Die Handchirurgie befasst sich mit der Behandlung von Erkrankungen, Verletzungen und Fehlbildungen der Hand. Neben unfallbedingten Schädigungen werden die degenerativen verschleißbedingten Erkrankungen (Arthrosen) und Folgeerkrankungen bei entzündlichen Grunderkrankungen und Stoffwechselstörungen (Rheuma, Gicht, Diabetes) behandelt.
Abhängig von Art und Stadium der Erkrankung wird die Funktionseinschränkung für den Patienten im privaten und beruflichen Alltag analysiert und ein individuelles Therapiekonzept erstellt. Hierfür besteht eine enge Kooperation mit der Röntgendiagnostik, der Neurologie und einer speziell ausgerichteten Anästhesie. Unterstützt wird die Handchirurgie außerdem durch Physiotherapeuten und die Orthopädie-Technik (Fa. OT-Kiel, Wiese & Württemberger) im Klinikum.
Um die Leistungbreite der Handchirurgie aufzuzeigen, werden einige Krankheitsbilder und deren Therapie konkret dargestellt.
Typischerweise treten nachts Kribbelmissempfindungen in der Hand auf ("nur die Hand schläft"). Anfangs Linderung durch kräftiges Ausschütteln der Hand. Im Verlauf nehmen die Beschwerden dann zu, unter Umständen kommt es zu einem Kraftverlust im Daumenballen.
Ursache ist eine Einengung eines Hauptnerven an der Beugeseite des Handgelenkes. Dieser Nerv verläuft gemeinsam mit den Fingerbeugesehnen durch einen engen Kanal, der durch Knochen und Bandstrukturen gebildet wird. Bei kritischer Einengung dieses Karpalkanals (z.B. Schwellung der Sehnengleitgewebe) wird der Nerv komprimiert, was zu Ausfällen in seinem Versorgungsgebiet führt.
Die Diagnose wird durch eine spezielle neurologische Untersuchung gesichert, bei der die Leitfähigkeit des Nerven und so der Zustand des Nerven gemessen wird.
Im frühen Stadium der Erkrankung können eine Schiene oder auch entzündungshemmende Medikamente Linderung bringen. Bei anhaltenden Beschwerden und nachgewiesener Störung der Nervenleitgeschwindigkeit sollte rechtzeitig operiert werden, um eine dauerhafte Schädigung des Nerven zu vermeiden. Bei der Operation wird das direkt unter der Haut liegende Dach des Kanals eröffnet und der Nerv so entlastet. Der Eingriff kann in der Regel ambulant und in örtlicher Betäubung durchgeführt werden, Komplikationen sind äußerst selten. Die typischen Beschwerden sind oft bereits in der ersten Nacht nach der Operation verschwunden, die betroffene Hand ist üblicherweise nach zwei bis drei Wochen wieder voll einsetzbar.
Neben dem Karpaltunnelsyndrom sind weitere Nerveneinengungen an Hand, Unterarm und Ellenbogen bekannt. Auch hier sind erste Anzeichen Kribbelmissempfindungen und Kraftverlust im Versorgungsgebiet des betroffenen Nerven. Bei drei Monate anhaltenden Beschwerden oder auftretender Kraftminderung ist umgehend eine Vorstellung beim Orthopäden, ggf. auch eine neurologische Untersuchung zu empfehlen.
Das Daumensattelgelenk ist die bewegliche Verbindung zwischen der Handwurzel und dem Daumen selbst. Die sattelförmig ineinanderpassenden Gelenkflächen ermöglichen einen relativ großen Bewegungsumfang bei gleichzeitig sicherer Verankerung. Auf diese Weise sind die verschiedensten Greifformen kraftvoll ausführbar. Durch seinen Aufbau ist das Daumensattelgelenk aber auch prädestiniert für die Entwicklung eines Gelenkverschleißes (Arthrose), da es besonders beim sog. Spitzgriff zwischen Daumen und Fingern zu Belastungsspitzen der Gelenkflächen kommt. Dem entsprechend ist die Daumensattelgelenksarthrose die häufigste Verschleißerkrankung am menschlichen Skelett. Vor allem Frauen ab dem 50. Lebensjahr sind betroffen.
Anfangs bestehen belastungsabhängige Schmerzen im Daumenballen, später auch Ruheschmerzen. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer deutlichen Bewegungseinschränkung des Daumens, besonders die Abspreizfähigkeit ist reduziert. Schließlich tut unter Umständen jeder Griff weh.
In der Anfangsphase umfasst die Behandlung die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten, Kortisoninjektionen und lokalen Kälte- oder auch Wärmeanwendungen. Auch die Verordnung oder Anfertigung von Bandagen und Schienen können bei geeigneter Einstellung und Ruhigstellung des Daumens im Alltag eine Besserung bewirken.

