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Professor Dr. Gerhard Colm

geb. 30 Juni 1897 in Hannover; gest. 26. Dezember 1968 in Washington
Einrichtung: Wirtschaftliche Staatswissenschaften


Gerhard Colm zählt zu den bedeutendsten deutschen Finanzwissenschaftlern. Nachdem er von 1915 bis 1918 im Ersten Weltkrieg gekämpft hat und mit dem Eisernen Kreuz Erster und Zwei­ter Klasse ausgezeichnet worden ist, studiert er Nationalökonomie. Von 1922 bis 1926 arbeitet er als Referent am Statistischen Reichsamt in Berlin, bevor Bernhard Harms, der Gründer des Instituts für Weltwirtschaft und Seeverkehr, ihn und andere berühmte Ökonomen wie Adolph Löwe und Hans Philipp Neisser nach Kiel holt. Hier arbeitet er zunächst als Privatdozent und ab 1930 als außerordentlicher Professor und Abteilungsvorstand.

Weil Colm dem Reichsbanner angehört und Mitglied der SPD und zeitweise der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) ist, wird er am 25. April 1933 beurlaubt. Zudem wird aus seinem Fragebogen ersichtlich, dass er Jude im Sinne des „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufs­beamten­tums“ (BBG) ist. Bereits zwei Wochen zuvor war ein SS-Trupp gegen ihn vorgegangen, um ihn aus dem Institut für Weltwirtschaft zu vertreiben. Im August desselben Jahres emigriert Colm in die USA. Einen Monat später wird er aus dem deutschen Staatsdienst entlassen, allerdings nicht aus "rassischen" Gründen, sondern weil er aufgrund seiner politischen Aktivitäten als "unzuverlässig" gilt.

1933 ist er Mitbegründer der Exil-Universität New School for Social Research in New York und lehrt dort als Professor. 1940 bis 1946 fungiert er als Finanzreferent im Weißen Haus und arbeitet einen Plan für eine Währungsreform in Deutschland aus. Auch nach dem Krieg bleibt Colm in den USA: 1946 bis 1952 berät er den amerikanischen Präsidenten Truman in Wirtschaftsfragen, von 1952 bis 1968 arbeitet er als Chefökonom der National Planning Association. 1961 wird ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Frankfurt am Main verliehen, und 1964, vier Jahre vor seinem Tod in Washington, erhält er den Bernhard-Harms-Preis, der für hervorragende Forschungen auf dem Gebiet weltwirtschaftlicher Forschungen vom Institut für Weltwirtschaft an der Uni Kiel verliehen wird. (ba)




Literaturangaben

► Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.



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