Dornen von Acacia sphaerocephala

Acacia sphaerocephala, die Büffelhorn-Akazie, bildet aus ihren Nebenblättern Dornen, die Ameisen Wohnraum bieten. Diese verteidigen dafür ihre Wirtspflanzen.
Dasylirion acrotrichum (Asparagaceae)
Dasylirion acrotrichum
Die Gattung Dasylirion ist vom Süden der Vereinigten Staaten bis nach Mexiko verbreitet.
Mammillaria plumosa aus warmen Steppengebieten in Nordmexiko (Coahuila und Nuevo Leon) in Höhen zwischen 780 und 1.350 m NN. mit weichen weißen Dornen ist eine der berührungsfreundlichsten Kakteenarten. Sie heißt auch Feder-Kaktus.
Mammillaria plumosa
Botanischer Garten Kiel Botanischer Garten Kiel  

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Aridhaus Amerika (Wüstenhaus)

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Kakteen im Aridhaus Amerika in Kiel

 

Aridhaus Amerika im Botanischen Garten Kiel
 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Sukkulente

Das Aridhaus Amerika ist den Pflanzen aus den Trockenregionen Nord-, Mittel- und Südamerikas, insbesondere den Halbwüsten und Wüsten, gewidmet. Klimatisch handelt es sich also um ein Kalthaus, das sich ganzjährig durch hohe Tages- und relativ niedrige Nachttemperaturen (im Winter 5-10°C), bei geringer Luftfeuchte von etwa 30% auszeichnet.

Es fallen sofort beim Betreten die eindrucksvollen Kugel- und Säulenkakteen sowie die mächtigen Agaven auf. Die konsequente geographische Beschränkung auf einen Erdteil wird durch die zonierte Bepflanzung noch unterstützt.

Die Pflanzen, die in niederschlagsarmen Gebieten wie Wüsten, Halbwüsten, trockenen Felsfluren und Grasländern gedeihen, nennt man Xerophyten. Diese haben verschiedene Methoden entwickelt, um auch lange Trockenperioden überstehen zu können. Einige überziehen ihre Blätter mit einer derben, ledrigen Haut, um so die Verdunstung stark herabzusetzen. Andere speichern das zu Regenzeiten kurzfristig verfügbare Wasser in fleischig-saftigen Geweben und werden daher als Sukkulenten (Saftpflanzen) bezeichnet. Als Wasserspeicher können Wurzeln, Stämme und Blätter dienen. Wurzelsukkulenten sind selten, während Stamm- und Blattsukkulenten häufig vorkommen. Bei den Stammsukkulenten gibt es Formen, die das kostbare Nass nur im knollig verdickten Stamm oder Fuß speichern, während andere den gesamten Spross mit Haupt- und Seitenästen als Wasserreservoir nutzen.

In den Sukkulentenlandschaften der Neuen Welt herrschen die Kakteen (Cactaceae), Agaven, Schopfbäume der Gattungen Dasylirion und die Elefantenfußpflanze Nolina (Familie Asparagaceae) sowie einige Dickblattgewächse (Crassulaceae) der Gattungen Echeveria, Dudleya und Sedum vor. Sie sind teils in geographischen Gruppen (Mexiko, Anden, südöstliches Südamerika) und teils in Themengruppen gepflanzt. Mittelpunkt einer Schaugruppe von Kakteen mit unterschiedlichen Wuchsformen sind die rund 120 Jahre alten Goldkugelkakteen (politisch korrekt für Schwiegermuttersitz) (Echinocactus grusonii). Diese Art wurde erst 1885 in Mexiko entdeckt.

Als „Urkakteen“, also gewissermaßen lebende Vorfahren der Kakteen werden gelegentlich die noch mit normalen Blättern versehenen, strauchigen oder baumförmigen Laubkakteen bezeichnet. Der Großblättrige Laubkaktus (Pereskia grandifolia) erfreut fast den ganzen Sommer über mit wildrosenähnlichen Blüten. Die Laubkakteen (Pereskia) sind die einzige Gattung der Unterfamilie Pereskioideae und gehörten zu den ursprünglichsten Kakteen. Die Gattung wurde von Charles Plumier nach dem Franzosen Nicolas-Claude Fabri de Peiresc benannt. Pereskia aculeata ist ein Schlinger, der erst spät im Herbst, wenn in unserem Klima überhaupt je, zur Blüte kommt. Allein die Dornbüschel an den Sproßachsen sowie der Blütenbaus verraten die Zugehörigkeit der Pereskien zur Familie der Kakteengewächse.

