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Professor Dr. Rudolf Höber

geb. 27. Dezember 1873 in Stettin; gest. 5. September 1953 in Philadelphia, USA
Einrichtung: Physiologie


Rudolf Höber studiert an den Universitäten Freiburg und Berlin, bevor er 1898 sein Examen ablegt. An der Kieler Universität arbeitet er seit 1909 als Privatdozent und wird 1915 zum ordentlichen Professor ernannt. Als der Wissenschaftler 1902 mit erst 29 Jahren sein Buch "Physikalische Chemie der Zellen und Gewebe" veröffentlicht, ist die Resonanz in Fachkreisen groß. In dem schmalen Werk unternimmt er den Versuch, biologische Erscheinungen auf physiochemische zurückzuführen und so zu analysieren. Die Untersuchung kreist um die Frage: Was ist und was leistet die Zellmembran?

Am 24. April 1933 wird Rudolf Höber von fünf SS-Leuten und zwei Zivilisten tätlich angegriffen. Ihm wird gedroht, er dürfe sein Institut nie wieder betreten und keine Prüfungen mehr abhalten, andernfalls sei sein Leben in Gefahr. Bei der Überprüfung Höbers im Zusammenhang mit dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" wird festgestellt, dass er "zu 50% Jude" sei und außerdem dem Reichsbanner und der Deutschen Demokratischen Partei angehört. Am 26. September 1933 wird der Wissenschaftler mit 60 Jahren auf Grund seiner "nicht-arischen" Abstammung in den Ruhestand versetzt. Die Medizinische Fakultät setzt sich im Oktober des Jahres für ihren Kollegen ein, um den exzellenten Wissenschaftler zu halten, doch als Argument für seine endgültige Entlassung wird nun sein politisches Engagement ins Feld geführt.

Rudolf Höber, dem als "Halbjuden" in Deutschland keinerlei berufliche Perspektiven bleiben, emigriert mit seiner Frau Josephine über England in die USA, wo er seine wissenschaftliche Arbeit in Philadelphia fortsetzt.

In einem Nachruf ist zu lesen: "Sein Lebensabend war durch das Schicksal der Emigration beschattet. Er trug es mit Tapferkeit und ohne Verbitterung. Kollegen in England, wo er 1933 zunächst vorübergehend Aufnahme fand, haben nicht vergessen, wie er – ohne zu klagen und viel vom Erlebten zu berichten – sein Galvanometer aufbaute und mit neuen Messungen begann. Zur endgültigen Überwindung durch wirkliche Verwurzelung im neuen Lande war er aber wohl nicht mehr jung genug."

Auf dem Campus der CAU erinnert heute die Rudolf-Höber-Straße an den ehemaligen Wissenschaftler der Universtität.
ba


Literaturangaben

► Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
► Nachruf von W. Wilbrandt in: "Cellular and Molecular Life Science", Vol. 9, Nr. 12, Dez. 1953.
► DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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