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Die Entwicklung der Theologischen Fakultät



Die Theologische Fakultät der Kieler Universität sah sich im "Dritten Reich" nicht nur von den personellen "Säuberungen" der Nationalsozialisten sondern in ihrem ganzen Bestehen bedroht. Nicht nur außerhalb, auch innerhalb der Universität gab es seit 1933 Stimmen, die der Fakultät ihr Existenzrecht an einer nationalsozialistischen Universität absprachen. So formulierten beispielsweise Rektor Lothar Wolf und Geschichtsprofessor Carl Petersen 1933 in einem Artikel: "Die Theologie scheidet als das Weltbild gestaltende Quelle aus und würde besser im Priesterseminar als an der Universität gelehrt."

Die theologische Fakultät sollte derart umgestaltet werden, dass sie "die Gewähr für eine weltanschauliche und nationalpolitische Erziehung und Ausbildung der Theologiestudierenden" bieten könne, wie der Reichswissenschaftsminister dem Rektor der Universität 1935 mitteilte. Bei der 1936 abgeschlossenen Neuordnung wurden aus dem alten Lehrkörper nur zwei Privatdozenten übernommen.

Ab 1937 dominierten die Juristische, die Medizinische und die Philosophische Fakultät die nationalsozialistische Universität, während die Theologische schrittweise "abgewickelt" wurde. Studentenseelsorgern war es seit dem Sommer dieses Jahres verboten, das Vorlesungsverzeichnis für Ankündigungen zu nutzen. Theologiestudenten wurden ab 1938 nicht mehr in die "Kameradschaften der Reichsstudentenschaft" aufgenommen. Im Jahre 1939 wurden die akademischen Rundfunkpredigten und kurz darauf theologische und kirchliche Rundfunksendungen überhaupt verboten. Freie Stellen an der Fakultät wurden nicht neu besetzt, sondern vertretungsweise durch Privatdozenten von außerhalb übernommen. Der Lehrstuhl für praktische Theologie zum Beispiel kam 1941 nach jahrelangen Vertretungen an das Institut für Meereskunde. Darüber hinaus wurde die Fakultät 1940 in einer Festschrift zum 275-jährigen Bestehen der Universität übergangen, und seit demselben Jahr wurde ihr Dekanat durch Vertreter anderer Fächer wahrgenommen.

Auch die rückläufigen Studentenzahlen zeigten den Bedeutungsverlust der Fakultät: Während im Wintersemester 1933/34 noch 149 Studierende der Theologie eingeschrieben waren, waren es im Wintersemester 1938/39 nur 22. Der Krieg verstärkte diese rückläufige Entwicklung noch.

Nach Kriegsende konnten fast alle der in den Dreißiger Jahren Neuberufenen ihre Ämter an der Theologischen Fakultät wieder aufnehmen.
sas




Literaturangaben

Alwast, Jendris: Die Theologische Fakultät unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. In: Prahl, Hans-Werner (Hrsg.): Uni-Formierung des Geistes. Universität Kiel im Nationalsozialismus Bd. 1. Kiel 1995, S. 87-137.



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