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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Professor Dr. Georg Stertz

geb. 19. September 1878 in Breslau; gest. 19. März 1959 in München
Einrichtung: Psychiatrie und Nervenkrankheiten


Georg Stertz studiert Medizin in Freiburg, München und Breslau, wo er auch promoviert. Der 1911 habilitierte Mediziner erhält er 1921 einen Lehrstuhl für Psychiatrie in Marburg. Fünf Jahre später wird er als Ordinarius nach Kiel berufen, wo er die Nervenklinik leitet.

19. April 1937 tritt der "Flaggenerlaß" in Kraft, demzufolge "jüdisch versippte“ Beamte in den Ruhestand zu versetzen seien. Der Psychiater wird aufgefordert, einen Antrag auf Entpflichtung zu stellen, da er in einer "deutsch-jüdischen Mischehe" lebt. Stertz wehrt sich und argumentiert, dass seine Frau einen "arischen" Vater hat und demzufolge nicht als "Volljüdin" gelten kann (der Vater ist der bekannte Mediziner Alois Alzheimer). Dass der "Flaggenerlaß", der sich auf Ehen mit "Volljuden" bezieht, tatsächlich nicht auf den Psychiater angewendet werden kann, um seine Entlassung juristisch zu begründen, gesteht selbst der damalige Direktor der Medizinischen Kliniken ein. In seinem Schreiben an Rektor Ritterbusch erklärt er jedoch, dass Stertz "typische Meckerer" beschäftige – gemeint ist sein Assistent Kurt Kolle – , in der "Systemzeit mit allen Juden […] sehr freundlich" gestanden habe und "keine Führereigenschaften im Sinne des nationalsozialistischen Staates" besitze.

Die Zermürbungstaktik gegen den Psychiater ist zunächst erfolgreich. Im Mai 1937 stellt er einen Antrag auf Entpflichtung. Im Juli hingegen erhebt er Einspruch gegen seine Emeritierung und verweist noch einmal auf die Gesetzeslage, die nur auf Beamte zutrifft, die mit "Volljuden" verheiratet sind. Zwar bittet er darum, rehabilitiert zu werden, jedoch ohne sein Entpflichtungsgesuch zurückzunehmen. Trotz seines berechtigten Einspruchs wird der 59-jährige Psychiater nicht wieder in den Lehrkörper aufgenommen. Als Konsequenz von Stertz' Vertreibung aus der Universität ist keiner der Hauptlehrstühle an der Medizinischen Fakultät mehr besetzt.

Nach dem Krieg erhält Georg Stertz 1946 einen Lehrstuhl für Psychiatrie und Nervenheilkunde in München, wo er bis zu seinem Tod lebt.
ba


Literaturangaben

Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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