Professor Dr. Carl Wesle
geb. 26. Januar 1890 in Straßburg; gest. 22 Oktober 1950 in Jena
Einrichtung: Germanische Sprachwissenschaft
Der 1912 in Straßburg promovierte und 1920 in Frankfurt a. M. habilitierte Wesle ist seit 1929 Ordinarius in Kiel. Am 20. April 1933 wird er zum Dekan der Philosophischen Fakultät ernannt.
Schon wenige Wochen später, am 15. Mai 1933, wird der "Fall Wesle" in einer Senatssitzung erörtert. Wesle hatte sich für seinen Kollegen
Wolfgang Liepe, den Literaturgeschichtler und Theaterwissenschaftler, eingesetzt, der Opfer einer publizistischen Hetzkampagne der nationalspozialistischen Studentenschaft geworden war. Der erste von den Nationalsozialisten an der Kieler Universität eingesetzte Rektor, Lothar Wolf, wirft Wesle vor, für "Unzuträglichkeiten an der Universität" verantwortlich zu sein, genauere Gründe sind allerdings nicht protokolliert. Im Wintersemester 1933/34 wird Wesle als Dekan abgelöst und im Mai 1934 an eine andere Universität "versetzt", ein übliches Verfahren des nationalsozialistischen Regimes, um akademische Opposition zu brechen.
Wesle geht zunächst nach Bonn, dann nach Jena. Obwohl der spätere Kieler Rektor Ritterbusch sich 1939 selbst beim Reichserziehungsministerium dafür einsetzt, den Germanisten zurückzuholen, wird Wesle nicht zurückberufen. Er bleibt in Jena, wo er 1950 verstirbt.
ba
Literaturangaben
Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
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