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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Privatdozent Dr. Berthold Lichtenberger

geb. 17. Mai 1887 in Riga; gest. 7. Juni 1953 [Ort unbekannt]
Einrichtung: Landwirtschaftslehre


Der studierte Agrarwissenschaftler erhält 1923 einen Ruf als Direktor des Instituts für Milchwissenschaft, des heutigen Max Rubner-Instituts, nach Kiel, wo er sich 1927 habilitiert.

Obwohl gegen ihn im Rahmen des nationalsozialistischen Beamtengesetzes nichts vorliegt, wird der Wissenschaftler im Juni 1933 von SA-Männern festgenommen und inhaftiert. Assistenten seines Instituts hätten Beweise gegen ihn in der Hand, Gelder veruntreut zu haben. Ebenso bestehe der Verdacht, dass er Jude sei. Lichtenberger, der von Kiel aus häufig ins Ausland reist und seinem Institut dadurch internationales Renommee verschafft, wird vor Gericht vorgeworfen, falsche Angaben über seine Spesenausgaben gemacht zu haben. Diese Vorwürfe sind formal zutreffend, doch nach den in Auftrag gegebenen Gutachten handelt es nicht um Betrug, sondern vielmehr um finanziell unbedeutende bürokratische Ungenauigkeiten Lichtenbergers. Im Gerichtsverfahren wird er freigesprochen. Nichtsdestotrotz scheidet der Agrarwissenschaftler, an dessen Denunziation außer Institutsangestellten auch nationalsozialistische Parteistellen direkt beteiligt waren, 1934 auf eigenen Wunsch aus dem Staatsdienst aus.

Lichtenberger emigriert zunächst in die Vereinigten Staaten, wo er bis 1937 in einer Firma für Agrarmaschinen arbeitet. 1938 erhält er ein Angebot der türkischen Regierung als Berater im türkischen Handelsministerium. Dort wird ihm die Aufgabe übertragen, die milchverarbeitende Industrie zu modernisieren.

1939 kehrt er nach Deutschland zurück und macht während des Zweiten Weltkriegs Karriere in der Milchindustrie, zuerst als Leiter der Heinrich Lanz-Werke in Mannheim, ab 1943 als Direktor der Kühldienst GmbH in Berlin. 1948 übernimmt er eine Professor für Agrarwesen an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin und arbeitet dort gleichzeitig in der Landwirtschaftsverwaltung. Danach ist er im Verein zur Förderung des Milchverbrauchs in Frankfurt/Main tätig.
ba


Literaturangaben

Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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