Studierenden in Kiel indessen, welche sowol bei der Regierung mit einem Gesuch, von allen unterschrieben, einkamen, und um die Erhaltung ihres Lehrers baten, als auch mich auf die nämliche Art baten, bei ihnen zu bleiben, bewogen mich, meinen erhaltenen Abschied zurückzugeben, insonderheit da mir wenigstens privatim versichert wurde, daß man keine Hintansetzung beabsichtigt habe, und daß man ehestens suchen würde, es mir zu vergüten, welches indessen nie geschehen.«

VII. Paris als Bezugspunkt

Seit 1790 mehren sich die Reisen nach Paris, wo die Sammlungen der Welterkundungen immer reichlicheren Zuwachs erhielten. Fabricius schloss insbesondere Freundschaft mit Guillaume Antoine Olivier (1756–1814), der ein umfassendes Insektenwerk, »Entomologie, ou Histoire naturelle des insectes, avec leurs caractères génériques et spécifiques, leur description, leur synonymie et leur figure enluminée« veröffentlichte. Die sechs Bände wurden in Paris gedruckt: Band I 1789; II 1790; III 1795; IV 1795; V 1807; VI 1808. Während seiner Aufenthalte in Paris, wo seine Frau schließlich von 1796 an dauerhaft lebte, sah Fabricius die Bildtafeln dieser Bände lange vor deren Veröffentlichung. So entstand die kuriose Situation, dass Fabricius und Olivier sich wechselseitig in später publizierten Werken mit Angaben zitierten und sie sich gegenseitig zuwiesen. Fabricius zitierte manche Daten Jahrzehnte bevor sie gedruckt vorlagen! So nennt Fabricius in der »Entomologica systematica« I (1792), S. 306 Nr. 67 unter Cassida 6pustulata »Oliv. Ins. 97 tab. 3 fig. 36«, während Olivier in seinem erst 1808 veröffentlichten sechsten Band »Cassida 6pustulata Fab. Ent. Syst. Em. I, p. 306. n. 67« als Angabe führt. Fabricius und Olivier arbeiteten so eng zusammen, dass sie sich vertrauensvoll in futuris zitieren konnten.

Von 1792 bis 1794 erschien Fabricius’ »Entomologia systematica« in nunmehr sechs Bänden, 1798 durch einen Supplement-Band ergänzt. 1792 versuchte er auch in Kiel Nachfolger des verstorbenen Christian Cay Lorenz Hirschfeld (1742–1792) als Aufseher der Fruchtbaumschule zu Düsternbrook zu werden, um endlich seinen »ökonomischen Garten« zu erhalten, doch wurde ihm Johann Jakob Paul Moldenhawer (1766–1827) vorgezogen.

VIII. Kopenhagen

Von 1798 bis 1804 besuchte Fabricius in jedem Frühling Kopenhagen, wo die Sammlungen so umfangreich geworden waren, dass derart viele neue Arten ihn bewogen, jeder seiner Insektenklassen eine eigene Monographie zu widmen. Neben seinen kürzeren ökonomischen Publikationen erschienen bis heute grundlegende Werke mit Erstbeschreibungen Hunderter Insektenarten. 1805 kam das »Systema Antliatorum« heraus, der Druck des ersten Bandes seines »Systema Glossatorum« war begonnen, als der Verleger bankrott ging. Es ist das seltenste seiner Werke; wegen seines wissenschaftlichen Wertes liegt es allerdings als Nachdruck vor.

Im Herbst 1806, nachdem er von seinen Dienstpflichten entbunden und königlich dänischer Etatrat geworden war, kehrte Fabricius aus Paris nach Kiel zurück. Das war seine letzte große Reise. Er starb in Kiel am 3. März 1808 und wurde auf dem St.-Jürgen-Friedhof bestattet.

Siehe auch

Bericht in der Christiana Albertina

Fabricius-Ausstellung

 

 

   

 

 
  24. Juli 2010 Dr. Martin Nickol M.A., FLS (c) Photos: Nickol