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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Professor Dr. Ferdinand Tönnies

geb. 26. Juli 1855 bei Oldenswort; gest. 9. April 1936 in Kiel
Einrichtung: Sozialwissenschaft, Philosophie


Bereits mit 16 Jahren legt Ferdinand Tönnies, der Sohn eines Marschbauern, sein Abitur ab. Danach studiert er Philologie, Archäologie, Geschichte und Philosophie in Jena, Leipzig, Bonn, Berlin und Tübingen. 1877 promoviert er im Fach Alte Philologie in Tübingen. Vier Jahre später, 1881, habilitiert er sich an der Universität Kiel.

Für einige Jahre lebt Tönnies daraufhin in Hamburg, wo seine Studien zu den Ursachen des Hamburger Hafenarbeiterstreiks 1879 ihm das Misstrauen der preußischen Hochschulaufsicht einbringen. Als Kritiker des Wilhelminischen Obrigkeitsstaates und Befürworter der Arbeiterbewegung kann er sich lange Zeit nur schlecht im akademischen Betrieb etablieren. Erst 1909, mit 54 Jahren, wird er außerordentlicher Professor an der Universität Kiel, ab 1913 übernimmt er den Lehrstuhl für Wirtschaftliche Staatswissenschaften. Nur drei Jahre später wird Tönnies auf eigenen Wunsch emeritiert.

Durch die Inflation gerät er in finanzielle Schwierigkeiten, so dass er ab 1921 einen Lehrauftrag für Soziologie annimmt. Mittlerweile genießt der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler auch international hohes Ansehen.

Bereits ab 1930 kritisiert Ferdinand Tönnies scharf den aufkommenden Nationalsozialismus. Nach der Machtergreifung wird der Wissenschaftler, der neben Max Weber und Georg Simmel als Begründer der deutschen Soziologie gilt, aufgrund seiner "bisherigen politischen Betätigung" in den Ruhestand versetzt: Er ist Mitglied der SPD, des Republikanischen Richterbundes und der Liga für Menschenrechte.

Am 26. September 1933 wird Ferdinand Tönnies endgültig aus dem Staatsdienst entlassen. Seine Bezüge als emeritierter Professor kürzt man auf ein Existenzminimum. Er stirbt am 9. April 1936 in Kiel.
ba


Literaturangaben

► Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991, S.50f.
Große Forscher von der Förde: Ferdinand Tönnies
► Carstens, Uwe: Ferdinand Tönnies. Friese und Weltbürger. Eine Biografie. Norderstedt 2005.



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