Papaya fruchtend Victoriahaus Kiel

Carica papaya, der Melonenbaum, fruchtet im Victoriahaus.
Victoria Kiel
Die Riesenseerose Victoria ist eine der auffallendsten Erscheinungen im Pflanzenreich.
Mangrove-Pflanzen bilden ein umfangreiches Stelzwurzelsystem aus, um sich gegen die Kräfte der Tide verankern zu können.
Stelzwurzeln Mangroven Kiel
Botanischer Garten Kiel Botanischer Garten Kiel  

der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Victoriahaus (Riesenseerose & Mangroven)

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Victoriahaus im Botanischen Garten Kiel

 

Victoriahaus im Botanischen Garten Kiel
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wasserpflanzen

Im Victoriahaus des Botanischen Gartens Kiel sind tropische Wasserpflanzen zusammen mit der wichtigen Vegetationseinheit, den küstenbefestigenden Mangroven, zu sehen. Darüber hinaus birgt dieses Schauhaus auch weltwirtschaftlich bedeutende Nutzpflanzen wie die Kokospalme, das Zuckerrohr (nebst Zuckerpalme), Reis, Papayas, Taro, Tamarinde u.a.

In den Sumpfbecken sind Wasserpflanzen, wie der Wassersalat (Pistia stratiotes, Aronstabgewächse), eine pantropische Wasserpflanze mit freischwimmenden Blattrosetten, zu sehen. Die aus dem tropischen Amerika stammende Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes, Wasserhyazinthengewächse) bildet frei schwimmende Teppiche und ist als Eindringling in anderen Weltgegenden zum Problem geworden, wo sie auf Kanälen den Bootsverkehr und auf Seen die Fischerei behindert. Zu den Farnpflanzen gehören die ebenfalls freischwimmenden Vertreter der Gattungen Salvinia und Azolla.

Außer Sumpf- und Wasserpflanzen haben sich zahlreiche Pflanzen zu Schwimmpflanzen entwickelt. Sie erschließen sich so einen Lebensraum, der den fest im Boden verankerten Pflanzen verwehrt bleibt. Sie verwirklichen unterschiedlichen Möglichkeiten des Schwimmens. Einige bilden ein schwammiges, luftgefülltes Gewebe, um Auftrieb im Wasser zu gewinnen. Bei der Wasserhyazinthe Eichhornia crassipes, dienen die Blattstiele als Schwimmkörper, ebenso wie bei dem gelegentlich schwimmenden Farn Ceratopteris. Bei Neptunia oleracea sind die Sprosse und bei Ludwigia helminthorrhiza die Wurzeln eigens dafür umgebildet. Andere Schwimmpflanzen besitzen stark wasserabstoßende Blattoberflächen, wie die Gattungen Azolla und Salvinia sowie der Wassersalat Pistia stratiotes, hervorgerufen durch dichte, zusammenneigende und samtig wirkende Behaarung. Stattliche Sumpfpflanzen hier im Victoriahaus sind hingegen das großblättrigen Aronstabgewächse Typhonodorum lindleyanum aus Madagaskar oder der echte Papyrus (Cyperus papyrus), der in Äypten schon im Altertum zur Herstellung von Beschreibstoff (Papyrus) verwendet wurde.

Hydorcotyle verticillata

Der Amerikanische Wassernabel, Hydrocotyle verticillata, kommt aus den subtropischen bis gemäßigten Lebensräumen Nord- und Südamerikas.

Im Seitenbeet zum Innenhof hin wuchern im Sommerhalbjahr Schlingpflanzen bis unter das Dach. Dioscorea bulbifera, die zu den Yamswurzelgewächsen gehört, bildet in ihren Blattachseln Knollen aus, die in den Tropen gegessen werden. Die Balsambirne oder Bittergurke (Momordica charantia) ist ein Kürbisgewächse, das zwar unscheinbare gelbe Blüten, aber auffallende warzign, innen leuchtend orangerote Früchten trägt. Im zeitigen Frühjahr blüht hier bereits der Kletternde Losstrauch, Clerodendrum thomsoniae, aus Westafrika, der zu den Lippenblütlern zählt.

Mimosa pudica Botanischer Garten Kiel

Regelmäßig blühen am Rande des Victoriabeckens Exemplare der echten Mimose oder Sinnpflanze (Mimosa pudica) und der ihr verwandten, gelb blühenden Wassermimose Neptunia oleracea, die in Thailand als Gemüse angebaut wird. Bereits bei leichter Berührung falten die Mimosen ihre Blattfiedern zusammen, bei starker Erschütterung senken sie sogar die gesamten Blattspreiten und die Blattstiele. Der Reiz wird innerhalb der Pflanze weitergeleitet, so daß auch benachbarte Blätter reagieren können. Daran sind sowohl chemische Botenstoffe, als auch elektrische Impulse beteiligt.

