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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Melitta Gerhard

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Privatdozentin Dr. Melitta Gerhard

geb. 22. November 1891 in Berlin, gest. 10. November 1981 in Cambridge, Massachusetts
Einrichtung: Deutsche Literaturgeschichte


Melitta Gerhard, die als erste Frau die Venia Legendi (Lehrbefugnis) für deutsche Literaturgeschichte erhält, studiert an der Friedrich Wilhelm Universität in Berlin (heute Humboldt-Universität), wo sie 1919 mit einer Arbeit über Schiller und die griechische Tragödie promoviert. In Berlin wird sie von Friedrich Gundolf auf den damals noch wenig bekannten Stefan George aufmerksam gemacht, über den sie später ein Buch schreiben wird.

Nach ihrer Promotion bewirbt sie sich um die Zulassung zur Habilitation. In Heidelberg wird sie abgelehnt, aber aus Kiel erhält sie eine Zusage. Dort beginnt sie mit ihrer Habilitationsschrift "Der deutsche Entwicklungsroman bis zu Goethes 'Wilhelm Meister'". 1927 wird sie als erste Frau in Deutschland Privatdozentin für deutsche Literaturgeschichte und hält von 1927 bis 1933 Vorlesungen an der Christian-Albrechts-Universität. Im April 1933 wird sie vom Amt suspendiert, da sie Jüdin im Sinne des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums"(BBG) ist. Trotzdem sie in einem Schreiben vom 30. Juni 1933 an das Reichsministerium beteuert, niemals mit marxistischem oder "jüdischen" Auffassungen sympathisiert und "die pazifistische Kriegsliteratur auf das leidenschaftlichste bekämpft" zu haben, wird ihr am 9. September 1933 die Lehrbefugnis entzogen.

Sie geht daraufhin in die USA, wo sie zunächst ein Jahr (1934-1935) mit Unterstützung des "Emergency Committee in Aid of Displaced German Scholars" als Gastprofessorin am Wellesley College, Massachusetts, lehrt. 1937 entschließt sie sich zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder zur endgültigen Auswanderung in die Vereinigten Staaten. In der ersten Zeit des Exils verdient sie sich ihren Lebensunterhalt mit Deutschunterricht für amerikanische Soldaten in St. Louis, bevor sie von 1938 bis 1942 am Rockford College in Illinois und anschließend bis 1944 an der University of Missouri, Columbia, lehrt. Ab 1946 arbeitet sie bis zu ihrer Emeritierung am Wittenberg College in Ohio.

1965 wird ihr anlässlich der 300-Jahr-Feier der Universität Kiel die Ehrendoktorwürde verliehen.
ba


Literaturangaben

Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
Spaethling, Robert: Melitta Gerhard zum Gedächtnis. In: The German Quarterly, Vol. LV (1982).
DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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