Zu den markantesten Pflanzen dieser Familie gehören die behaarten Säulen der Gattungen Pilosocereus und Espostoa. Aus den Haarschöpfen erscheinen die nektarreichen, in der Natur von Blumenfledermäusen besuchten Blüten. Die Säulen der Kandelaberkakteen vermitteln einen guten Eindruck der Wüstenbewohner. Sie gehören zur Formenvielfalt der Säulenkakteen, die früher der Gattung Cereus zugerechnet, dann in eine Vielzahl von kleinen Gattungen aufgespalten wurden und heute zum Teil wieder zu größeren Einheiten zusammengefaßt werden.

Die geographischen Gruppen umfassen Mexiko (andeutungsweise unterteilt in Südmexiko, Zentralmexiko und den Nordwesten mit Niederkalifornien), das südöstliche Südamerika und die Andenländer. In den kakteenreichen Gebieten Mexikos sind auch viele andere Sukkulenten beheimatet, zum Beispiel das mit seinen rotbespitzten, dicken Blättern auch ohne Blüten hübsche Sedum rubrotinctum, die weiß bereiften Rosetten von Dudleya brittonii und die sukkulente Commelinacee Tradescantia navicularis. Die Ameisen-Akazie Acacia sphaerocephala wird wegen der Größe und Form ihrer aus den Nebenblättern entstehenden Dornen auch als „Büffelhorn-Akazie“ bezeichnet. Diese werden von einer Ameisenkönigin ( aus der Gattung Pseudomyrmex) ausgehöhlt und zum Wohnraum einer Ameisenkolonie gemacht. Als Futter dienen unter anderem die Ausscheidungen der extrafloralen Nektarien an den Blattstielen (Drüsen zur Ausscheidung von zuckerreichem Nektar außerhalb der Blüte). Zudem werden an den Fiederblättchen protein- und fettreiche Futterkörperchen ausgebildet. Diese werden als Belt'sche Körperchen bezeichnet.

Hinter Lavagestein erheben sich die „Gebirge“ Mexikos mit mehreren Mammillaria-, Ferocactus- und Astrophytum-Arten. Aus den Sukkulenten-Halbwüsten von Sonora und Niederkalifornien im Nordwesten Mexikos mit vorherrschenden Urgesteinsböden stammen viele Pflanzen der Gattungen Agave, Opuntia und Fouquieria.

Aus den Trockenwäldern der Chaco-Region Nordargentiniens, Paraguays und Ostboliviens stammt der bizarre Keulencereus (Stetsonia coryne), verschiedene Harrisia, Echinopsis und Gymnocalycium-Arten. Aus Brasilien kommen die Arten der Gattung Pilosocereus und die baumförmige Opuntia brasiliensis, welche sich wie ein laubwerfender Baum verhält, jedoch bei Trockenheit nicht Blätter, sondern blattartige Flachsprosse abwirft.

Das südamerikanische Gegenstück zu den Trockengebieten Mexikos sind die Trockentäler der Anden von Peru bis Chile und Nordwestargentinien. Kandelaberkakteen wie Browningia und Trichocereus (=Echinopsis) und schlanktriebige, zum Teil von Felsen herabhängende, kolibriblütige Cleistocactus-Arten mit weißer, gelber oder vielfarbig rotbrauner Bedornung finden sich hier zusammen mit den dichten Polstern der sukkulenten Bromeliengewächse der Gattung Abromeitiella (Deuterocohnia) aus Bolivien und Nordwestargentinien.

Über dem Durchgang zum Aridhaus Afrika ranken die schlangenförmigen Triebe von Hylocereus undatus, der im Sommer mit großen, weißen, sich nur nachts entfaltenden und am Morgen schon verwelkenden Blüten aufwartet. Diese Art liefert die Pitahayas als Kakteenfrüchte.

 

  Verbreitung der Kakteen

Das natürliche Vorkommen der Kakteen ist auf den amerikanischen Kontinent beschränkt; nur eine Rhipsalis-Art hat es mittels Fernausbreitung bis an die Westküste Afrikas geschafft. Allerdings sind Opuntien seit dem 16. Jahrhundert im Mittelmeerraum verwildert. In Amerika erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet vom südlichen Kanada bis nach hinab nach Patagonien in Argentinien und Chile. Die meisten Arten findet man in den Gebieten um den nördlichen (Mexiko!) und südlichen Wendekreis (Argentinuen und Bolivien). Kakteen besiedeln die verschiedensten Lebensräume, von Tiefebenen bis zu den Hochgebirgen (wie im Alpinum zu sehen), von tropischen Regenwäldern (wie am Epiphytenstamm im Tropenhaus zu beobachten) über Steppen und Halbwüsten bis hinein in die Trockenwüsten. Allen Lebensräumen ist gemeinsam, daß das zum Überleben notwendige Wasser nicht ganzjährig, sondern nur saisonal zur Verfügung steht.


 

 

Opuntzia spinulifera

Opuntia spinulifera ist eine gelbblühende, mexikanische Kaktee.

 

 

 

  Dr. Martin Nickol M.A., FLS 02. Juni 2012 © Bilder: Dr. Martin Nickol