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Professor Dr. Felix Jacoby

geb. 19. März 1876 in Magdeburg; gest. 10. November 1959 in Berlin
Einrichtung: Klassische Philologie


Nach dem Studium der Klassischen Philologie in Freiburg, München und Berlin promoviert Felix Jacoby 1900 mit 24 Jahren. Drei Jahre später habilitiert er sich an der Universität Breslau, wo er dann als Privatdozent arbeitet. 1906 wird Felix Jacoby als außerordentlicher Professor nach Kiel berufen, wo man ihn ein Jahr später zum Ordinarius für Klassische Philologie ernennt. Nachdem er von 1915 bis 1918 im Ersten Weltkrieg kämpft, beginnt er ab 1920 in Kiel mit den Vorarbeiten zu dem monumentalen, mehrbändigen Werk "Die Fragmente der griechischen Historiker".

Obwohl Felix Jacoby nach dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" als Jude und damit als zu entlassen gilt, bleibt er als ehemaliger Frontkämpfer zunächst im Amt. Doch dies soll sich ändern, als er öffentlich angegriffen wird und Studenten des Philologischen Seminars ihren 57-jährigen Lehrer in Schutz nehmen. 1934 stellt sich auch die Universitätsleitung gegen ihn und erwägt die Versetzung an eine andere Universität, um sich des Kollegen zu entledigen.

Im März 1934 bittet Felix Jacoby um seine Beurlaubung, um die Studenten nicht in Gefahr zu bringen, die zu ihm halten, wie in dem Brief an das Kulturministerium zu lesen ist: "(…) die Gefahr, in die sich jeder begibt, der seinem nichtarischen Lehrer die Treue hält, weil er glaubt, dass auch ein Nichtarier ihm Erzieher sein kann." Einen Monat später wird der Altphilologe beurlaubt und am 27. November desselben Jahres emeritiert. 1938 muss Felix Jacoby aus der Preußischen Akademie der Wissenschaften austreten, die "Juden" und "Mischlinge" nicht mehr als Mitglieder duldet. Inzwischen ist er nach Berlin gezogen, aber er entschließt sich erst 1939 zur Emigration ins englische Exil, nachdem SA-Männer während des Novemberprogroms 1939 sein Haus verwüsten.

An der Universität von Oxford kann er die Arbeit an seinem Hauptwerk fortsetzen, doch mittlerweile wurden seine deutschen Rentenbezüge eingestellt. Nach dem Krieg wird er von der Universität Kiel zum Ehrendoktor ernannt, erhält aber erst ab 1953 Ruhestandsbezüge als Emeritus. 1956 kehrt er in die Bundesrepublik Deutschland zurück und lebt bis zu seinem Tod in Berlin. (ba)



Literaturangaben


Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.

Mensching, Eckart: Finkenkrug, Neuseeland und Oxford. Über Felix Jacoby und seine Familie 1938/39. In: Ders. (Hrsg.), Nugae zur Philologie-Geschichte 13 (2003), S. 42-53.

Wiesehöfer, Josef: Felix Jacoby (1876–1959). In Christiana Albertina, Forschungen und Berichte aus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 61/2005

Wittram, Annegret: Fragmenta. Felix Jacoby und Kiel, Frankfurt 2004 (Kieler Werkstücke, A 28).



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