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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Dissens innerhalb studentischer Gruppen an der CAU bis 1937



Der Historiker Matthias Wieben spricht von einer "grundsätzlichen Bereitschaft [der Kieler Studenten, Anm. d. Red.], die Herrschaft der Nationalsozialisten an der Universität zu tolerieren bzw. zu fördern". Auch innerhalb der generell affirmativen Studierendenschaft gab es jedoch opponierende Gruppen. Diese Opposition sei allerdings größtenteils im "systemkonformen Bereich" geblieben, es handelte sich lediglich um "loyale Systemkritik" (so Wieben).

Eine abweichende Gruppierung unter den Studenten stellten die Verbindungen dar, die gegen Forderungen der Kieler Studentenschaft (KSt) protestierten. So sollten sie beispielsweise auf Anordnung des Führers der KSt vom 12. Juli 1933 ihre Häuser als Wohnheime für Studenten aus Arbeitsdienstlagern zur Verfügung stellen. Der Protest der Verbindungen gegen diese und andere Forderungen äußerte sich nicht nur in schriftlichen Eingaben, sondern zum Beispiel auch im öffentlichen Tragen der Verbindungsfarben, obwohl dies verboten war. Die KSt und der Rektor der Universität betrachteten dies als "Sabotage". Einzelne Verbindungen wurden von der Gestapo überwacht.

Eine grundsätzliche Ablehnung des Nationalsozialismus ließ sich jedoch nicht erkennen, da sich die Konflikte der Verbindungen mit den nationalsozialistischen Organisationen auf den Bereich der studentischen Lebensform beschränkten. Die antisemitische und rassenkundliche Ideologie der Nationalsozialisten sowie die politische Erziehung stellten dagegen laut Wieben keine Konfliktlinien dar. Auch gab es enge personelle Verzahnungen der Verbindungen mit dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB). Die Verbindungen hatten daher geglaubt, sich in die nationalsozialistische Bewegung integrieren zu können, ohne ihre tradierten Lebensformen aufgeben und den Führungsanspruch des NSDStB anerkennen zu müssen. Durch das Verbot der gleichzeitigen Mitgliedschaft in NSDStB beziehungsweise NSDAP oder SA und einer Verbindung verloren einige Kieler Korporationen jedoch 1935 einen Teil ihrer Mitglieder. Im selben Jahr wurde die "freiwillige" Auflösung der Verbindungen vorangetrieben. Die "Deutsche Burschenschaft" (DB) trat in den NSDStB ein, die in der DB gesammelten lokalen Verbindungen sollten Kameradschaften innerhalb des NSDStB bilden.

Innerhalb der Gruppe der christlichen Studenten dagegen gab es Wieben zufolge Fälle von "individuelle[m] Protestverhalten" aufgrund von "weltanschauliche[m] Dissens". Wieben erwähnt hierbei "konspirative Verhaltensweisen" wie Bibelabende, "Treffen an wechselnden Orten" und Anhängerwerbung für die Bekennende Kirche. Die christlichen Studenten waren jedoch keine geschlossene Gruppe, sondern gehörten teilweise Verbindungen oder politischen Hochschulgruppen wie dem NSDStB oder auch der SA an. Es gab keine generelle Opposition zum Nationalsozialismus. Die anti-christliche Haltung der KSt rief jedoch Widerspruch hervor, der durch ministeriale Maßnahmen gegen Professoren der Theologischen Fakultät verstärkt wurde. Die Fachschaft unterstützte klar die Theologen der Bekennenden Kirche um Hans Engelland. Vermutlich auch an der Fakultät selbst stellten die Studenten der Bekennenden Kirche jedoch eine Minderheit dar.

Es gab an der Christian-Albrechts-Universität außerdem laut Wieben durchaus Fälle von "spontane[n] Missfallensäußerungen". So befasste sich beispielsweise 1937 ein Disziplinarausschuss mit einem Studenten, dem verschiedene Fehltritte zur Last gelegt wurden: unter anderem soll er "Heilt Hitler" anstelle von "Heil Hitler" gesagt haben – was der Student jedoch bestritt – sowie eine verbotene Rede von Ernst Wiechert abgeschrieben haben. Er gab an, die Rede von einer Kommilitonin erhalten zu haben, die Mitglied des Deutsch Christlichen Studentinnenbundes war. Es ist also anzunehmen, dass es studentische Kreise gab, in denen verbotene Schriften kursierten.


Literaturangaben

Wieben, Matthias: Studenten der Christian-Albrechts-Universität im Dritten Reich. Zum Verhaltensmuster der Studenten in den ersten Herrschaftsjahren des Nationalsozialismus (Kieler Werkstücke: Reihe A, Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, Bd. 10). Frankfurt am Main u.a. 1994.



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