Botanischer Garten Kiel Botanischer Garten Kiel  

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Die Titanwurz Amorphophallus titanum

  || Zurück ||
   
 
Die größte Blume der Welt:
Amorphophallus titanum
 
 

Amorphophallus titanum (Becc.) Becc. ex Arcang.

Titanenwurz Kiel

 

Titanenwurz Kiel

 

 

 

 

 

 

 

Titanwurzblüte in Kiel

Allgemeine Titanwurz-Information hier>>

Titanwurz Kiel Botanischer Garten 2014

Unsere Titanwurz ist mit der Bildung des Blütenstandes fertig. Sie hat sich am Morgen des Ostersonntages, was höchst ungewöhnlich ist, entfaltet. So konnten unsere Besucherinnen und Besucher gleich zu Beginn die Entfaltung des Blütenstandes bewundern. Die Morgensonne ließ die rote Farbe der Spatha kräftig leuchten.

Titanwurz blüht in Kiel

Am Gründonnerstag um 17.30 Uhr hatte sich die Spatha am Grund leicht geöffnet und Flüssigkeit abgesondert. Das ist meist das Zeichen, daß die Bildung des Blütenstandes abgeschlossen ist und der Spadix nicht mehr viel wachsen wird.

In der Nacht zu Karfreitag war sie nochmals um sechs Zentimeter gewachsen und hatte fünf Zentimeter an Bauchumfang zugelegt; unsere 'Diva' gedeiht.

Titanwurz Kiel 2014

So stand die Titanwurz mit ihrer riesigen Knospe am Karfreitag nach Schließung der Gewächshäuser im Victoriahaus. 1200 Menschen hatten sie besucht und bewundert.

In der Nacht zu Karsamstag war der Umfang der Spatha auf 122 Zentimeter angewachsen, die Höhe aber hatte lediglich um 3 Zentimeter zugenommen. Der Rücken des Hüllblattes war deutlich in die Länge gestreckt - aber bis zum Spätnachmittag zeigten sich keine weiteren Zeichen des Öffnens. In der Nacht zu Ostersonntag änderte sich das Aussehen nur wenig. Bis um sechs Uhr morgens. Da begann die „Bunga Bankai“ sich zu öffnen.

Spathaspitze Titanwurz Kiel 2014

Der Mittelnerv des riesigen Hüllblattes hat sich deutlich gestreckt, die Spatha ist an ihrer Blattspitze gewachsen.

An ihrem großen Tag hielten wir die Schaugewächshäuser bis in die Nacht hinein offen. Über 2000 Bewunderer kamen, um unsere 'Diva' zu sehen.

Messungen an der Titanwurz 2014 Kiel Botanischer Garten Wissenschaftler

Die Messungen an der Titanwurz laufen, dünne und flexible Fühler registrieren vor allem den Temperaturverlauf.

Illumination Titanwurz

Exemplare der Titanwurz sind in ihrer Heimat Sumatra selten, sie sind selten in botanischen Gärten zu finden und ein Exemplar zur Blüte zu bekommen, ist wie der Gewinn des Oscars in der Filmindustrie. Weltweit haben seit der Entdeckung 1878 circa 150 Pflanzen geblüht, und seit dem Zweiten Weltkrieg sind Blühereignisse in Deutschland nur aus Bonn, Hamburg, Leipzig, Mainz, München, Stuttgart, dem Frankfurter Palmengarten (hier seit 1992 circa 20 mal) und Kiel (erstmals 2012) bekannt geworden. Die Kultur ist sehr schwierig, da die riesige Knolle sehr empfindlich ist und leicht von Fadenwürmern (Nematoden) befallen wird, die sie dann zerstören. Die meisten Blütenstände wurden von Pflanzen erbracht, deren Knollen direkt aus Indonesien eingeführt wurden, und in der Mehrzahl der Fälle starben die Pflanzen nach der Blüte ab, da die Knollen bereits mit Fadenwürmern befallen ankamen.

Spadix knickt um

Am Abend des Ostersonntages hatte sich der Spadix mit seiner sportlichen Höchstleistung verausgabt. Er knickte binnen zwanzig Minuten stark ein.

Geschichte und Blühverlauf unseres Exemplares hier>>

Titanwurznacht

Fünfzehn Jahre nach der Keimung in Bonn schickte sich das Kieler Exemplar im Winter 2012 an, seinen gigantischen Blütenstand zu treiben. Weltweit stehen wir mit über 400 Gärten in regem Austausch, um die Artenvielfalt zu erhalten. Im Botanischen Garten Bonn gelangte 1996 ein Exemplar zur Blüte, das erfolgreich bestäubt werden konnte und aus dessen Aussaat wir 1997 eine naturgemäß kleine Knolle erhielten. In den Kieler Anzuchtshäusern wuchs das Pflänzchen heran und trieb jedes Jahr ein einziges Blatt. Nach 15 Jahren sorgfältiger Pflege durch das gärtnerische Team im Gewächshaus trieb die Knolle, die im Sommer 2011 nach über 18 Monaten ihr Blatt eingezogen und die Energiereserven eingelagert hatte, einen Blütenstand. Sie wog 21 Kilogramm. Das war sehr wenig für ein Blühwagnis und wir waren sehr gespannt. Tatsächlich kam die Titanwurz zur Blüte und mit ihr fieberten Tausende Besucherinnen und Besucher. Nach der Blüte hatte sie noch einige Wochen einen kleinen Fruchtstand, den sie aber nicht weiter versorgte, komplett einzog und in eine kurze Ruhephase überging.

Die Knolle hatte insgesamt nur 4 Kilogramm an Gewicht verloren, offenbar kann die Pflanze mit den grünen Teilen des Blütenstandes und auch mit dem grünen Blütenstands- und Fruchtstandsstiel assimilieren. Sie trieb nur rund sechs Wochen später eine Blattknospe aus, die zu einem ausgesprochen großen Blatt wurde. So war sie im Victoriabecken aufgestellt, bis sie im September 2013 dieses eine Blatt wieder einzog und komplett vertrocknete.

Beim Ausgraben und Wiegen hatte sie ihr Gewicht auf rund 44 Kilogramm mehr als verdoppelt.

Im Dezember 2013 waren die ersten neuen Knospen zu sehen. Bis in die zweite Aprilwoche waren diese sehr klein und niemand mochte sich so recht auf die eine oder die andere Seite schlagen: Blatt oder Blütenstand.

Seit elf Tagen ist klar: Es entwickelt sich ein Blütenstand und nun wächst die Pflanze täglich um 10 Zentimeter heran. Wir können davon ausgehen, daß sie in einigen Tagen einen prächtigen und stinkenden Blütenstand entfalten wird.

Amorphophallus titanum in Kiel

Der Blütenstand am Nachmittag des 16. April 2014

 
  22. April 2014 Dr. Martin Nickol M.A., FLS (c) Photos: Nickol