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der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Daniel Matthias Heinrich Mohr

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Daniel Matthias Heinrich Mohr
 

MohrWeber

Mohr und Weber gaben die "Wasserfäden" (Converven) Dillwyns in deutscher Übersetzung heraus.

  Das Kieler Herbarium als Schatzhaus der Botanik

                                                                                                                        
Doppeljubiläum 2008: Daniel Matthias Heinrich Mohr und Johann Christian Fabricius

Im Jahr 2008 kann die Biologie in Kiel der 200sten Todestage zweier herausragender Männer gedenken, die sich beide mit Hingabe der Naturforschung widmeten, aber höchst unterschiedliche Lebensläufe aufweisen: Daniel Matthias Heinrich Mohr (1780-1808) und Johann Christian Fabricius (1745-1808). Beide trugen zum Aufbau des Bestandes im Herbarium KIEL bei. Da über Fabricius schon kurz berichtet wurde (Biologen heute – Rundbrief Nord Nr. 3, 2004) und ihm 2008 eine Ausstellung des VBio gewidmet sein wird, gilt es, Heinrich Mohr vorzustellen – und dabei quasi biographisch auszugraben, weil er, der mit 28 Jahren starb, weithin vergessen ist.
Geboren wurde Daniel Matthias Heinrich Mohr am 8. April 1780 in Quickborn, im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein, als Sohn des Pastors Matthias Mohr (1743-1789) und dessen Ehefrau Christina Sophia Ulrica (1752-1785). Seine Großeltern waren väterlicherseits der Brauer und Brenner Matthias (Ties) Mohr und dessen Frau Elisabeth, mütterlicherseits der Kanzleirat und Hausvogt Sebastian Daniel Gerckens und dessen Frau Anna Margaretha. Heinrich selbst blieb unverheiratet.
Mit 19 Jahren begann er 1799 sein Studium in Kiel, zwar an der theologischen Fakultät eingeschrieben, aber eifrig Naturwissenschaften studierend. 1801 wechselte er an die Universität in Göttingen. In Kiel hörte er die zoologischen Vorlesungen von Johann Christian Fabricius, in Göttingen die botanischen bei Heinrich Adolf Schrader (1767-1836), der gerade seine Systematische Sammlung Cryptogamischer Gewächse (1796-97) herausgegeben hatte, die nicht ohne Einfluß auf Mohrs Interessen blieb. Nach Kiel zurückgekehrt, wurde er am 12. November 1803 mit einer Arbeit über Kryptogamen zum Dr. phil. promoviert und setzte seine Studien über Algen und Moose daraufhin fort. Er wurde Adjunkt der Philosophischen Fakultät der Christiana Albertina zu Kiel und am 20. März 1807 außerordentlicher Professor für Zoologie und Botanik.
In Kiel traf er mit Friedrich Weber (1781-1823), dem Sohn des Arztes und Professors der Medizin Georg Heinrich Weber (1752-1828) zusammen, der zum Freund und späteren Kollegen wurde. Georg Heinrich Weber, der sowohl seinen Sohn als auch den sicher vielversprechenden Mohr überlebte, war seit 1780 ordentlicher Professor der Medizin und Botanik in Kiel. Er gründete 1788 eine private Krankenanstalt an der Prüne in der heutigen Mitte der Landeshauptstadt, die 1802 von der Universität übernommen wurde. Weber legte neben dem Krankenhaus in diesem Jahr auch den dritten Botanischen Garten Kiels an, einerseits zur Lehre, andererseits aber auch schon – recht fortschrittlich –, damit sich die genesenden Kranken darin ergehen und an der Vielfalt der Pflanzenwelt erfreuen konnten, um, wie Weber feststellt, in einer anmutigen Umgebung auf andere Gedanken zu kommen und schneller gesund zu werden. In diesem Garten lernten sowohl Friedrich Weber als auch Heinrich Mohr botanische Grundlagen kennen. Friedrich wurde 1810, zwei Jahre nach Mohrs Tod, Aufseher des Botanischen Gartens; sein Sohn Ferdinand, der gleichfalls Arzt wurde, sich mit der ersten Kieler Professur für pathologische Anatomie aber von der Botanik entfernte, lebte immerhin bis 1860 in Kiel.
