Schneeglöckchen

Galanthus nivalis L.

Schneeglöckchen sind die ersten Frühlingsboten - und sie sind dazu fähig, mit ihren oberirdischen Organen den Schnee zu durchbrechen. Doch nicht deshalb, oder wegen der weißen Farbe der sechs Blütenblätter oder der kirchenglockenförmigen Gestalt der Blüte kamen sie zu ihrem Namen. Sie glichen vielmehr den beliebten Perlenohrringen des ausgehenden Mittelalters, die Eistropfen symbolisierten. Daher hat sich auch der englische Name „snowdrop“ erhalten.

Schneeglöckchen, von denen 19 Arten bekannt sind, gehören in die gleiche Familie wie die Osterglocken (Amaryllidaceae). Vergleichen Sie doch den dicken grünen Blütenansatz von beiden: Das ist der Fruchtknoten, der unter den anderen Blütenorganen steht!

 

Schneeglöckchen Galanthus nivalis

Märzenbecher

Leucojum vernum L.

Nur zwei Arten Märzenbecher gibt es, Leucojum vernum, der jetzt im Frühling blüht und Leucojum aestivum, die Sommerknotenblume, die im Mai/Juni ihre Blüten entfaltet. Die Gattung ist von Europa bis nach Persien verbreitet.

Als im Pleistozän die Vereisung einsetzte, ist der gemeinsame Vorfahre von Schneeglöckchen und Märzenbecher nach Süden abgewandert - und der westliche Teil der Population hat sich zur Gattung Leucojum fortentwickelt, während die östlicheren Elemente zu Galanthus, dem Schneeglöckchen wurden. Die inneren drei Blütenblätter sind beim Märzenbecher so lang wie die äußeren. Beim Schneeglöckchen sind sie kürzer. Beide Zwiebelblumen gehören zu den Amaryllisgewächsen.

 

Maerzenbecher Leucojum vernum

Netzblatt-Iris

Iris reticulata M. Bieb.

Der Kaukasus ist die Heimat der Netzblatt-Iris, die mit mehreren Kultivaren und Sorten von hellblauer bis tief violetter Blütenfarbe im Handel ist und zu den zeitigen Frühlingsboten zählt.

Im Unterschied zu unseren heimischen Iris-Arten, die sich mit einem unterirdischen Wurzelstock (Rhizom) vermehren, gehört sie zu der Gruppe der Zwiebel-Iris. Die Netzblatt-Iris sind zur Blütezeit im Februar und März etwa 10 cm hoch, nach der Blütezeit wachsen die 4-kantigen, linealen Blätter wesentlich in die Länge und können 30 cm lang werden, bevor sie dann im Sommer einziehen. Die winterharte Pflanze überdauert in einer kleinen Zwiebel, die sich vegetativ über Brutzwiebeln vermehrt. Nach der Blüte ein wenig düngen - und sie sind gestärkt für das kommende Jahr!

 

Iris reticulata Netzblattiris

Osterglocken

Narcissus L.

Siebenundzwanzig Arten dieser zu den Amaryllisgewächsen gehörenden Gattung kennt man - doch über 10.000 Sorten sind gezüchtet worden, um Farben- und Formenspiel sowie Blühzeitpunkt zu variieren. Selbst gefüllte Narzissen kann man kaufen.

Ihre Nebenkronen sind mehr oder minder weit ausgezogen, so daß aus einer Glockenform auch leicht eine Trompete werden kann. Sie stehen, ganz dem botanischen Namen entsprechend, der Narziß entlehnt ist, in der Blumensprache für Egoismus. Trotzdem kann man Narzissensträuße natürlich genießen - auch ganz für sich alleine.

Da die Pflanzen Phenanthridin-Alkaloide enthalten, ist ihr Saft giftig, und manchen anderen Schnittblumen sagt man nach, in der Vase neben Narzissen schnell zu welken.

 

Narzissen

Frühlingsanemone

Anemone blanda Schott & Kotschy

Die Frühlings- oder Balkananemone kommt von Südosteuropa bis zum Kaukasus vor und eröffnet zusammen mit Anemone apennina den Frühlingsreigen der Anemonen in unseren Gärten.

Wie das in unseren Wäldern blühende Buschwindröschen (Anemone nemorosa) gehört sie zu den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae). Das Farbenspiel in den natürlichen Populationen ist bereits sehr groß und wurde für den gärtnerischen Bedarf durch Auslese und Züchtung noch verstärkt. Frühlingsanemonen blühen ab Februar in leuchtenden Farben (weiß, rot, rosa, violett, blau). Mit ihren unterirdischen Knollen überdauern sie. Ameisen sorgen für die Ausbreitung, weil die Samen ein ölhaltiges Anhängsel ausbilden, das sehr begehrt ist.

 

Anemone blanda

Krokus

Crocus L.

Von Europa bis nach West-China erstreckt sich das natürliche Verbreitungsgebiet der rund 80 Crocus-Arten.

Diese Irisgewächse bilden unterirdische Knollen, die mit vielen kleinen Niederblättern besetzt sind, in deren Achseln wieder kleine Knollen gebildet werden. Wenn es einem Krokus also an seinem Standort gut geht, wird er sich reich vermehren. Wie bei der Herbstzeitlose bleiben der Blütenstiel und der Fruchtknoten im Boden.