Bei dauerhaften Schmerzen und zunehmendem Funktionsverlust der Hand stehen die verschiedensten Operationsverfahren zur Verfügung. Nach ausführlicher Analyse der funktionellen Beeinträchtigung und der erforderlichen privaten und beruflichen Belastungen wird individuell das geeignete Operationsverfahren ausgewählt. Hierbei kommen neben Teilentfernungen der betroffenen Gelenkanteile auch Teilversteifungen oder Gelenkprothesen zum Einsatz.
Hierbei handelt es sich um eine meist schmerzlose Schrumpfung und Verhärtung einer bindegewebigen Schicht in der Handfläche, die eine zunehmende Beugestellung der Finger verursacht. Im Spätstadium ist die Greiffunktion der Hand hochgradig eingeschränkt.
Die Entstehungsursache ist bislang noch ungeklärt. Die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf, Männer sind sechsmal häufiger als Frauen betroffen. Der Konsum von Genussmitteln, eine vorbestehende Lebererkrankung und die Zuckerkrankheit wird als begünstigend angesehen.

Bis heute ist die Operation die einzig sinnvolle Therapie. Entscheidend ist aber die Wahl des richtigen Operationszeitpunktes. Eine zu frühe Operation kann den weiteren Verlauf ungünstig beeinflussen, ein zu später Eingriff kann große Probleme bei der Operation und für die Nachbehandlung verursachen. Bei der Operation müssen die Bindegewebsstränge so vollständig wie möglich entfernt werden, Nerven und Blutgefäße dabei herausgelöst und geschont werden. Bei späten Krankheitstadien sind zum Wundverschluss in der Regel Hautplastiken oder auch freie Hautverpflanzungen erforderlich. Es handelt sich somit um einen relativ großen Eingriff für die Hand. Die Nachbehandlung ist wichtig und umfasst neben krankengymnastischen Bewegungsübungen, Ergotherapie, Lymphdrainage und Kompressionsverbänden auch eine Schienenbehandlung bei mangelnder Streckfähigkeit der Fingergelenke.
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Der handgelenknahe Speichenbruch ist die häufigste Knochenverletzung überhaupt. Trotz korrekter Behandlung können anhaltende Beschwerden (Schmerzen, Kraftverlust, Bewegungseinschränkung) zurückbleiben. Ursache hierfür ist oft eine Fehlstellung der verheilten knöchernen Strukturen. Nur eine korrekte Stellung der Unterarm und Handwurzelknochen zueinander gewährleistet eine einwandfreie Funktion. Das Ziel einer Behandlung ist dann eine Wiederherstellung der natürlichen Verhältnisse. Hierzu wird der in Fehlstellung verheilte Knochen durchtrennt und in regelrechter Stellung durch Verplattung stabilisiert. Die Nachbehandlung entspricht der eines frischen Knochenbruchs. Für länger zurückliegende Verletzungen mit anhaltenden oder im Verlauf zunehmenden Problemen stehen eine Reihe von Operationsverfahren zur Verbesserung der Handfunktion zur Verfügung, die nach ausführlicher Analyse der funktionellen Beeinträchtigung und der erforderlichen privaten und beruflichen Belastungen individuell ausgewählt werden. |
Anlagefehler der Hand sind nicht selten und haben oft schwerwiegende Funktionseinbußen zur Folge. Vom Zusammenwachsen mehrerer Finger (Syndaktylie) bis hin zum Fehlen von Fingern oder gar ganzer Abschnitte des Unterarmes ist eine Vielzahl von Veränderungen bekannt. Oberstes Ziel der Behandlung ist immer die Verbesserung der Greiffunktion, aber auch das Erzielen eines guten kosmetischen Ergebnisses.
Zur eingehenden Beratung und Wahl des besten Operationszeitpunktes bieten wir eine spezielle Körperbehinderten-Sprechstunde donnerstags an.
Fehlbildungen, bei denen eine operative Behandlung nicht sinnvoll ist, können oftmals mit speziellen Prothesen versorgt werden. Hier besteht eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Firma OT-Kiel im Klinikum.

Weitere handchirurgische Themen sind in Vorbereitung:



Sprechstunde:
Für Patienten mit Erkrankungen der Hand steht täglich die Sprechstunde in unserer Ambulanz zur Verfügung.
Anmeldung: 0431-597-2445
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