Botanischer Garten Kiel Botanischer Garten Kiel  

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Moorlandschaft

  || Zurück ||
   

Moor im Botanischen Garten Kiel

Das Moor im Botanischen Garten Kiel

Der Lebensraum Moor
im Botanischen Garten Kiel

Der Moorbiotop im Botanischen Garten Kiel beherbergt die charakteristischen Pflanzenarten der schleswig-holsteinischen Moore, von denen das Scheiden-Wollgras (Eriophorum vaginatum), der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia), die Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos), die Kahle Rosmarinheide (Andromeda polifolia) und der Sumpf-Porst (Ledum palustre), sowie die Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) und die Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) genannt seien. Dieser bedeutende heimische Lebensraum Schleswig-Holsteins zeigt viele im Schwinden begriffene Arten. In Schleswig-Holstein haben sich auf knapp zehn Prozent der Landesfläche Moore entwickelt. Während im Naturraum Östliches Hügelland die grund- bzw. oberflächenwassergespeisten Niedermoore vorherrschen, haben sich in den großen abflußlosen Niederungen der Geest die Niedermoore häufig großflächig zu regenwassergespeisten Hochmooren weiterentwickelt. Im Botanischen Garten zeigen wir Pflanzenarten aus beiden Moortypen; hier hat sich auf kleiner Fläche ein mäßig nährstoffarmes (mesotrophes) Zwischenmoor entwickelt.

Was ist ein Moor?

Ein Moor ist ein regen- beziehungsweise grundwasserabhängiges Feuchtgebietsökosystem. Moore bilden sich in Landschaften mit Wasserüberschuß. Moorböden kommen am ausgedehntesten in Gebieten höherer geographischer Breite vor. Sie entstehen unter kühl-feuchten Bedingungen. Die Böden sind dauerhaft feucht und nur Blütenpflanzen oder Moose, die diese ganzjährig nassen Bedingungen ertragen können, gedeihen dort.

Moore entwickeln sich, wenn die Stoffproduktion der Pflanzen und Moose größer ist als der Stoffabbau. Dieser Abbau wird durch den hohen Wasserstand und den hierdurch bedingten Mangel an Sauerstoff gehemmt. Es kommt also zu einer jährlichen Zunahme von abgestorbenem Pflanzenmaterial, aus dem sich der für die Moore charakteristische Torf bildet.

Wollgras Moor Botanischer Garten Kiel

Das Scheiden-Wollgras Eriophorum vaginatum ist einer der auffälligsten Bewohner des Moores.
Torf- und Sumpfgebiete

An Stellen hoher Feuchtigkeit oder in Torfmooren und auf Sumpfflächen siedelt sich eine äußerst eigenartige Pflanzengesellschaft an, die bei genauerer Betrachtung einen eigentümlichen Reiz entfaltet. Auf normal belüfteten und gut entwässerten Böden werden abgestorbenes Laubwerk und andere organische Rückstände leicht zersetzt. Auf schlecht entwässerten und damit auch nur unvollständig belüfteten Böden, die bis über das Wurzelwerk der Pflanzen hinaus mit Wasser durchtränkt sind, gibt es nur wenige Organismen, die organisches Material schnell abbauen können. Torf ist quasi eine dicke Schicht von unvollständig abgebautem Pflanzenmaterial. Das meiste davon liefern die Torfmoose der Gattung Sphagnum. Der spezifische Bau der Torfmoose erlaubt ihnen, ein Vielfaches ihres eigenen Gewichtes an Wasser aufzusaugen und zu speichern. Diese Moose säuern das Wasser auch an und tragen so selbst zur Aufrechterhaltung jener Bedingungen bei, unter denen weiterer Torf entstehen kann.

Die wenigsten Pflanzen können auf solchen saueren, waserdurchtränkten und sauerstoffarmen Böden wachsen. Die Liste der Blütenpflanzen der Torfmoore und Hochmoor-Sumpfflächen ist daher kurz.

