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"Schleswig-Holstein stellt fest, dass es in Deutschland nie einen Nationalsozialismus gegeben hat"

Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl


Überlegungen zur "Vergangenheitsbewältigung" nach 1945


"Schleswig-Holstein stellt fest, dass es in Deutschland nie einen Nationalsozialismus gegeben hat". Dieses mittlerweile geflügelte Wort des sozialdemokratischen Oppositionsführers im Kieler Landtag, Wilhelm Käber, soll als Leitmotiv für meinen heutigen Vortrag stehen. Mit ihm kommentierte Käber im Jahre 1951 – sehr sarkastisch und deutlich übertrieben – die im schleswig-holsteinischen Landtag mit aller Energie betriebene Beendigung der sogenannten Entnazifizierung. Sich mit dieser Problematik zu beschäftigen, ist lohnend – aber leider für das Land und seine Menschen nicht immer ruhmreich. Manchmal fällt es sogar schwer, die gebührende Abgewogenheit und Distanz des Historikers zu bewahren. Ich bitte das zu entschuldigen.

Es geht also um die Frage nach der besonderen Affinität sehr vieler Schleswig-Holsteiner zum Nationalsozialismus und um den späteren Umgang mit den zwölf Jahren dieser Herrschaft. Damit steht zugleich die Frage nach der Kontinuität und Diskontinuität der deutschen Geschichte im mittleren Drittel des vorigen Jahrhunderts im Zentrum. Es geht darum, was in der NS-Zeit geschah – und auch schon am Ende der Weimarer Republik – und was nach 1945 geblieben ist. Zu zeigen ist auch, wie wir dieses Geschehen aus heutiger Perspektive, 60 Jahre danach, beurteilen. Das sind berechtigte Fragen, weil gerade dieses nördliche Bundesland – und auch die Landesuniversität – besonders früh und besonders intensiv nationalsozialistisch geworden sind.

Die Schleswig-Holsteiner haben sich 1933 dem Nationalsozialismus mehrheitlich nicht nur duldend ergeben. Die meisten sind nicht in das System hineingeschlittert, sondern sie haben es geradezu herbeigewünscht und es – z.T. begeistert – herbeigeführt, um es dann sehr lange Zeit mehrheitlich mitzutragen. Ein solcher Tag wie heute, an dem bei unseren Freunden in Poznan eine Ausstellung über den "Neuanfang der Universität Kiel nach 1945" eröffnet wird, scheint mir daher ein besonders geeigneter Moment zu sein, kritisch über diese Problematik nachzudenken und zu fragen, wie die Schleswig-Holsteiner – vor allem auch meine Universität – mit dieser "vergangenen Last" umgegangen sind. Ich denke, dass dürfte auch Sie hier in Poznan interessieren.

Ich möchte meine Ausführungen nach folgenden drei Problemkreisen gliedern:

1. Wie nationalsozialistisch war Schleswig-Holstein? Und wie ist es später damit umgegangen?
2. Wie beurteilen wir nach über 60 Jahren den Prozess der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und schließlich – ganz knapp –
3. gab oder gibt es einen "Königsweg" der Problemlösung für solch eine Konstellation, wie es sie 1945 in Schleswig-Holstein gab? Wie hätte man mit den alten Eliten umgehen sollen und wie hätte ein Neuanfang "richtig" gestaltet werden können?

Bei der Beantwortung dieser drei Fragen soll das Land Schleswig-Holstein im Mittelpunkt stehen. Die Kieler Universität wird jedoch gebührend beachtet werden.

Zur kompletten Ansprache von Prof. Karl Heinrich Pohl zur Austellungseröffnung "Neuanfang aus den Trümmern – die Kieler Universität im Jahre 1945" in Poznan/Polen.



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