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Professor Dr. Hans von Hentig

geb. 9. Juni 1887 in Berlin, gest. 6. Juli 1974 in Bad Tölz
Einrichtung: Strafrecht, Strafprozessrecht, Kriminalwissenschaft, Kriminalgeschichte


Hans von Hentig, der als "Vater" der Kriminalpsychologie gilt, studiert Rechtswissenschaften in Paris, Berlin und München, wo er 1912 promoviert wird. 1914 wird er zu Fronteinsätzen in den Westen, auf den Balkan und nach Palästina entsandt. Nach dem Ersten Weltkrieg gehört er zu den führenden "National-Bolschewisten", die ein Bündnis der nationalen Kräfte in Deutschland mit den Kommunisten im In- und Ausland erreichen wollen. Den Putschversuch Hitlers am 9. November 1923 versucht er mit Volksfronttruppen aus Sachsen und Thüringen zu verhindern. Als 1925 aus diesem Grund ein Verfahren wegen Hochverrats gegen ihn eingeleitet wird, flieht er in die UdSSR.

Er kehrt nach Deutschland zurück und habilitiert sich 1929 in Gießen. 1931 wird er als Professor nach Kiel berufen, wo er von 1932 bis 1933 Dekan der juristischen Fakultät ist.

Dem Rechtswissenschaftler, der sich als einer der wenigen Kieler Professoren hinter geschasste Kollegen wie den Philosophen Richard Kroner stellt, wird schließlich "nahegelegt", einen Ruf an die Universität Bonn anzunehmen. Dort erhält er 1935 mit 48 Jahren per Eilbrief seine Pensionierung. Noch im selben Jahr verlässt er Bonn und emigriert in die Vereinigten Staaten.

Von 1937 bis 1948 arbeitet er als Gastprofessor an Universitäten in Kalifornien, Colorado, Oregon, Iowa und Kansas. Von Anfang an ist er wissenschaftlicher Berater des Generalstaatsanwaltes in Washington und von 1938 bis 1944 Direktor des Colorado Crime Survey. In dieser Zeit publiziert er sein Hauptwerk "The Criminal and his Victim. Study in the Sociobiology of Crime" (1948).

Hans von Hentig kehrt 1951 nach Deutschland zurück und lehrt bis zu seiner Emeritierung 1955 an der Universität Bonn. 1968 wird ihm das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
ba


Literaturangaben


Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.

DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].

Von Hentig, Hans: "Der Fall v. Hentig ist recht unerfreulich": Hans von Hentig und die nationalsozialistische Hochschulpolitik. In: Mathias Schmoeckel (Hg.): Die Juristen der Universität Bonn im Dritten Reich. Köln 2004, S.299-345.

Von Mayenburg, David: Kriminologie und Strafrecht zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus. Hans von Hentig (1887-1974). Baden-Baden 2006.



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