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Persönliche Erinnerungen an die "Hochschule für Lehrerbildung" im Nationalsozialismus



Für die Zulassung zur Hochschule für Lehrerbildung (HfL) war dem damaligen Studenten Hans-Rudolf Dräger zufolge nicht nur der "Arier-Nachweis", sondern auch die vorherige Ableistung des Arbeitsdiensts vonnöten. Wollte man an der Universität studieren, mussten zuvor zwei Semester an der HfL absolviert werden, in denen die zukünftigen Lehrer ideologisch geschult werden sollten. Mit der Einschreibung erhielt man eine "Reichsnummer" und wurde automatisch Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes.

Dräger erinnert sich, dass die Studentenfeiern und auch der Alltag unter den Studenten unpolitisch waren – im Jahre 1939 trug das Frühjahrfest beispielsweise das Motto "Es leuchten die Sterne". Dennoch zeigte sich auch unter den Studierenden die Allgegenwart des Nationalsozialismus – so trug zum Beispiel die Mehrheit der Studenten bei ihrer Erstsemestereinführung die Uniform einer der nationalsozialistischen Organisationen. Ebenso trugen die Dozenten der HfL, die Dräger zufolge alle Mitglied der NSDAP und des Nationalsozialistischen Deutschen Lehrerbundes beziehungsweise des Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbundes waren, meistens das Parteiabzeichen, bei besonderen Anlässen auch das "Braunhemd" (das Parteihemd der NSDAP) oder die Uniform der SS oder SA. Einige Hochschullehrer waren als "alte Kämpfer" und "stramme" (so Dräger) SS- oder SA-Angehörige bekannt. Dräger sind jedoch keine "Protagonisten der NS-Ideologie" im Gedächtnis geblieben. Ob es sich bei der Mehrheit um Mitläufer, Opportunisten oder überzeugte Nationalsozialisten handelte, vermag er nicht zu sagen.

Unmittelbar nach dem Krieg bestand die Studentenschaft der 1946 als Pädagogische Hochschule wiedereröffneten Einrichtung vor allem aus ehemaligen Soldaten und Offizieren, später größtenteils aus Abiturienten der durch den Krieg verspätet abschließenden Jahrgänge und aus Spätheimkehrern.

Eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit erfolgte an der HfL nach dem Krieg nicht. Zwar gab es durchaus persönliche Auseinandersetzungen und Gesprächskreise, der Lehrkörper wurde jedoch "ohne Selbstprüfung" wieder eingesetzt. Auch in den Erziehungswissenschaften versuchte man, durch "Überspringen" der letzten Jahre an die Zwanzigerjahre anzuknüpfen.
sas


Literaturangaben

Dräger, Hans-Rudolf: Die Pädagogische Hochschule Kiel in der NS-Zeit. Persönliche Erinnerungen und Überlegungen. In: Pohl, Karl Heinrich (Hrsg.): Die pädagogische Hochschule Kiel im Dritten Reich. Bielefeld 2001, S. 122-131.



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