Botanischer Garten Kiel Botanischer Garten Kiel  

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Lebensraum Heide

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Der Lebensraum Heide
im Botanischen Garten Kiel

Botanischer Garten Kiel Lehrbiotop Heide

Im Lehrbiotop Heide des Botanischen Gartens Kiel wird ein bedeutender heimischer Lebensraum nicht nur Schleswig-Holsteins, sondern West- und Nordwest-Europas auf sandigen, bodensauren und nährstoffarmen Böden dargestellt und zahlreiche Pflanzenarten, die ihn prägen und die zum Teil, besonders außerhalb streng geschützter Gebiete, selten geworden sind, sind für die Besucher erlebbar.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte führte die großflächige Abholzung der Eichen-Birken-Wälder und die anschließende  Beweidung zu einer andersgearteten Vegetationsform, nämlich der Heide. Die weitläufige Heidelandschaft, welche sich im Botanischen Garten an die Birken hinter dem Moor angliedert, ist ein Demonstrationsbeispiel, welche Auswirkungen der anthropozoogene  Einfluß auf die Natur hat. Während die Atlantische Heide mit ihren großflächigen Besenheide-Beständen und den Einstreuungen von Findlingen die Stimmung der Lüneburger Heide in Norddeutschland wiedergibt, wird die in Westeuropa anzutreffende Ginsterheide vorwiegend von Stech- und Besenginster geprägt. So sind die Wacholderheide mit dem namengebenden Gehölz (Juniperus communis) und die Besenheide (Calluna vulgaris) saurer Standorte dargestellt.

Heide im Botanischen Garten Kiel

Heide im Botanischen Garten Kiel

 

Lebensraum Heide
Die heute noch ausgeprägten Heidelandschaften Schleswig-Holsteins liegen zur Hälfte auf der Insel Sylt. Sie sind einzigartige und stark bedrohte Lebensräume, die gesetzlich geschützt sind.

Heideökosysteme bieten einer großen Zahl an die extremen Bedingungen wie Trockenheit, Wärme und stetem Wind angepaßten Lebewesen Platz. Etwa 2.500 Tier- und rund 150 Pflanzenarten wurden bisher in der Heide beobachtet, von den Pflanzenarten steht fast die Hälfte auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Drei charakteristische heidebewohnende Arten sind die Krähenbeere Empetrum nigrum (Blütezeit im April/Mai), die Glockenheide Erica tetralix, ein Feuchtezeiger (ab Juli), und die Besenheide Calluna vulgaris (ab Ende August).

Damit der wertvolle Lebensraum Heide erhalten bleibt und sich nicht zu einem Wald weiterentwickelt, wie es der natürlichen Sukzession entspräche, muß er ständig genutzt und gepflegt werden. Das erreichen wir im Botanischen Garten durch gärtnerische Pflegemaßnahmen. Im großflächigen Naturschutz geschieht das idealer Weise durch Beweidung und Abplaggen. Beim - heute meist maschinell durchgeführten - Plaggen wird die oberste und nährstoffreiche Humusschicht abgetragen, sodaß die Heide auf dem Rohhumus nachwachsen kann.

 

Duene Heide Botanischer Garten Kiel
Hinter der Düne erstreckt sich die Heide
 

Ausprägungen der Heide

Die Heiden kommen in unterschiedlicher Ausprägung vor, wobei junge, lückige Initialstadien mit höheren Offenbodenanteilen deutlich überwiegen. Eine Abgrenzung zu den Magerrasen ist nicht immer eindeutig möglich, da sich vielfach eine kleinräumige Durchdringung einstellt.

Alleinige Dominanz hat in allen Fällen die Besenheide (Calluna vulgaris). Daneben ist Borstgras (Nardus stricta) weit verbreitet und stellenweise sind Durchdringungen zwischen Borstgrasrasen und Heide anzutreffen. Seltener tritt auch die Lehmheide auf, in der Arten wie Dreizahn (Danthonia decumbens), Gemeines Ferkelkraut (Hypochoeris radicata) und Harzer Labkraut (oder Heide-Bettstroh) (Galium saxatile, syn.: Galium harcynicum) anzutreffen sind.

Ältere Heidestadien weisen zum Teil einen höheren Flechtenanteil auf. Feuchte Sandheiden sind nur kleinflächig entwickelt. Nicht selten werden sie von Pfeifengras (Molinia caerulea) durchdrungen. Vereinzelt kommt als weiterer Feuchtezeiger die Glockenheide (Erica tetralix) vor.