Die Riesenseerose Victoria

Die Hauptanziehungspunkte sind sicherlich die Riesenseerosen der Gattung Victoria, die dem Haus seinen Namen gaben, und weitere Seerosengewächsen wie Nymphaea lotus, die blaue Blume vom Nil. Victoriahäuser mit der berühmten Amazonas-Riesenseerose sind seit dem 19. Jahrhundert der Stolz jedes bedeutenden Botanischen Gartens. Sofern wir Samen der beiden einzigen existierenden Arten selbst ernten können oder von anderen Gärten bekommen, werden abwechselnd Victoria amazonica vom Amazonas und Orinoco und Victoria cruziana aus dem Parana-Flußgebiet gezeigt. Die Entwicklung vom Samen bis zur ausgewachsenen Pflanze mit ihren kuchenblechförmigen, auf der Unterseite gerippten und bewehrten Schwimmblättern, die bei uns im Sommer über zwei Meter Durchmesser erreichen können, dauert fünf bis sechs Monate. Die großen Blüten erscheinen regelmäßig, oft schon im Januar. Der Botanische Garten Kiel zählt zu den wenigen, denen es gelingt, die Victoria-Pflanzen auch über den Winter hindurch zu erhalten und dies sogar blühend!

Victoria Victoriahaus Botanischer Garten Kiel

Die Victoria gehört zu den imposantesten Wasserpflanzen: sie ist ja auch nach einer großen Königin benannt (Königin Victoria von England, 1819 - 1901). Entdeckt hat sie 1801 der Botaniker Thaddeus Haenke auf einer Forschungsreise ins Amazonasgebiet. Victoria ist eine außergewöhnliche Pflanze. Ihre riesigen Schwimmblätter erreichen in ihrer tropischen Heimat einen Durchmesser von 3 Meter und können dort die Wasserlast von bis zu 70 Kilogramm tragen. Die Blätter sind dafür besonders gestaltet. Zwischen ihren kräftigen Blattnerven, der Blattunterseite und der Wasseroberfläche werden große Luftblasen gefangen, auf denen das Riesenblatt wie auf einem Luftkissen schwimmt. Schutz gegen Tierfraß durch Fische oder Seekühe gewähren starke Stacheln, die man auch am umgeklappten Blattrand sieht. Die Blätter haben einen etwa 6 cm hohen Rand mit zwei gegenüber liegenden Einbuchtungen. So reißt bei heftigen Bewegungen der Rand nicht ein, die Blätter schieben sich gegenseitig auseinander (und alle Konkurrenten weg) und nach den tropischen Regengüssen kann das Wasser leicht abfließen. Zudem ist das Blattgewebe zwischen den Rippen von senkrechten Röhrchen (Stomatoden) durchzogen, die das Wasser kapillar ableiten, so daß auch die letzten Tropfen, die in der Tropensonne ansonsten Brennglaswirkung entfalten könnten, verschwinden.
Die Blüte zeigt ihre Pracht nur an zwei Tagen. Am frühen Abend erblüht sie weiß, verströmt einen leicht vanilligen Ananasgeruch und ist im Inneren um 10°C wärmer als ihre Umgebung. Durch das kontrastreiche Weiß der Blüte, die Wärme und den Blütenduft werden Käfer angelockt. In der Morgendämmerung aber schließt sich die Blüte und wird zur Zelle. Immerhin mit Kost, denn ein stärkereiches, schwammiges Gewebe an den Fruchtblättern bietet den Insekten Nahrung. Am Abend des zweiten Tages öffnet sich die Blüte wieder. Sie hat sich rosarot umgefärbt und ist nun duftlos. Kurz vorm Öffnen werden die Käfer mit Pollen beladen, den sie alsbald zur nächsten weißen duftenden Blüte bringen. Ein letztes Mal schließt sich die Blüte. Bestäubt sinkt sie zum Grunde des Gewässers. Dort entwickeln sich in den Fruchtblättern die Samen. Diese werden von den Amazonas-Indianern zu Mehl vermahlen, aus dem gut schmeckendes Gebäck hergestellt wird.

Euryale ferox

Die Stachelseerose Euryale ferox aus den tropischen und subtropischen Gebieten Ostasiens hat flache, tellerförmige Schwimmblätter gigantischen Ausmasses, die nur von Victoria selbst übertroffen werden.

Vom Steg über dem Victoriabecken aus erkennt man die rosettenartige Blattstellung der Victoria und nimmt die Größe der Blätter besonders gut wahr. Hier sieht man auch die Pflanzen der Gattung Nelumbo. Die rosa bis weißblühende Indische Lotosblume (Nelumbo nucifera) ist altweltlicher Herkunft, sie zieht im Herbst vollständig ein. Im Sommerhalbjahr kommt sie regelmäßig zur Blüte. Weitere Lotosblumen sind dann im von außen einsehbaren Schauhaus direkt am Haupteingang des Botanischen Gartens Kiel zu sehen.

