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Heinrich Freiherr Rausch von Traubenberg

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Professor Dr. Heinrich Freiherr Rausch von Traubenberg

geb. 17. März 1880 auf dem Rittergut Jörden/Estland;
gest. 15. September 1944 in Hirschberg am See (Doksy) / Böhmen
Einrichtung: Physik


Nach seiner Promotion 1905 in Würzburg arbeitet Heinrich Rausch von Traubenberg von 1910 bis 1922 erst als Assistent, dann als Dozent in Göttingen. Bevor er 1931 einen Lehrstuhl für Physik in Kiel erhält ist er Ordinarius in Prag, wo er das Physikalische Institut leitet. Rausch von Traubenberg gehört dem »Weimarer Kreis« an, einer Gruppe liberaler, demokratischer Hochschullehrer, die verfassungstreu sind. Darüber hinaus ist er Mitglied im »Bund Neues Vaterland«, deren Nachfolgeorganisation die »Deutsche Liga für Menschenrechte« ist.

Am 9. Februar 1937, sechs Jahre nach seinem Wechsel nach Kiel, wird der 57-Jährige vorzeitig in den Ruhestand versetzt, da er aufgrund der Abstammung seiner Frau als »jüdisch versippt« gilt, obwohl zu diesem Zeitpunkt der entsprechende Erlass gesetzlich noch nicht in Kraft getreten ist. Das Ehepaar Rausch von Traubenberg zieht nach Berlin, wo der Physiker Otto Hahn seinem Kollegen Rausch von Traubenberg die Möglichkeit gibt, am Kaiser-Wilhelm-Institut wissenschaftlich zu forschen. Sein aus Deutschland emigrierter Freund, der spätere Nobelpreisträger Max Born, lädt ihn an die Universität von Edinburgh, Schottland, ein, wo er selbst lehrt. Doch die deutschen Behörden stellen Rausch von Traubenberg keinen Pass aus, vermutlich um zu verhindern, dass der Experimentalphysiker dem Ausland nützlich ist.

Zwei Jahre nach seiner Zwangspensionierung erleidet Rausch von Traubenberg einen Nervenzusammenbruch. Nachdem ihre Berliner Wohnung ausgebombt wird, kommt der Wissenschaftler mit seiner Frau bei Freunden in Schlesien unter, wo er 1944 einen Herzanfall erleidet und stirbt, unmittelbar nachdem seine Frau Marie von der Gestapo abgeholt worden war. Sie überlebt das Konzentrationslager Theresienstadt durch den Einsatz von Otto Hahn, der die Behörden davon überzeugen kann, dass Marie Rausch von Traubenberg als Einzige die für die deutsche Atomphysik wichtigen Experimente ihres Mannes weiterführen könne.
ba


Literaturangaben

► Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
► DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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