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Julius Schniewind |
Professor Dr. Julius Schniewindgeb. 28. Mai 1883 in Wuppertal-Elberfeld; gest. 7. September 1948 in Halle/SaaleEinrichtung: Neues Testament Julius Schniewind studiert Theologie in Bonn, Halle/Saale, Berlin und Marburg, bevor er 1910 den Lizentiatengrad erwirbt und in Halle bis 1914 als Privatdozent für Neues Testament lehrt. Während des Ersten Weltkrieges ist der Feldprediger. 1921 kehrt er als außerordentlicher Professor an die Hallenser Theologische Fakultät zurück, wo er 1925 promoviert. 1927 wechselt er als Ordinarius nach Greifswald. Zwei Jahre später wird er nach Königsberg berufen, wo er sich in der Bekennenden Kirche engagiert. Aus diesem Grund wird er 1935 nach Kiel zwangsversetzt, und auch dort setzt er sich für die Bekennende Kirche ein. Zu dieser Zeit sind die Beziehungen zwischen der Landeskirche und der Bekennenden Kirche abgebrochen. Prüfungen von Theologiestudenten durch Professoren der Bekennenden Kirche sind seit Ende Februar 1935 verboten. Der Theologe bekennt offen, zur Bekennenden Kirche zu gehören, und weigert sich, Prüfungen für die Landeskirche abzuhalten. Daraufhin wird Schniewind 1936 von Kiel zurück nach Halle versetzt. Schniewind, der biblische Theologie als Wort Gottes versteht, die tief im Alten Testament verwurzelt ist, und dessen Hauptinteresse der neutestamentlichen Exegese und der seelsorgerischen Praxis gilt ("Andere schreiben Bücher, ich muss für meine Studenten da sein"), übt auf die Theologiestudenten während der Zeit des Dritten Reiches einen großen Einfluss aus. Er erteilt der Ideologie des Nationalsozialismus eine klare Absage und versucht, die subjektive, religiöse Erfahrung mit der Objektivität der biblischen Zeugnisse zu verbinden. Auch nach seiner Versetzung nach Halle engagiert sich Schniewind weiterhin in der Bekennenden Kirche, so dass 1937 ein Dienststrafverfahren gegen den 54-jährigen Theologen eingeleitet wird und er eine Gehaltskürzung hinnehmen muss. Er stirbt mit 65 Jahren in Halle. ba Literaturangaben
Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
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