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Umgang mit "nicht-arischen" Studenten in den ersten Jahren des Nationalsozialismus



Im Sommersemester 1933 waren mindestens 40 "nicht-arische" Studenten und Studentinnen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eingeschrieben. Sie hatten ihr Studium aufgrund von Ausnahmeregelungen im "Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen" vom 25. April 1933 aufnehmen oder fortsetzen können. Es gab jedoch einen festgelegten Höchstanteil "nicht-arischer" Studierender an deutschen Universitäten. Der zunächst vorgesehene Höchstanteil von 5 Prozent konnte an den einzelnen Universitäten durch Ausschüsse beliebig herabgesetzt werden. In München wurden beispielsweise überhaupt keine Bewerber immatrikuliert, die den Nationalsozialisten als jüdisch galten. An der Kieler Universität betrug der Höchstanteil "nicht-arischer" Studenten laut einem Beschluss vom 24. Juni 1933 0,5 Prozent der gesamten Studentenschaft und 2 Prozent an jeder Fakultät.

Die Zulassung von "Nicht-Ariern" zum Studium unterlag jedoch nicht nur diesem quantitativen Verfahren. Darüber hinaus mussten sich Bewerber einer Überprüfung ihrer Persönlichkeit unterziehen: "Eine persönliche Eignung [...] wird nur dann anzunehmen sein, wenn der Bewerber den Nachweis führt, daß sowohl er wie seine Vorfahren in engerer Beziehung zum Deutschtum gestanden hat [sic]" (Preußischer Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, 16. Juni 1933).

Im folgenden Wintersemester 1933/34 setzten nur 16 "nicht-arische" Studenten und Studentinnen ihr Studium fort. Zwischen dem Sommersemester 1934 und dem Wintersemester 1934/35 sank die Zahl von 17 auf sechs. Im Sommersemester 1939 war nur ein "Nicht-Arier" an der CAU eingeschrieben.

In den Akten finden sich laut dem Historiker Matthias Wieben keine Hinweise auf Ausschlüsse vom Studium. Demnach ist zu vermuten, dass die betroffenen Studierenden "freiwillig" ausschieden – wie zum Beispiel ein polnischer Student, der im Juni 1933 aufgrund der "Ausschaltung aller Juden aus allen Lebensbezirken, also auch aus den Hochschulstudien", um seine Papiere bat. Wieben weist auch darauf hin, dass die "nicht-arischen" Studenten "in der Regel" höheren Semestern angehörten und einige möglicherweise ihr Studium mit dem Examen abschlossen, so dass sie im Wintersemester 1934/35 nicht mehr in den Statistiken auftauchten. Einige Studenten wechselten mehrmals innerhalb Deutschlands die Universität, bevor sie ihren Abschluss machen konnten.

Den starken Rückgang der Zahl der "nicht-arischen" Studenten an der CAU führt Wieben primär auf die Gewaltakte und die Drohungen gegen jüdischen Bürger insgesamt zurück, die im Frühjahr 1933 eine erste Flüchtlingswelle auslösten. Es wurden im Rahmen dieser antisemitischen Aktionen auch Veranstaltungen als jüdisch geltender Dozenten boykottiert und Studenten am Betreten der Universität gehindert.

Die weiterhin eingeschriebenen "nicht-arischen" Studierenden wurden in mannigfacher Art und Weise diskriminiert, obwohl sie theoretisch den "arischen" Studenten gleichgestellt waren. Sie erhielten einen andersfarbigen (gelben) Studentenausweis und wurden nicht in die Deutsche Studentenschaft (DSt) aufgenommen. Auch finanzielle Vergünstigungen wurden ihnen nicht zugestanden. So wies das Ministerium am 22. April 1933 das Studentenwerk an, "nicht-arische" Studierende nicht mehr zu unterstützen. Ebenso wurden sie wie auch Wissenschaftler von den Stipendien der "Studienstiftung des Deutschen Volkes" und der "Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler" ausgeschlossen.

Im Gegensatz zu "nicht-arischen" Studenten, denen man die Möglichkeit einräumte, ihr Studium zu beenden, waren als sozialistisch geltende Studierende gänzlich vom Studium an einer deutschen Hochschule ausgeschlossen.
sas


Literaturangaben

Wieben, Matthias: Studenten der Christian-Albrechts-Universität im Dritten Reich. Zum Verhaltensmuster der Studenten in den ersten Herrschaftsjahren des Nationalsozialismus (Kieler Werkstücke: Reihe A, Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, Bd. 10). Frankfurt am Main u.a. 1994.



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