Botanischer Garten Kiel Botanischer Garten Kiel  

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Erlenbruch

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Erlenbruch im Botanischen Garten Kiel

Erlenbruch im Botanischen Garten Kiel

Der Lebensraum Erlenbruch
im Botanischen Garten Kiel

Das Erlenbruch des Botanischen Gartens Kiel ist ein bedeutender heimischer Lebensraum Schleswig-Holsteins, der als stockender Wald aus Erlen und Weiden einst auf wasserreichem, saurem Humusboden weit verbreitet war und heute weitgehend sogenannten bodenverbessernden Maßnahmen zum Opfer fiel. Unsere Besucher können die vielfältigen Beziehungen zwischen Pflanzenarten und Tieren in diesem Lebensraum ganzjährig studieren. Im Frühling blüht die Sumpfdotterblume oft noch vor dem Laubaustrieb der windbestäubten Bäume, im Sommer tanzen Libellen über der Wasserfläche, auf der heimische Seerosen blühen.

Erlenbruchwälder wachsen häufig auf besser nährstoffversorgten Niedermoorböden mit Schwerpunkt in planaren bis submontanen Regionen. Namensgebend ist die dominante Charakterart Schwarzerle (Alnus glutinosa). Typisch ist bei den Bäumen der mit Stelzwurzeln versehene Stammfuß; dank ihrer Adventivwurzeln kann die Schwarzerle die starke Vernässung und auch schwankende Wasserstände vergleichsweise besser verkraften als viele andere Baumarten. Der Unterwuchs (Krautschicht) ist seggenreich (beispielhaft wachsen hier die Walzen-Segge, Carex elongata oder die Sumpf-Segge, Carex acutiformis); häufig sind freie Wasserflächen ausgebildet, auf denen die Kleine Wasserlinse (Lemna minor) flottiert.

Weitere kennzeichnende Pflanzenarten dieses Biotoptyps sind der Bittersüße Nachtschatten (Solanum dulcamara) und die Schlangenwurz (Calla palustris). An Hochstauden siedeln hier unter anderem Wasserschierling (Cicuta virosa), Wasserdost (Eupatorium cannabinum), Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus), Gewöhnlicher Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Blutweiderich (Lythrum salicaria), Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua) und Fluß-Ampfer (Rumex hydrolapathum).

Pflanzensoziologisch wird der Verband der Erlenbruchwälder (Alnion glutinosae) je nach hydrologisch-edaphischen Standortbedingungen in die folgenden Assoziationen differenziert:

  • Moorseggen-Erlenbruch, Carici laevigatae-Alnetum (euatlantisch)

  • Walzenseggen-Erlenbruch, Carici elongatae-Alnetum (subatlantisch-subkontinental)

  • Torfmoosreicher Erlenwald, Sphagno-Alnetum (in den Hochlagen der Mittelgebirge)

Nach der Nährstoffversorgung können darin weitere Subassoziationen unterschieden werden; beim häufigsten und am weitesten verbreiteten Walzenseggen-Erlenbruchwald beispielsweise der nährstoffreiche Schwertlilien-Erlenbruch, der Typische Erlenbruch mit Sumpf-Seggen oder Sumpffarn sowie der mesotraphente Moorbirken-Erlenbruch.

Nach Entwässerungsmaßnahmen finden sich heute in der heimischen Landschaft je nach vormaliger Untergesellschaft brombeer-, farn- oder brennnesselreiche Degenerationsstadien, die nach der Mineralisation des Torfkörpers eher Feucht- bis Sumpfwälder darstellen. Der so genannte Schaumkraut-Erlenbruch bzw. Erlen-Quellwald (unter anderem mit Milzkräutern und Bitterem Schaumkraut) bildet eine Übergangsgesellschaft zu den Erlen-Eschen-Auenwäldern aus dem Alno-Ulmion (Hartholzaue) und wird oft eher diesen zugerechnet.

Meist eine Vorstufe von (Erlen-)Bruchwäldern bildet in der Sukzessionsabfolge der pflanzensoziologische Verband Salicion cinereae (Weidengebüsche und Bruchwälder), der auf nassen Anmoorgleyen oder Niedermoortorfen wächst und von Strauchweiden wie der namensgebenden Grau-Weide und der Ohr-Weide bestimmt wird. Weitere Kennarten verschiedener Assoziationen dieses Verbandes sind beispielsweise die Strauch-Birke, die Lorbeer-Weide und der Gagel.

Da unser Erlenbruch im Verbund der Lehrbiotope einerseits zum Moor überleitet, andererseits an den Lebensraum Waldrand angrenzt, sind viele der genannten Pflanzenarten vergleichend in diesen Biotopen zu sehen.

Erlenbruchwald Kiel
Das Erlenbruch im Botanischen Garten Kiel
 


 

  Dr. Martin Nickol M.A., FLS 14. Mai 2011 © Bilder: Dr. Martin Nickol