Mit seinem Freund und Kollegen Friedrich Weber machte Heinrich Mohr sich an die systematische Erforschung der Kryptogamen, besonders der Algen. 1803 publizierte er ein Kryptogamen-Verzeichnis (Observationes botanicae), bereiste mit Weber Südschweden und veröffentlichte, ganz in der Linnéschen Tradition, mit ihm zusammen 1804 das Ergebnis dieser vornehmlich botanischen Reise (Naturhistorische Reise durch einen Theil Schwedens), gab 1803/05 – zusammen mit Weber – „Großbritanniens Conferven nach Dillwyn…“ – heraus, das in den Zusätzen Angaben über einige von Mohr bei Kiel beobachtete Algen enthält und ließ 1805 einen „Fasciculus Algarum“ mit 35 Arten in allerdings nur wenigen Exemplaren erscheinen. Nachdem Mohr und Weber 1804 mit dem „Archiv für die systematische Naturgeschichte“ den ersten Versuch gestartet hatten, ein Journal zu etablieren, das ihrer eigenen Forschungsrichtung entsprach, ließen sie 1805 zwei Bände der „Beiträge zur Naturkunde“ folgen. 1807 wurde Mohrs ebenfalls mit Weber verfaßtes und als Handbuch für das Studium der Kryptogamen gedachtes „Botanisches Taschenbuch auf das Jahr 1807“ veröffentlicht. In der Arbeit „Über Conferva fluviatilis…“ behandelt er die Vermehrung der Algen, und in der gemeinsam mit Weber angefertigten Darstellung über karpologische Zergliederungen kryptogamischer Wasserpflanzen wollen die Verfasser durch genaueste Wiedergabe auch der kleinsten Details der fruchtähnlichen Teile der Algen Aufschlüsse über die systematische Stellung dieser Pflanzen gewinnen. Ihre Erkenntnis war, daß sich die Pflanzen der 24. Klasse des Linnéschen Systems (Cryptogamia) untereinander ebenso stark unterscheiden wie die Phanerogamen der übrigen 23 Klassen. Sie stellten Algen und Flechten als einander näher verwandte Gruppe den Farnen und Moosen gegenüber. Das mit Weber begonnene umfassende Algenwerk konnte wegen Mohrs frühem Tod nicht verwirklicht werden. Immerhin ist er in der botanischen Nomenklatur verewigt, denn Heinrich Mohr zu Ehren stellte der Linné-Schüler Olof Swartz 1806 die Gattung Mohria auf und O. Appert nannte 1973 einen fossilen Farn aus dem oberen Jura von Madagaskar Mohriopsis.
Ein Teil von Heinrich Mohrs Herbarium ging an Karl Müller und danach an das Berliner Herbarium. Etliche Algen sind im Hamburger Staatsherbarium, Lebermoos-Exsikkate auch in Wien. Heinrich Mohr stand auch im Austausch mit William Jackson Hooker, der es unternahm, sein Herbarium in Kew Gardens auf- und auszubauen, so daß Mohr auch Belege nach London schickte, wo sie heute in den Herbarien in Kew Gardens und im Natural History Museum zu finden sind. Im Herbarium KIEL liegen sowohl Kryptogamen als auch Phanerogamen, die von Mohrs Forscherfleiß zeugen. 1809 erschien nach Mohrs Ableben in Kiel das "Verzeichnis der von ... Heinr. Mohr hinterlassenen getrockneten Pflanzen, naturhistorischen nach Dryander geordneten und andern Bücher, nebst Anhängen", dem ein schwacher Abglanz eines hoffnungsvollen Lebens zu entnehmen ist. Wegen Mohrs Ableben in jugendlichem Alter ist offenbar kein Bildnis überliefert.

Dr. Martin Nickol M.A., FLS

Veröffentlicht in Biologen heute - Rundbrief Nord Nr. 9 (September 2007)

 
  11. September 2007 Dr. Martin Nickol M.A., FLS