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Fehlende Aufarbeitung der Rolle eines Funktionärs:
Johannes Edmund "Ivo" Braak



Der 1906 als Johannes Edmund Braak geborene Ivo Braak war Pädagoge und ist heute noch für seine Tätigkeit als Schriftsteller und auch als Herausgeber bekannt. Für seine Arbeit und sein Engagement für die niederdeutsche Sprache erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, wie zum Beispiel 1974 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Nach seinem Studium der Deutschen und Niederdeutschen Philologie in Wien, Hamburg und Kiel und einem Zweitstudium an der Pädagogischen Akademie Kiel hatte Braak von 1935 bis 1938 an der Kieler Lehrerhochschule die Fächer Methodik des Deutschunterrichts und Sprecherziehung gelehrt. Obwohl er spätestens seit 1937 nicht nur Mitglied der NSDAP, sondern auch der SS und anderer nationalsozialistischer Organisationen gewesen war, konnte Braak 1948 den zuständigen Entnazifizierungsausschuss überzeugen, ihn als "entlastet" einzustufen. Er konnte seine Lehrtätigkeit im November desselben Jahres in Flensburg wieder aufnehmen.

Im Jahre 1959 wurde Braak an die Pädagogische Hochschule Kiel versetzt. Diese leitete er von 1961 bis 1967 als Rektor, obwohl im Jahr seines Amtsantritts ein Zeitungsartikel für Aufsehen sorgte, in dem Braak unter anderem als Mitarbeiter des NS-Propagandaministers Goebbels bezeichnet wurde. Diese Behauptung offenbarte sich schnell als Verleumdung durch einen Konkurrenten um den Rektorenposten, der daraufhin suspendiert wurde. Braak räumte jedoch seine Mitgliedschaft bei der SS und bei der Reichstheaterkammer ein.

Für seine Verdienste um die Pädagogische Hochschule Kiel, deren Neubau in seiner Amtszeit eröffnet wurde und die unter ihm den gesetzlichen Status einer eigenständigen wissenschaftlichen Hochschule erhielt, wurde Ivo Braak 1986 zum Ehrensenator der Pädagogischen Hochschule ernannt. Weder bei der Abstimmung im Senat, die einstimmig zu seinen Gunsten ausfiel, noch beim Festakt am 11. September kamen seine Verbindungen zu den verschiedenen NS-Organisationen zur Sprache. Inwieweit diese auf Überzeugung, karriereorientierten Opportunismus oder Existenzangst zurückzuführen waren, ist heute kaum eindeutig zu beurteilen. Fest steht jedoch, dass es im Zuge der Verleihung keine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle Braaks während der NS-Zeit gegeben hat.
sas


Literaturangaben

Pischel, Stephan: Ivo Braak. Ein Hochschullehrer an der Hochschule für Lehrerbildung und an der Pädagogischen Hochschule in Kiel. In: Pohl, Karl Heinrich (Hrsg.): Die pädagogische Hochschule Kiel im Dritten Reich. Bielefeld 2001, S. 155-176.
Petersen, H. C.: Der Umgang mit dem "nationalsozialistischen Erbe". Das Beispiel Ivo Braak. In: Ebd., S. 177-187.



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