In unserer systematischen Abteilung können Sie sich über die verwandtschaftlichen Verhältnisse von Pflanzen informieren. Um die Zugehörigkeit verschiedener Familien zu einer bestimmten Unterklasse verständlicher zu vermitteln, sind die acht Unterklassen der ein- und der zweikeimblättrigen Pflanzen, die Ordnungen und Klassen mit eigenen Etiketten beschildert. Den Besuchern wird dadurch verdeutlicht, dass beispielsweise der Sauerdorn (Berberis vulgaris, Familie der Berberidaceae) und die Sumpfdotterblume (Caltha palustris, Familie der Ranunculaceae) zu derselben Unterklasse der Magnoliidae gehören. Beide Gattungen müssen also über bestimmte gemeinsame Merkmale verfügen. Durch die genauere Beobachtung der Pflanzen können Sie sowohl die gemeinsamen (Kategorie der Unterklasse) als auch die trennenden (Kategorie der Familie) Charakteristika herausfinden und so das ganze hierarchische System der Pflanzen besser verstehen.
Das System der Samenpflanzen zeigt die Verwandtschaft der heute lebenden Samenpflanzen und gibt Hinweise auf ihre Abstammungslinien. Neben den Nacktsamigen Pflanzen wie Koniferen, Ginkgo oder Palmfarnen bestimmen vor allem die Bedecktsamigen Pflanzen das Pflanzenkleid der Erde. Die Nacktsamer produzieren ihre Samen in offenen Zapfen, die Bedecktsamer schützen den Samen durch die Umhüllung mittels ihrer Fruchtblätter.
Besonders die gemeinsame Entwicklung von Blütenpflanzen und Insekten hat zu einer ungeheuren Artenvielfalt geführt. Diese zu ordnen und die Abstammungsverhältnisse zu klären ist Ziel der Pflanzensystematik. Den Wurzeln der ersten Blütenpflanzen stehen heute Seerosen, Sternanis und Amborella trichopoda am nächsten (ein kleiner Strauch, der nur auf einer kleinen Insel im süd-westlichen Pazifik beheimatet ist). Zu den Magnolienartigen gehören neben Magnolien, Lorbeer, Pfeffer und Pfeifenwinden. Allen gemeinsam ist der einfache Bau des Holzes sowie bestimmte Inhaltsstoffe. Aus den Vorfahren dieser Gruppe haben sich die beiden anderen großen Abstammungslinien entwickelt: die Einkeimblättrigen (Lilien, Palmen und Gräser) und die Zweikeimblättrigen Pflanzen (Clematis, Nelken, Rosen, Astern).
Wir beginnen auf der dem Großen Teich zugewandten Seite des Systems mit den ursprünglichen Vertretern der zweikeimblättrigen Pflanzen (Dicotyledoneae = Magnoliatae), den Magnoliengewächsen (Magnoliaceae) und enden bei den höher entwickelten Körbchenblütlern (Asteraceae) dieser ersten Klasse der Magnoliophytina. Unter "Magnoliophytina" versteht man eine Unterabteilung der Samenpflanzen. Die Anlagen ihrer Samen sind in einem Fruchtknoten eingeschlossen, in dem sie zu Samen heranreifen.
Über den großen Hauptweg hinweg setzt sich das System mit der zweiten Klasse der Magnoliophytina, den einkeimblättrigen Pflanzen (Monocotyledoneae = Liliatae) fort. Hier finden Sie unter anderem verschiedene Vertreter der Lilien- und Schwertliliengewächse sowie der Orchideen, Süß- und Sauergräser. Zahlreiche Vertreter der beiden erstgenannten Familien überdauern die warm-trockene Jahreszeit unterirdisch als Zwiebel, Knolle oder Rhizom, die oberirdischen Organe wie Stengel, Blätter, Blüten und Früchte entwickeln sie nur im zeitigen Frühjahr bzw. im Herbst und "sterben" schon im Frühsommer zumindest oberirdisch ab. Daher erwecken manche Beete über lange Zeit des Jahres den Anschein, unbewachsen zu sein. Dafür aber erfreuen im Hochsommer die Canna und die Freilandbananen Kiels.
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