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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Die Schleswig-Holsteinische Universitäts-Gesellschaft im Nationalsozialismus



Die am 27. Juli 1918 gegründete Schleswig-Holsteinische Universitäts-Gesellschaft setzte sich zum Ziel, die Entwicklung der Christian-Albrechts-Universität und der studentischen Wohlfahrtseinrichtungen zu unterstützen. Sie wollte darüber hinaus die Heimatkunde und – vor allem durch rege Vortragstätigkeit – die kulturellen Beziehungen zum Land Schleswig-Holstein fördern. Die Universität sollte laut der ersten Satzung eine starke Rolle innerhalb der Gesellschaft innehaben. So ist zum Beispiel bis heute der Rektor der Universität gleichzeitig Vizepräsident der Gesellschaft.

Zwischen 1923 und 1933 erlebte die Universitäts-Gesellschaft unter dem Ersten Vorsitzenden Anton Schifferer ihren Ausbau zur größten kulturellen Organisation in Schleswig-Holstein. Seit 1924 erschien eine eigene Schriftenreihe.1931 hatte sie 12.095 eingetragene Mitglieder und 23 Orts- sowie drei Kreisgruppen. Über 300 Vereine, Verbände, Institute und Firmen waren ihr angeschlossen.

Schifferer sah die Universität und die Universitäts-Gesellschaft als Träger der Kulturarbeit, die Schleswig-Holstein "als deutscher Vorposten westgermanischer Kultur" zu leisten habe "gegenüber dem dänischen Vorposten nordgermanischer Kultur". Langfristiges Ziel war jedoch die wissenschaftliche und kulturelle Kooperation mit den Nordischen Ländern, die es ermöglichen sollte, Konflikte wie die Nordschleswig-Frage friedlich zu lösen. Schifferer war entschiedener Gegner der Nationalsozialisten. Am 13. Mai 1933 trat er angesichts ihres Ausgreifens auf die Universitäten von seinen Ämtern in der Gesellschaft zurück und übertrug die Geschäfte dem Historiker Carl Petersen.

Petersen trieb zusammen mit dem neuen Rektor der Universität, Lothar Wolf, die "Gleichschaltung" der Gesellschaft voran. Ihre Aufgaben waren laut Satzung vom 5. August 1933 nun "die wissenschaftlichen Bestrebungen auf dem Gebiet der Deutschtums-, Heimat- und Grenzkunde" und die "Erforschung des nordisch-baltischen Raumes". Mit der neuen Satzung wurde in der Universitäts-Gesellschaft das "Führerprinzip" eingeführt. Elemente demokratischer Mitbestimmung wurden weitgehend abgeschafft. Aufkommende Konflikte mit den Nationalsozialisten waren weniger ideologischer, sondern eher organisatorischer Natur, da die Gesellschaft versuchte, den Verlust ihrer Eigenständigkeit durch Eingliederung in NS-Organisationen wie den "Kampfbund für Deutsche Kultur" und das "Deutsche Volksbildungswerk" abzuwehren. Auch wenn ihre Eigenständigkeit formell erhalten blieb, wurde die Gesellschaft durch personelle Verzahnungen eng an die NSDAP angebunden.

Das Vortragswesen der Gesellschaft wurde ab 1933 „ganz in den Dienst des neuen Staates“ (Jahrbuch 1933/1934) gestellt. Petersen referierte zum Beispiel über den "heroischen Geist der Germanen", Ferdinand Weinhandl über "Kunst und Nationalsozialismus." Auch die finanziellen Zuwendungen der Gesellschaft erfolgten fortan unter politischen Gesichtspunkten. Dem Christian-Albrecht-Haus verhalf man zu einer "nationalpolitischen Bibliothek" und der Hochschul-SA zu Uniformen. Die Publikationstätigkeit beschränkte sich auf kleine Schriftenreihen mit nationalsozialistischen Inhalten, wie die von Petersen herausgegebenen "Kieler Vorträge über Volkstums- und Grenzlandfragen und den nordisch-baltischen Raum".

Mit dem Ausbruch des Krieges wurde die Vortragstätigkeit der Gesellschaft als Beitrag zum Kampf an der "inneren Front" verstärkt. Im November 1939 eröffnete Paul Ritterbusch, seit 1937 Rektor der Universität, die "Kriegsvorlesungen für das deutsche Volk". Diese Vortragsreihe wurde von der Universitäts-Gesellschaft, dem Lehrkörper der Universität und dem NS-Dozentenbund organisiert. Außerdem leistete die Gesellschaft durch die Vermittlung von Vorträgen für die Wehrmacht ihren Beitrag zur "Wehrbetreuung".

Als im Jahr 1944 ein Luftangriff das Hauptgebäude der Universität zerstörte, wurde auch die darin befindliche Geschäftsstelle der Universitäts-Gesellschaft samt ihrer Akten vernichtet. Ihre Tätigkeiten setzte sie jedoch von einem provisorischen Büro in der Wohnung der Sekretärin aus fort. Noch bis mindestens Ende März 1945 fanden Vorträge statt.
Wenige Monate nach Kriegsende, am 20. August 1945, verfasste der Wissenschaftliche Leiter der Universitäts-Gesellschaft, Friedrich Blume, ein Rundschreiben an die Ortsgruppenleiter der Gesellschaft, in dem er um ihre Loyalität und Unterstützung beim „Neuaufbau“ des "geistigen Lebens" bat. Wie auch Blume, der noch zu Kriegszeiten das 1943 neu geschaffene Amt als Wissenschaftlicher Leiter übernommen hatte, hatten auch die Ortsgruppenleiter schon während der NS-Regimes ihre Posten inne. Änderungen "wie Erneuerung der Satzung, Neubesetzung des Vorstandes und des Beirates usw.", so Blume, sollten warten, bis "sich die Dinge übersehen lassen". Eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit fand jedoch auch später nicht statt.
sas


Literaturangaben

Jessen-Klingenberg, Manfred: Die Schleswig-Holsteinische Universitäts-Gesellschaft 1933-1945. Intrigen, Krisen, Kriegseinsatz. In: Prahl, Hans-Werner u.a. (Hrsg.): Uni-Formierung des Geistes. Universität Kiel und der Nationalsozialismus Bd. 2. Kiel 2007, S. 60-98.



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