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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Professor Dr. Julius Stenzel

geb. 9. Februar 1883 in Breslau; gest. 26. November 1935 in Halle/Saale
Einrichtung: Philosophie, Bildungsgeschichte, Sprachphilosophie


Der Platonforscher und mit Richard Kroner eng befreundete Julius Stenzel wird 1925 als Professor nach Kiel berufen. Hier wird er im April 1933 als einer der ersten Wissenschaftler beurlaubt, obwohl er "arischer Abstammung" ist, im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte und keiner politischen Partei angehört. Dass seine Frau "nicht-arischer" Abstammung ist, gilt offiziell erst ab 1935 als Verbrechen. Wahrscheinlich war für seinen Ausschluss die Tatsache maßgeblich, dass Stenzel zu dem Disziplinargremium gehörte, das 1930 die nationalsozialistischen Studenten von der Universität verwies, die den Gottesdienst des liberalen Theologen Otto Baumgarten gestört hatten.

Nach seiner Beurlaubung setzen sich 60 Studenten für ihn ein, indem sie eine Eingabe an das Ministerium verfassen und namentlich unterzeichnen: "(…) Weder in seiner Lehrtätigkeit (Vorlesungen und Seminarübungen) noch im persönlichen Gespräch, zu dem er in seiner menschlichen Offenheit und Wärme jedem Gelegenheit gab, hat Herr Professor Stenzel je Veranlassung gegeben, daran zu zweifeln, dass nationale Haltung für ihn eine Selbstverständlichkeit ist. Er hat eine wissenschaftliche Arbeit geleistet, deren besondere Bedeutung für die Gegenwart auch außerhalb des Fachkreises tatsächlich anerkannt worden ist (…)".

Stenzel, der sich weigert seinen Kollegen und Freund Richard Kroner zu überreden, als Herausgeber der wissenschaftlichen Buchreihe "Episteme" zurückzutreten, wird zu Beginn des Wintersemesters 1933/34 nach Halle zwangsversetzt. Vorher hatte er eine Professur in Basel abgelehnt, was er nach eigenen Aussagen später tief bereute. 1935 stirbt er im Alter von nur 52 Jahren in Halle.
ba


Literaturangaben

Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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