Moore als Lebensraum

Die Vielzahl der Moortypen mit ihrer großen Spannbreite abiotischer Standortverhältnisse, wie hydrochemische Eigenschaften und Wasserhaushalt, hat eine große Variabilität der Vegetation in den natürlichen Mooren Mitteleuropas zur Folge. Moore sind „extreme“ Lebensräume: hohe Wasserstände, nährstoffarme, extrem saure oder basische Bedingungen, kaltes Mikroklima mit teils ganzjähriger Nachtfrostgefahr, an die sich spezielle Pflanzen- und Tierarten angepaßt haben. Nur unter diesen Bedingungen sind die dort lebenden Blütenpflanzen, Moose und Tiere in der Lage, sich dauerhaft gegenüber konkurrenzstärkeren Pflanzen- und Tierarten trockenerer Standorte zu behaupten.

Die Seggen stellen eine Pflanzengruppe, die in allen ökologischen Moortypen gegenwärtig ist. Außer hochwüchsigen Arten, wie etwa Rispen- oder Sumpfsegge, die an nährstoffreichen Standorten Großseggenrieder bilden, gibt es eine Vielzahl von Arten, die sich an die nährstoffarmen, kalkreichen Verhältnisse angepaßt haben und an solchen Standorten Kleinseggenrieder formen. An nassen, nährstoffreichen Standorten kommt die Schwarzerle vor, die bei Stickstoffmangel über symbiontische Pilze in Wurzelknöllchen Luftstickstoff nutzen kann. Dieser Baum beherrscht die Standorte in natürlichen Niedermooren, an denen überhaupt Bäume gedeihen können. Sie wächst im Botanischen Garten Kiel im benachbarten Erlenbruch.

Typische Tierarten der großflächigen, natürlichen Moore, die auch in Schleswig-Holstein vorkamen oder vorkommen sind Elch, Biber, Fischotter, Wolf, Schwarzstorch, Kranich, Seggenrohrsänger, Bruchwasserläufer, Goldregenpfeifer, Brachvogel, Kiebitz, Trauerseeschwalbe u.a.. Darüber hinaus bieten die Moore Lebensraum für Amphibien, wie Moorfrosch, Grasfrosch, Laubfrosch, Reptilien wie Kreuzotter, Ringelnatter und Waldeidechse sowie Insekten, etwa aus der Gruppe der Libellen. Mit Amphibien, Reptilien und Insekten können wir im Moor des Botanischen Gartens aufwarten.

 

Anpassungsstrategien

Verbesserte Nährstoffversorgung durch:

  • Insektenfang (z. B. Sonnentau, Drosera)

  • Ausbildung einer Symbiose zwischen Pflanzenwurzel und Pilzen in Form einer Mykorrhiza (z. B. bei Zwergsträuchern aus der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae))

Schutz gegen Temperaturextreme (Gleichzeitig Anpassung an die mangelnde Versorgung mit Stickstoff):

  • kleine nadelförmige oder ledrige Blätter (Peinomorphosen)

Typische Blütenpflanzen der Hochmoore

  • Krähenbeere (Empetrum nigrum)

  • Rosmarinheide (Andromeda polifolia)

  • Sonnentau (Drosera spec.)

  • Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum)

  • Glockenheide (Erica tetralix)

  • Sumpfporst (Ledum palustre)

  • Moorlilie (Narthecium ossifragum)

  • Moosbeere (Vaccinium oxycoccus)

Insektivore Pflanzen
Nährstoffarme Lebensräume, bieten vielen Pflanzen keine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen. Einige Arten haben sich daher darauf spezialisiert, ihren Bedarf an z. B. Phosphaten und Stickstoff durch den Fang von Tieren zu ergänzen. Wegen dieser Eigenschaft werden sie als Insektivore (Insektenfresser) bezeichnet.
Ein typischer Vertreter ist der Sonnentau, dessen Blätter dicht mit klebrigen Tentakeln besetzt sind. Diese scheiden am oberen
Ende einen klebrigen Tropfen ab, der mit seinem honigartigen Duft und Aussehen Insekten anlockt. Die in diesem Klebtropfen enthaltenen Verdauungssafte lösen das Insekt dann zur Nährstoffaufnahme auf.

 


 

  Dr. Martin Nickol M.A., FLS 14. Januar 2011 © Bilder: Dr. Martin Nickol