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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Universität Kiel und Nationalsozialismus

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Dr. Kurt Kolle

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Privatdozent Dr. Kurt Kolle

geb. 7. Februar 1898 in Kimberley, Südafrika; gest. 21. November 1975 in München
Einrichtung: Psychiatrie, Neurologie


Der Psychiater Kurt Kolle ist der Vater des Filmemachers und Sexualaufklärers Oswalt Kolle. Er wächst in der Schweiz auf und ist bis zum Ersten Weltkrieg britischer Staatsbürger. Seine Erfahrungen während des Krieges festigen seine pazifistische Grundeinstellung. Seit 1926 arbeitet er in Kiel, wo er sich 1928 habilitiert und fortan als Privatdozent und Assistent von Georg Stertz an der Psychiatrischen Klinik tätig ist.

Der überzeugte Demokrat, der dem Republikanischen Bund angehört, stellt sich von Beginn an offen gegen den Nationalsozialismus, was seine Lage in Kiel nach der Machtergreifung sehr schwierig macht. Bereits im März 1933 wird er in der Kieler NS-Zeitung als Anhänger des Marxismus und "glühender Sozialdemokrat" beschimpft. Noch im selben Monat wird er von seiner Lehrverpflichtung beurlaubt. Obwohl seine Stelle an der Klinik bis Ende 1935 läuft, erhält er am 22. Juni 1933 seine Kündigung. Darüber hinaus hat er keine Möglichkeit mehr, wissenschaftlich zu publizieren. Obwohl er im Mai 1934 aus der Gesellschaft deutscher Nervenärzte ausgeschlossen wird, veröffentlicht er im selben Jahr einen Artikel in einer ärztlichen Wochenzeitschrift, wo er sich ausdrücklich gegen die von den Nazis propagierte Euthanasie ausspricht.

Kolle geht nach Frankfurt/Main und lässt sich dort mit einer eigenen Praxis als Psychiater nieder, wobei er durch die NSDAP ständig observiert wird. Im Zuge einer neuen Kampagne gegen ihn muss er schon 1935 seine Praxis wieder schließen, erhält aber eine außerordentliche Professur an der Universität Frankfurt. 1939 wird er zum Professor ernannt. Mittlerweile ist er der NSDAP beigetreten und wird 1942 Leiter einer Zweigstelle des Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie. Dass er trotz seiner äußeren Anpassung nicht mit dem Nationalsozialismus sympathisiert, beweist sein Verhalten während des Krieges. Als beratender Psychiater der Wehrmacht sorgt er dafür, dass viele Sanitätsoffiziere nicht an die Front geschickt werden. Gegen Kriegsende versteckt er in einem tschechischen Kriegslazarett von der Gestapo verfolgte Frauen und Mädchen.

Nach Kriegsende wird Kolle in seinem Entnazifizierungsverfahren daher trotz seiner Parteimitgliedschaft eine antifaschistische Einstellung attestiert, und er wird entlastet. 1952 erhält er einen Lehrstuhl für Psychiatrie und Neurologie in München, wo er später auch Direktor der Universitäts-Nervenklinik wird.
ba


Literaturangaben

Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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