Die Blüten schließen sich bei Nacht oder auch bei dunklem Regenwetter, so daß kein Wasser in diese lange Röhre laufen kann. Denn am Grunde befindet sich der Nektar. Nur langrüsselige Hummelköniginnen und die ersten Schmetterlinge können einen Krokus bestäuben. Der Krokus hat 3, die Herbstzeitlose 6 Staubblätter. Leicht zu unterscheiden!

 

Crocus

Leberblümchen

Anemone hepatica L.
(Hepatica nobilis)

Unser heimisches Leberblümchen hat seinen eigentümlichen Namen von der Form seiner gelappten Blätter, die Anatomen und Botanikern ab dem 15. Jahrhundert anzeigte, daß diese Pflanze für Leberleiden wie geschaffen zu sein schien.

Es blüht vor dem Laubaustrieb, um seine Bestäuber, die ersten Wildbienen des Jahres, anlocken zu können. Die moderne Systematik hat der Gattung Hepatica gerade den Garaus gemacht. Wie schon einmal von Linné gedacht, heißt das Leberblümchen jetzt wieder Anemone hepatica.

Wem da die Galle hochsteigt ... – vielleicht haben die alten Signaturenlehren ja doch ein Körnchen Wahres?

Ameisen ist das egal - sie breiten das Leberblümchen wegen seiner Samenanhängsel aus wie andere Anemonen.

 

Hepatica Anemone hepatica

Träubelhyazinthe

Muscari L.

Von Europa bis West-Asien erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der Träubelhyazinthen, die als Zwiebelpflanzen ungünstige Jahreszeiten unterirdisch überdauern, indem sie dort in Speicherblättern die Vorräte für das kommende Jahr bereithalten.

In den Zwiebeln sind die Anlagen für die nächste Blühsaison bereits vollständig angelegt. Auch die Blütenstände, noch winziger als sie uns ohnehin erscheinen, lassen sich mit der Lupe schon im Sommer sehen. Die Pflanzen enthalten Alkaloide, auch das Zellteilungsgift Colchicin. So schützen sie sich, was nicht alle Mäuse zu ahnen scheinen, vor dem Gefressenwerden.

 

Muscari Träubelhyazinthe

Stengellose Schlüsselblume

Primula vulgaris L.

Die Stengellose Schlüsselblume, deren anderer Name Primula acaulis (L.) Hill. den im Gegensatz zur Frühlings-Schlüsselblume fehlenden Stengel im Artnamen (a caulis = ohne Stiel) noch genauer ausdrückt, kommt in feuchten, lichten Wäldern und Gebüschen, Wiesen und Obstgärten bis in Höhenlagen von über 1000 Meter vor. Bei uns im Norden ist sie gefährdet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Mittel- und West-Europa.

Sie zählt zu den Elternarten, aus denen die vielen Gartenprimeln, die uns im Frühling erfreuen, gezüchtet wurden. Da ihre kurzen Blütenstiele und die Nerven der Kelchblätter zottig behaart sind, kann man an den eigenen Primeln zuhause den Erbanteil ablesen, den die Stengellose Primel weitergegeben hat.

 

Primula vulgaris

Huflattich

Tussilago farfara L.

In Eurasien, dem Mittelmeerraum und - eingeschleppt - sogar in Nordamerika zählt der Huflattich zu den Frühblühern. Seine Blütenköpfchen sind in unseren Breiten den Wild- und Honigbienen eine erste ergiebige Nahrungsquelle. Ehe die Blätter erscheinen, produziert die Pflanze die mit bleichen Hochblättern bestandenen Blütenstände.

In den Köpfchen finden sich in der Mitte rund 40 nektarproduzierende „männliche“ (= staminate) Blüten, deren narbenlose Griffel - wie das bei Körbchenblütlern üblich ist - den Pollen präsentieren und für die Bienen bereithalten. Darumherum sind rund 300 nektarlose „weibliche“ (= carpellate) Blüten. Zuerst blühen in einem Köpfchen die carpellaten Blüten auf und mit großem zeitlichen Abstand die staminaten. Das verhindert eine Selbstbestäubung.

 

Tussilago

Winterling

Eranthis hyemalis (L.) Salisb.

Nur acht Winterlingarten, allesamt giftige krautige Knollenbildner, gibt es in Eurasien. Besonders Eranthis hyemalis ist als beliebter Frühblüher in unseren Gärten gern gesehen. Er stammt aus Südeuropa, ist in Nordeuropa und sogar in Amerika aber eingebürgert worden.

Diese Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) zeigen – vergleichbar den Lenzrosen – den bemerkenswerten Blütenaufbau, daß die Kelchblätter die auffallenden Schauorgane sind (die auch das Öffnen und Schließen der Blüten bewirken), während die eigentlichen Kronblätter zu Nektarien umgebaut sind, welche die vielen Staubblätter umgeben. Bienen finden hier also im Sonnenschein sowohl Zuckersaft vor, als auch reichlich Pollen, mit dem sie die zahlreichen Narben der nächsten Blüte bestäuben.

 

Eranthis hyemalis

Dr. Martin Nickol M.A., FLS 2010