Suchen Sitemap Kontakt Impressum | Schüler + Studieninteressenten | Wirtschaft | Presse | Alumni + UG | CAU Intern

Zur Startseite

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Universität Kiel und Nationalsozialismus

Nationalsozialismus

Machtergreifung

Lehrerbildung

Vertriebene Wissenschaftler

Leonore Brecher

Aufarbeitung

Weitere Arbeiten

Hinweise

zur Druckfassung


Dr. Leonore Brecher

geb. 14. Oktober 1886 in Botosani (Österreich-Ungarn);
gest. 18.09.1942 im Vernichtungslager Maly Trostenets
Einrichtung: Zoologie


Leonore Brecher promoviert 1916 bei dem österreichischen Physiker Karl Przibram am Institut für Radiumforschung in Wien, wo sie ihm ab 1918 assistiert. Da es ihr wie vielen Frauen der damaligen Zeit nicht möglich ist, sich mit einer festen Anstellung im akademischen Betrieb zu etablieren, geht sie 1923 mit einem Stipendium der »American Association of University Women« für ein Jahr nach Rostock und dann wieder nach Wien zurück, um ihre Studien fortzusetzen.

Ein anschließendes Stipendium der »Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler«, das sie 1925 erhält, ermöglicht ihr einen Aufenthalt in Berlin, wo die mittlerweile 39-jährige Wissenschaftlerin unter anderem bei der Zellforscherin Rhoda Erdmann (1870 bis 1935) arbeitet, die zu den ersten an der Berliner Universität lehrenden Professorinnen gehört Durch ein bis 1931 befristetes Stipendium des Yarrow Research Fellowship of Girton College, Cambridge, hält sie sich in England, Rostock und schließlich in Kiel auf, wo sie beim Zoologen Prof. Dr. Wolfgang Freiherr von Buddenbrock-Hettersdorf und anschließend bei dem Physiologen Professor Rudolf Höber arbeitet .

Im Juli 1933 bittet sie in einem Schreiben an das Biochemische Institut in Cardiff um ein Stipendium, da sie aufgrund ihrer »nicht-arischen« Abstammung von der »Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler« nicht mehr unterstützt werde. Die Situation in Kiel wird immer aussichtsloser, als ihr Unterstützer Höber, der nach dem »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums«(BBG) als Jude gilt, von seinem Lehrstuhl vertrieben wird. Sie bittet den »Academic Assistance Council« um eine Arbeitsmöglichkeit in England, die ihr verweigert wird. Mit 47 Jahren sei sie zu alt und wissenschaftlich zu spezialisiert, heißt es. Außerdem wird ihre »Persönlichkeit in einem Schreiben des Girton College, Cambridge, sehr negativ eingeschätzt« (Bodleian Library, Department of Western Manuscripts, Archiv der »Society for the Protection of Science and Learning«, zitiert nach Uhlig).

Sie kehrt im November 1933 von Deutschland nach Wien zurück. Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 wird sie aufgrund ihrer Abstammung wieder vertrieben..

Nach einem unbezahlten Forschungsaufenthalt in Cardiff im November 1938 wird ihre persönliche Lage immer verzweifelter, da die Nachfolgeorganisation des »Academic Assistance Council», die »Society for Protection of Science and Learning« (Gesellschaft zum Schutz von Wissenschaft und Lehre), ihr weder finanzielle Unterstützung noch eine dauerhafte Arbeitsstelle vermitteln kann. Eines der letzten Lebenszeichen Leonore Brechers ist ein Schreiben an die Organisation vom 14. Mai 1939.

Schließlich wurde Leonore Brecher am 14. September 1942 ins Vernichtungslager Maly Trostinez deportiert und verstarb dort am 18. September 1942.

ba


Literaturangaben

► Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.



Zuständig für die Pflege dieser Seite: Pressestelle der Universität   ► presse@uv.uni-kiel.de