Liebe Patientin, lieber Patient,
vermutlich hat Ihr Arzt nach den Ergebnissen
der letzten Untersuchungen eine Erkrankung der Schilddrüse
diagnostiziert, die der Behandlung bedarf. Je nach Art und Ausdehnung
der Erkrankung kommen folgende Behandlungsmethoden in Betracht:
• die Einnahme von Medikamenten,
• die Operation zur Entfernung von Schilddrüsengewebe
oder
• die Einnahme einer radioaktiven Substanz (Radioiodbehandlung).
In bestimmten Fällen empfehlen wir die
Radioiodbehandlung. Diese kann auch mit den oben genannten anderen
Behandlungsmethoden kombiniert werden.
Nichtradioaktives Iod kommt in sehr geringer
Menge in unserer Nahrung vor. Es gelangt über den Magen-Darm-Trakt
in das Blut und wird von dort aktiv von der Schilddrüse aufgenommen
und gespeichert. Sie benötigt das Iod für die Produktion
von Schilddrüsenhormonen. Diese natürliche Iodanreicherung
im Schilddrüsengewebe macht man sich bei der Radioiodtherapie
zunutze.
Bei der Radioiodbehandlung handelt es sich
um eine "innere" Bestrahlung. Das Radioiod (Iod-131)
wird als Kapsel eingenommen und folgt dem Stoffwechsel des natürlichen
in der Nahrung vorkommenden Iods, das sich in der Schilddrüse
anreichert. Die Iodmenge der Therapiekapsel ist äußerst
gering. Die Beta-Strahlung, die das Iod aussendet, hat im Gewebe
eine Reichweite von nur wenigen Millimetern. Sie bremst die Funktion
und bewirkt eine Verkleinerung oder Ausschaltung der Schilddrüse
oder einzelner ihrer Abschnitte, vor allem gezielt derjenigen
Schilddrüsenareale, die eine Überfunktion aufweisen.
Der Behandlung gehen gründliche Voruntersuchungen
voraus, die auch der Berechnung der zu verabreichenden Strahlenaktivität
dienen. So wird für jede Aktivitätsberechnung ein sogenanntes
Radioiodstudium benötigt, das ambulant durchgeführt
wird und folgendermaßen abläuft :
1. Tag: Einnahme einer Iodkapsel
zur Ermittlung der Therapieaktivität. Dafür sollten
Sie morgens in der Schilddrüsenambulanz im Erdgeschoß
der Klinik für Nuklearmedizin erscheinen. Ein leichtes Frühstück
ist erlaubt. Nach dem Schlucken der Kapsel darf jedoch 1-2 Stunden
nichts gegessen werden. 1. Messung der Iodaufnahme über der
Schilddrüse am selben Tag nach etwa 3-6 Stunden
2. Tag: 2. Messung der Iodaufnahme
über der Schilddrüse. Sie brauchen nicht nüchtern
zu sein.
8. Tag: 3. und letzte Messung
der Schilddrüseniodaufnahme. Auch hier brauchen Sie nicht
nüchtern zu sein. Sie sollten an diesem Tag noch einmal mit
Ihrem Arzt über Ihre Schilddrüsenmedikamente sprechen.
Eine Änderung der medikamentöse Behandlung kann im Einzelfall
erforderlich sein.
Stationäre Radioiodbehandlung
Am Tage der Radioiodbehandlung sollten Sie lediglich morgens in
der Zeit zwischen 7 bis 8 Uhr ein kleines Frühstück
zu sich nehmen. Bis um 11 Uhr werden Sie auf der Therapiestation
im 6. Stock der Nuklearmedizinischen Klinik erwartet. Das Iod-131
wird als Kapsel in der Mittagszeit verabreicht. Die Kapsel sollten
Sie mit Wasser herunterschlucken, anschließend dürfen
Sie 1-2 Stunden nichts essen.
Aus Strahlenschutzgründen ist ein stationärer
Aufenthalt notwendig. Auf der Station darf leider kein Besuch
empfangen werden. Das Zimmer dürfen Sie während dieser
Zeit nicht verlassen. Beim Kontakt zum Pflegepersonal und den
Ärzten bitten wir Sie um eine möglichst kurze Verweildauer
und einen großen Abstand. Die Aufenthaltsdauer richtet sich
nach der verabreichten Aktivität sowie dem Jodumsatz in der
Schilddrüse und beträgt ungefähr 4 bis 14 Tage.
Sie sollten sich rechtzeitig überlegen, womit Sie sich in
dieser Zeit beschäftigen können und entsprechend Ihren
Interessen Materialien von zu Hause mitbringen (z. B. zum Lesen,
Hand- oder Bastelarbeiten). Radio- und Fernsehgerät sind
im Zimmer installiert und ein Telefonapparat ist ebenfalls an
jedem Bett vorhanden.
Bettruhe ist nicht erforderlich, Sie können
sich im Zimmer frei bewegen. Bitte bringen Sie bequeme Kleidung
sowie Handtücher mit.
Nebenwirkungen, Risiken und Spätfolgen:
Nebenwirkungen oder Risiken weisen alle drei oben genannten Behandlungsmethoden
auf. Die Radioiodtherapie ist insgesamt ein sehr schonendes Therapieverfahren.
Nebenwirkungen sind hierbei sehr selten und treten meist nur bei
Schilddrüsenerkrankungen auf, die eine höhere Aktivität
erfordern. In der Regel beeinträchtigen mögliche Nebenwirkungen
das Allgemeinbefinden nur gering und können leicht behandelt
werden.
Als mögliche Nebenwirkungen sind zu
nennen: Schmerzen und Schwellungen im Schilddrüsenbereich,
Schluckbeschwerden und Magenbeschwerden. Die Komplikationen klingen
entweder von selbst ab oder lassen sich mit Medikamenten schnell
lindern oder beseitigen. Auch wer-den Sie durch diese Behandlung
nicht bettlägerig.
Als Spätfolge einer Radioiodtherapie
kann, wie auch üblicherweise nach einer Operation, eine Schilddrüsenunterfunktion
auftreten. Bei manchen Schilddrüsenerkrankungen muß
sie bewußt in Kauf genommen werden. Durch Hormonzufuhr in
Form von Tabletten läßt sich diese Unterfunktion vollständig
ausgleichen. Bei verabreichten höheren Aktivitäten kann
die Funktion der Speicheldrüsen zusätzlich beeinträchtigt
werden. Dies kann gelegentlich zu Mundtrockenheit führen.
Wirkung der Behandlung
Die Wirkung der Radioiodbehandlung läßt sich erst nach
ungefähr zwei bis vier Monaten abschließend beurteilen.
Dazu sind klinische und nuklearmedizinische Kontrolluntersuchungen
erforderlich. Manchmal ist bis zum Eintritt des Erfolges eine
medikamentöse Zusatzbehandlung erforderlich.
Wenn Sie etwas nicht verstanden haben oder
wenn Sie mehr über die vorgeschlagene Behandlung erfahren
wollen, wenden Sie sich bitte an die zuständigen Ärzte.
Bitte fragen Sie uns nach allem, was Ihnen wichtig erscheint.
|