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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Professor Dr. Fritz Brüggemann

geb. 18. Dezember 1876 in Aachen; gest. 5. August 1945 in Wiesbaden
Einrichtung: Literaturwissenschaft


Der Literaturwissenschaftler Fritz Brüggemann habilitiert sich 1918 in Aachen und lehrt seit 1928 in Kiel. Während der Weimarer Republik gilt Fritz Brüggemann politisch als Liberaler. 1930 hält er die Festrede bei der Verfassungsfeier der Provinz Schleswig-Holstein. Redner der vorhergehenden Jahre waren unter anderem die Juristen Gustav Radbruch, Walter Jellinek und Walther Schücking.

Nach der Machtergreifung kommt es im März 1933 zu einer schweren Auseinandersetzung mit dem Literatur- und Theaterwissenschaftler Wolfgang Liepe. Brüggemann behauptet, dass die Studenten den Vorlesungen seines Kollegen aus »rassischen und nationalen« Gründen fernblieben. Liepe wehrt sich gegen die Vorwürfe und fordert ein Ermittlungsverfahren. Auch der Sprachwissenschaftler Carl Wesle und der Altphilologe Richard Harder bleiben von Brüggemanns Denunziationen nicht verschont. Vermutlich spekuliert Brüggemann, dem es in den zwölf Jahren seiner Kieler Tätigkeit nicht gelungen ist, Ordinarius zu werden, auf einen der Lehrstühle.

Sein intrigantes Verhalten, mit dem er sich den ersehnten Karrieresprung erhofft, kehrt sich jedoch gegen ihn. 1934 lehnt das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung es ab, ihn zum Ordinarius zu ernennen: »(…) bei Herrn Brüggemann (handelt) es sich um einen ausgesprochenen Konjunkturritter, der nacheinander der demokratischen und der sozialdemokratischen Partei (…) angehört hat, mit der durch Zeugen belegten Äußerung, dadurch Karriere machen zu wollen. Seit dem Umschwung spielt sich Brüggemann natürlich als Vorkämpfer gegen den Separatismus auf und ist selbstverständlich schleunigst Pg. [Parteigenosse] geworden.«

Am 16. September 1935 wird Brüggemann die Lehrerlaubnis »im Universitätsinteresse« nach Paragraph 18 der Reichshabilitierungsordnung entzogen. Der Literaturwissenschaftler, der nun ohne Bezüge dasteht, klagt ohne Erfolg beim Kieler Arbeitsgericht. 1942 zieht er nach Berlin und stirbt kurz nach Kriegsende.
ba


Literaturangaben

► Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
► DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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