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Pflanzengeschichten

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Der Jadewein Strongylodon macrobotrys im Botanischen Garten Kiel
 

Strongylodon macrobotrys Kiel

Jadewein, Strongylodon macrobotrys

Aus den Regenwäldern der Philippinen (Luzon, Mindoro und Catanduanes Islands) stammt diese zu den Hülsenfrüchtlern zählende Liane. Ihre blaugrüne Blütenfarbe ist im gesamten Pflanzenreich einzigartig. Sie kommt durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren zustande. In der äussersten Zellschicht der Blütenblätter, der Epidermis, finden sich zweierlei Pigmente. Zum einen Malvin, das auch in den Früchten von Trauben, Heidelbeeren oder Kirschen vorkommt oder in Blüten von Malven, Primeln und Rhododendron. Zum zweiten das gelbe Saponarin, das aus Blüten von Seifenkraut, Passionsblumen und Gelbem Enzian bekannt ist. Die jadegrüne Farbe entsteht nur, wenn beide Pigmente in einem Verhältnis von 1:9 vorkommen und der Zellsaft einen extrem hohen pH-Wert von 7,9 aufweist. Der leicht basische Zellsaft der Epidermis ist gefärbt, während der Zellsaft im Inneren der Blätter mit seinem pH-Wert von 5,6 farblos und damit durchscheinend ist.
Die Blüten müssen sich um 180° an den hängenden, kräftigen Blütenstandsstielen in ihre jetzige Position drehen. Die Pflanze ist in der Natur sehr selten. So können alte Berichte, dass sie von Fledermäusen besucht wurde, die sich an den Stengeln festhielten, wohl nie mehr bestätigt werden. Der Nektar fließt reichlich, die Blüten haben Saftmale – vermutlich können auch Vögel zur Bestäubung beitragen. Die Pollenfracht kann nur mit Druck aus der Spitze der verwachsenen Blüte herausgedrückt werden.

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  11. Juni 2017 Dr. Martin Nickol M.A., FLS (c) Photo: Nickol