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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Professor Dr. Martin Lintzel

geb. 28. Februar 1901 in Magdeburg; gest. 15. Juli 1955 in Halle/Saale [Selbstmord]
Einrichtung: Mittelalterliche Geschichte


Martin Lintzel studiert Geschichte in Halle/Saale, wo er auch 1924 promoviert, ein Jahr später sein Staatsexamen ablegt und sich 1927 für das Fach Mittelalterliche Geschichte habilitiert. 1935 wird der Historiker von Halle, wo er als Privatdozent lehrt, auf ein Extraordinariat für Mittlere und Neuere Geschichte nach Kiel berufen.

Ein Jahr zuvor war er bei nationalsozialistisch überzeugten Kollegen auf einem Kongress mit einer Rede angeeckt, in der er sich gegen die von der SS und dem nationalsozialistischen Chef-Ideologen Alfred Rosenberg vertretene These stellte, Karl der Große sei ein "Sachsenschlächter" gewesen. Als Lintzels Berufung bekannt wird, hagelt es heftige Proteste aus der Kieler Studentenschaft, und es wird ein Disziplinarverfahren gegen den Historiker gefordert, dessen Geschichtsauffassung nicht mit der nationalsozialistischen konform geht. Lintzel bittet den damaligen Rektor Professor Dahm um Unterstützung, die dieser dem neu berufenen Kollegen gewährt. Das Wissenschaftsministerium verzichtet auf ein Disziplinarverfahren, verpasst dem Historiker aber brieflich einen Maulkorb: "[…] Ihnen selbst einen Teil der Schuld an der unerquicklichen Auseinandersetzung zumessen und ersuche Sie, künftig stärkere Zurückhaltung bei Fragen zu bewahren, die – unbeschadet ihres wissenschaftlichen Charakters – gerade von den weltanschaulichen Gegnern des Nationalsozialismus mit Vorliebe ausgebeutet werden."

1936 wird Lintzel auf eine außerordentliche Professur nach Halle zurückgeschickt. Die Tatsache, dass er dort kein Ordinarius ist, empfindet er als "Maßregelung". Erst 1942 erfolgt die ersehnte Ernennung. Über zehn Jahre lehrt er in Halle, bis er 1953 an einer schweren Depression erkrankt und sich zwei Jahre später das Leben nimmt.
ba


Literaturangaben

Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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