Verholzende Lianen wie Aristolochia gigantea oder Clerodendrum speciosissimum und C. thomsoniae ranken bis unter das Gewächshausdach. Im Sommerhalbjahr ist hier die großblütige, aber äußerst übelriechende Aristolochia grandiflora zu finden, welche Fliegen im Dienste der Bestäubung für eine Weile festhält. Hinter dem Victoriabecken erheben sich die mächtigen Aronstabgewächse der Tropen.

Aquarien im Mediterranhaus

Ergänzend zu den Wasserpflanzen des Victoriahauses gibt es die Aquarien im Mediterranhaus. Die Wasserpflanzenbecken (Aquarien) ergänzen das Sumpf- und Wasserpflanzenhaus, in dem untergetauchte Pflanzen weniger gut darstellbar sind als in Aquarien. Die Zierfische, Garnelen und Schnecken in diesen Aquarien beleben zwar das Bild ungemein und helfen zum Teil bei der Sauberhaltung der Glasscheiben, doch gilt das Augenmerk bei der Gestaltung ganz den Pflanzenarten, unter denen besonders Vertreter der typischen Wasserpflanzen-Familien Hydrocharitaceae (Gattung Vallisneria) und Alismataceae (Gattung Echinodorus) zahlreich vorhanden sind. Von Familien und Gattungen mit Land- und Wasserpflanzen sind untergetauchte Araceen (Cryptocoryne) und Amaryllidaceen (Crinum) vertreten. An die fein zerteilten Blätter des Tausendblattes (Myriophyllum) erinnern Doppelgänger aus anderen Familien mit feinzerteilten Unterwasserblättern wie Limnophila und Hydrotriche (Scrophulariaceae). Weitere untergetaucht wachsende Pflanzen anderer Familien (z.B. Acanthaceae, Aponogetonaceae, Lythraceae) sind hier ebenfalls vertreten.

 

 

Mangroven

Victoriahaus-Rundblick

Ein Mangroven-Bestand im Mittelbeet des Victoriahauses zeigt naturnah die für Rhizophora mangle charakteristische Bildung von Stelzwurzeln. Als Mangroven werden sowohl die Sumpfwälder der Gezeitenzone tropischer Küsten und Flußmündungen mit Brackwasser als auch die dort vorkommenden Baumarten bezeichnet. Der am weitesten verbreitete Mangrovenbaum ist Rhizophora mangle (Rhizophoraceae), der unter Kulturbedingungen ohne Brackwasser auskommt. Aus dem Kronenbereich ziehen sich die immer aufs Neue verzweigten Wurzeln auch über den Weg und machen erlebbar, welches Wurzeldickicht Mangrovenbäume in der immer wieder von der Flut bedeckten Schlickzone zu ihrer eigenen Verankerung aufbauen. Wie eine andere Mangrovenart, Bruguiera gymnorhiza aus dem Indo-pazifischen Raum, kommt Rhizophora mangle bei uns regelmäßig zur Blüte und zeigt die für viele Mangroven charakteristische Viviparie, d. h. das Austreiben des Keimlings in der Frucht. Junge Exemplare sind direkt am Beckenrand zu sehen. Auch ein Farn (Acrostichum aureum) ist für die Randbereiche der Mangrovenzone typisch und bildet in der Natur dichte Bestände. Integriert ist ein Schraubenbaum der Gattung Pandanus, der mit seinen dicken Luftwurzeln samt ohne Mikroskop sichtbarer Wurzelhaube den Mangroveneindruck verstärkt. Die vielgestaltige Gattung Pandanus kommt mit rund 600 Arten in den wärmeren Ländern der östlichen Halbkugel vor; die meisten von ihnen sind auf den Inseln des Pazifischen Ozeans und den Maskarenen verbreitet, wo sie in der Nähe des Meeres wachsen und bisweilen weite Landstriche bedecken.

Pandanus utilis

Die auf den Maskarenen und Madagaskar heimische Art Pandanus utilis mit 6 m hohem Stamm und sehr langen, schwertförmigen Blättern wird besonders auf den Antillen und auf Mauritius kultiviert; ihre kugeligen, orangenförmigen Früchte sind genießbar, und aus den Blättern gewinnt man Fasern, die zu Packmaterial verarbeitet werden.

Anubias barteri var. nana

Das Zwerg-Speerblatt (Anubias barteri var. nana) kommt im Flüsschen Limbé an der westafrikanischen Küste nahe des Kamerunberges vor. Es ist eine beliebte Aquarienpflanze, die untergetaucht leben kann.


 

 

 

 

 

  Dr. Martin Nickol M.A., FLS 16. November 2016 © Bilder: Dr. Martin Nickol