Suchen Sitemap Kontakt Impressum | Schüler + Studieninteressenten | Wirtschaft | Presse | Alumni + UG | CAU Intern

Zur Startseite

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Universität Kiel und Nationalsozialismus

Nationalsozialismus

Machtergreifung

Lehrerbildung

Vertriebene Wissenschaftler

Aufarbeitung

Werner Catel

Weitere Arbeiten

Hinweise

zur Druckfassung


Ins NS-Euthanasieprogramm verstrickt: Der Mediziner Werner Catel (Stellungnahme des Senats vom 14.11.2006)



Lange wurde darüber diskutiert, wie mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des ehemaligen Leiters der Kinderklinik, Professor Werner Catel, umgegangen werden sollte. Am 14. November 2006 hat sich der Senat auf einen gemeinsamen Text geeinigt, der neben dem Professorenporträt im Flur der Klinik hängen soll:

"Professor Dr. med. Werner Catel war 1933-1945 Direktor der Universitäts-Kinderklinik Leipzig. In den Kriegsjahren 1939-1945 war er einer der drei Gutachter im "Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leidens", der Tarnorganisation für die systematische Tötung von Tausenden schwer geschädigter Kinder und Jugendlichen ("Kindereuthanasie"). Unter dem Deckmantel der Humanität ("Leidminderung") wurden dort die Meldung und Vernichtung "unwerten Lebens" gerechtfertigt.

Nach dem Krieg wurde Catel als "entlastet" eingestuft. Zwei Strafverfahren gegen ihn wurden eingestellt: Das Landgericht Hamburg hat 1949 die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt, da es nicht erkennen konnte, dass die "Verkürzung lebensunwerten Lebens eine Maßnahme genannt werden [könne], welche den allgemeinen Sittengesetz widerstreite". Das zweite Verfahren wurde 1964 vom Landgericht Hannover "außer Verfolgung" gesetzt, weil Catel der Überzeugung gewesen sei, das Beste für die betroffenen Kinder zu tun, Totschlag, im Gegensatz zu Mord, aber nach 15 Jahren verjährt sei.

1954 wurde Catel nach Kiel berufen, 1960 trat er auf Druck der Öffentlichkeit zurück.

Catel wurde als engagierter klinischer Lehrer wahrgenommen, war Verfasser mehrerer Monographien über Übernahrung und Tuberkulose, Herausgeber von Werken über Pädiatrische Differentialdiagnostik und Kinderkrankenpflege.

Die Verantwortlichen der Kinderklinik, die Medizinische Fakultät und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel verurteilen Catels Mittäterschaft an der "Kindereuthanasie". Die Berufung auf einen Lehrstuhl der Kieler Universität ist nicht zu rechtfertigen, wenn auch offen bleiben muss, inwieweit damals den Berufenden die Verstrickung Catels in die "NS-Kindereuthanasie" bekannt war. Es gehört zu den elementaren ethischen Grundsätzen des Arztberufes, menschliches Leben zu schützen und nicht zu töten."


Literaturangaben


Petersen, Hans-Christian / Zankel, Sönke: "Ein exzellenter Kinderarzt, wenn man von den Euthanasie-Dingen mal absieht" – Werner Catel und die Vergangenheitspolitik der Universität Kiel, in: Hans Werner Prahl / Hans-Christian Petersen / Sönke Zankel (Hrsg.): Die Uni-Formierung des Geistes. Universität Kiel un der Nationalsozialismus, Band 2, Kiel 2007, S. 133-178.

Andree, Christian: Die Universitätskinderklinik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 1906-2006: Eine medizinhistorische Studie zum hundertjährigen Bestehen. Kiel 2006 [S. 171-208 zu "Werner Catel (1894-1981). Seine Verstrickungen in das Kindereuthanasie-Programm der Nationalsozialisten. Gedanken, Taten und Folgen"].



Zuständig für die Pflege dieser Seite: Pressestelle der Universität   ► presse@uv.uni-kiel.de