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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Professor Dr. Wolfgang Liepe

geb. 27. August 1888 in Schulzendorf/Oberhavel; gest. 10. Juli 1962 in Kiel
Einrichtung: Deutsche Literaturgeschichte, Theaterwissenschaft


Der Hebbelforscher Wolfgang Liepe übernimmt 1928 den Lehrstuhl für Neuere deutsche Sprache und Literatur an der Universität Kiel. Der als republikfreundlich geltende Liepe, der mit dem Kieler Soziologieprofessor Ferdinand Tönnies korrespondiert, engagiert sich für einen intensiveren Austausch unter den republikanisch gesonnenen Hochschulprofessoren.

Im März 1933 gerät er mit seinem Kollegen Fritz Brüggemann in Konflikt: Liepe glaubt, dass Brüggemann gegen ihn intrigiert. Brüggemann soll das Gerücht verbreitet haben, dass Studenten Liepes Vorlesungen aus "rassischen und nationalen Gründen" boykottierten. Studenten sollen Liepe "Rassenschande" vorgeworfen haben, da er mit einer Jüdin verheiratet sei. Nachdem Liepe selbst ein Ermittlungsverfahren anstrengt, um die Vorwürfe zu klären, wird ihm "politische Unzuverlässigkeit" vorgeworfen.

Bereits zu Beginn der Streitigkeiten, im April 1933, wird Liepe vorläufig beurlaubt. Dies wird nachträglich damit begründet, dass er weder "rein-arisch" sei, noch im Ersten Weltkrieg gekämpft habe. Im September desselben Jahres stuft das Reichsinnenministerium Liepe nicht mehr als Juden, wohl jedoch als "jüdisch versippt" ein. Dies gilt jedoch erst zwei Jahre später mit den Nürnberger Gesetzen als Verbrechen. Um ihn dennoch von seinem Lehrstuhl zu entfernen wird er, wie andere Kollegen auch, nach Frankfurt/Main zwangsversetzt, wo er 1936 im Alter von 48 Jahren emeritiert wird. Möglichkeiten, seine wissenschaftliche Arbeit in Deutschland fortzusetzen, hat er damit nicht mehr. Er emigriert in die USA. 1939 arbeitet er am Yankton College South Dakota, und nach 1947 lehrt er in Chicago.

Anders als viele seiner Kollegen, die dasselbe Schicksal teilen und für die eine Rückkehr nach Deutschland undenkbar ist, übernimmt der 1954 aus dem Exil zurückgekehrte Liepe seinen alten Lehrstuhl in Kiel bis zu seiner Emeritierung 1956. 1960 erhält er den Kulturpreis der Stadt Kiel (heute Kultur- und Wissenschaftspreis).
ba


Literaturangaben

Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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