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Die wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Zeit an deutschen Hochschulen



Die Art und Weise, wie nach 1945 mit dem nationalsozialistischen Erbe umgegangen wurde, variierte von Hochschule zu Hochschule und von Studienrichtung zu Studienrichtung. Auch zwischen der ehemaligen DDR und der BRD bestanden Unterschiede.

Generell haben sich die Geistes- und Sozialwissenschaften intensiver mit ihrer Vergangenheit auseinander gesetzt, als beispielsweise technische, naturwissenschaftliche oder wirtschaftswissenschaftliche Fächer oder auch die Medizin. Die Förderung einer Aufarbeitung der eigenen Geschichte war ebenfalls verschieden. Nur selten wurde sie von offizieller Seite der Hochschule unterstützt. Einigen Universitäten wie zum Beispiel Hamburg standen jedoch Drittmittel zur Verfügung. Andere haben Jubiläen oder Ringvorlesungen zum Anlass für Publikationen genommen. Zu einigen Hochschulen erschienen bereits in den Sechziger Jahren Forschungsarbeiten, andere haben das Thema Nationalsozialismus bis heute verdrängt. Zu einzelnen Fächern sind mittlerweile zahlreiche Untersuchungen erschienen.

Der Kieler Soziologe Prahl unterscheidet vier "Phasen der Vergangenheitsbewältigung": In den Jahren 1945 bis 1950 herrschte demnach eine "Ambivalenz von Verschweigen und Bekennen" an den Universitäten. Während einige Wissenschaftler sich zu ihrer Rolle im Nationalsozialismus bekannten und teilweise auch persönliche Konsequenzen daraus zogen, haben viele andere ihre Vergangenheit zu verschweigen oder umzudeuten versucht. Vielfach wurden der Blick nach vorne und der Neubeginn gefordert.

Von 1950 bis 1965, der Phase der "Restauration der Hochschulen bzw. Fächer" waren es vor allem die Schüler der belasteten Hochschullehrer, die deren Vergangenheit verschleierten. So konnte zum Beispiel ein Kieler Ur- und Frühgeschichtler bei der Ausgrabung von Haithabu einigen Ruhm erwerben, obwohl er im Zweiten Weltkrieg "im Gefolge von Armee und SS in der Ukraine Museen geplündert hatte" (Prahl). Durch die Restauration der Universitäten wurde an die Jahre vor 1933 angeknüpft und die Zeit des Nationalsozialismus als "dunkle Jahre", "Verirrungen" oder "Verführung des Geistes" übergangen.

Eine intensivere Auseinandersetzung mit der "braunen Vergangenheit" begann in den Jahren 1965 bis 1975. Die "hartnäckige[n] Fragen" der jungen Studierendengeneration und neue Detailuntersuchungen übten Druck auf die Hochschulen und ihre Wissenschaftler aus, so dass einige sich zu ihrer Rolle im NS-Staat bekennen mussten. Die Behauptung von einer Gleichschaltung der Fächer unter Zwang lies sich nicht länger aufrechterhalten, nachdem "immer mehr Fälle von gewollter Anpassung" (Prahl) öffentlich wurden.

Die letzte Phase seit 1975 ist jene "der nicht immer gewollten, aber meist doch gelungenen Erforschung der institutionellen und inhaltlichen Vergangenheit" der Universitäten und einzelnen Fächer. Statt auf Schuldzuweisungen konzentriert man sich nun, da die "Belasteten" nicht mehr im Dienst oder verstorben sind und ihre Schüler an Einfluss verloren haben, auf die Frage nach Kontinuitäten und Diskontinuitäten. Außerdem hat sich durch die deutsche Wiedervereinigung ein neuer Blickwinkel ergeben.
sas


Literaturangaben

Prahl, Hans-Werner: Last der Vergangenheit. Schwieriger Neubeginn und manche Kontinuität. In: Prahl, Hans-Werner u.a. (Hrsg.): Uni-Formierung des Geistes. Universität Kiel und der Nationalsozialismus, Bd. 2. Kiel 2007, S. 20-217.



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