Magerrasengesellschaften auf den offenen Sandflächen der Heide lassen sich in Silbergrasfluren, sonstige Sandmagerrasen, artenarme Magerrasen sowie Borstgrasrasen unterteilen. Silbergrasfluren sind häufig nur lückig ausgebildet und weisen einen hohen Offenbodenanteil auf. Neben dem Silbergras (Corynephorus canescens) sind weitere charakteristische Arten Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis) und Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella).

In den sonstigen Sandmagerrasen dominieren Rotes Straußgras (Agrostis capillaris) oder Schafschwingel (Festuca ovina agg.). Hier kommen vermehrt Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochoeris radicata), Kleines Filzkraut (Filago minima), Bergsandglöckchen (Jasione montana), Hasenpfotenklee (Trifolium arvense), Kleiner Vogelfuß (Ornithopus perpusillus), Waldruhrkraut (Gnaphalium sylvaticum) und Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella) vor.

Trockene Borstgrasrasen sind meist artenarm, da das bultig wachsende Borstgras (Nardus stricta) sehr dicht steht. Inmitten der Heiden und Magerrasen sind immer wieder Offenbodenbereiche zu finden. Sie sind weitestgehend vegetationslos. Nicht selten sind jedoch erste Initialstadien aus Moosen und Flechten zu beobachten.

Heide Lehrbiotop Kiel Botanischer Garten

Pflanzen der Sandheiden

Die Sandheiden lassen sich in mehrere Untergesellschaften gliedern, von denen die bedeutendsten hier aufgeführt werden:

  • Typische Sandheide (Genisto-Callunetum)

Neben der Besenheide (Calluna vulgaris) kommen nur noch wenige höhere Pflanzen vor, von denen keine als gute Charakterart gelten kann. Hier sind insbesondere die Draht-Schmiele (Deschampsia flexuosa) und der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) zu nennen. Die typische Sandheide nimmt den größten Teil der Heideflächen ein. Die an Naturstandorten zu beobachtende Artenverarmung kann durch den zunehmenden Stickstoffeintrag aus der Luft, die Anhäufung von Rohhumusauflagen und die tendenzielle Überalterung der Heideflächen erklärt werden.

  • Flechtenreiche Sandheide (Genisto-Callunetum cladonietosum)
Sie kann durch das Vorkommen verschiedener Rentierflechten (Cladonia), dem Wimpernmoos (Ptilidium cilliare) und dem Wacholder-Haarmützenmoos (Polytrichum juniperinum) von den anderen Heide-Gesellschaften unterschieden werden. Sie kommt meist an trockenen südexponierten Hängen vor.
  • Lehmheide (Genisto-callunetum danthonietusum)
Sie unterscheidet sich von anderen Heide-Gesellschaften durch das Vorkommen von Dreizahn (Danthonia decumbens), Pillen-Segge (Carex pilulifera), Borstgras (Nardus stricta), Feinschwingel (Festuca filiformis), Kleinem Habichtskraut (Hieracium pilosella) und Feld-Hainsimse (Luzula campestris).
  • Heidelbeer-Sandheide (Genisto-Callunetum, Vaccinium myrtillus Rasse)
Sie zeichnet sich durch das Vorkommen von Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus), seltener von Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idaea) aus. Sie ist der zweithäufigste Vegetationstyp der Heideflächen in der Lüneburger Heide und kommt bevorzugt an Nordhängen, Waldrändern und dichten Wacholderhainen vor.
  • Feuchte Sandheide (Genisto-Callunetum, Molinia-Variante)
Hier kommen Pfeifengras (Molinia caerulea), Glocken-Heide (Erica tetralix) und Rasige Haarsimse (Scirpus cespitosus) vor. Die Feuchte Sandheide tritt auf grundwassernahen Standorten und im Übergang zu Mooren auf.

Genista tinctoria Lehrbiotop Heide Botanischer Garten Kiel

Der Färberginster Genista tinctoria bewohnt trockende Heiden, Wiesen und Waldböden. Er ist eine alte Nutzpflanze der Heidebewohner und trägt zum Überleben der Hummel- und Bienenpopulationen bei.


 

  Dr. Martin Nickol M.A., FLS 21. August 2015 © Bilder: Dr. Martin Nickol