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Hüftendoprothetik an der Klinik für Orthopädie

Gelenkverschleiß - Arthrose

Der Gelenkverschleiß (Arthrose) ist eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Besonders davon betroffen sind das Knie, das Daumensattelgelenk sowie das Hüftgelenk. Jeder vierte ist mit 50 Jahren erkrankt, mit 60 Jahren bereits jeder zweite. Als Folge des Verschleißes werden in Deutschland jährlich knapp 200.000 Hüftprothesen eingebaut.

Die Gelenkflächen werden rauh und verformt. Die Bewegungen im Hüftgelenk sind schmerzhaft eingeschränkt. Die Schmerzen werden vor allem in der Leiste, aber auch in der Gesäßmuskulatur und im Oberschenkel empfunden. Die Gehstrecke kann eingeschränkt sein. Häufig ist das Erreichen des Fußes z.B. beim Anziehen von Socken und Schuhen erschwert. Treppensteigen kann lästig werden. Das Fortschreiten der Erkrankung und die Intensität der Beschwerden können in der Frühphase mit konservativen Maßnahmen (Schonung, Entlastung, Physiotherapie, physikalische Therapie, Medikamente) gemindert werden.

Sehr wichtig ist gegebenenfalls die Reduktion des Körpergewichtes.

Manchmal lässt sich durch gelenkerhaltende Operationen (Umstellungsosteotomien) die Leistungsfähigkeit wiederherstellen. Bei fortgeschrittener Gelenkzerstörung bleibt schließlich nur der Ersatz durch ein künstliches Hüftgelenk.

Prothetik

Ein künstliches Hüftgelenk ersetzt das eigene durch Entzündung oder Verschleiß zerstörte Gelenk. Dabei werden der Hüftkopf und die Gelenkpfanne ersetzt. Die Prothese wird mit einem Stiel im Oberschenkelknochen verankert.

  Coxarthrose - zementfreie Hüftprothese (w, 61 J.)

Generell gibt es zwei Möglichkeiten, die Prothesenteile einzubauen: die zementfreie oder die zementierte Technik.

Bei der zementierten Prothese wird die Verbindung zwischen Knochen und Prothese durch einen speziellen "Knochenzement" (2 – Komponenten - Kunstharz (PMMA)) erreicht. Nachdem der Zement flüssig in den vorbereiteten Knochen eingebracht worden ist, werden die Prothesenteile eingepresst. Der Zement härtet innerhalb von 15 Minuten aus und hält durch seine Verzahnung die Prothese sofort belastungsstabil fest.

Die zementfreie Prothese wird direkt mit ihrer Oberfläche im Knochen verankert. Dazu wird der Knochen sehr passgenau ausgehöhlt und dann die Prothese fest im Knochen verkeilt (sog. Press-fit), bei Pfannen u.U. auch verschraubt. Dann muss der Knochen, wie bei der Heilung eines Bruches, an die Prothesenoberfläche heranwachsen und den verbliebenen Mikrospaltraum zur Prothese überbrücken. Daher haben alle zementfreien Prothesen grobe oder feine Aufrauhungen ihrer Oberfläche, an denen die heranwachsenden Knochenbälkchen Halt finden. Wegen der besseren Verträglichkeit werden zementfreie Prothesen aus Titanlegierungen gefertigt. Bis die Prothese eingewachsen ist, darf das Bein zunächst für einige Zeit nicht überlastet werden.

Eine Kombination aus zementfreien und zementierten Prothesenteilen nennt man Hybrid-Prothese.

Die Operationsdauer (Schnitt-Naht-Zeit) beträgt meistens zwischen knapp 1 und gut 2 Stunden und erfolgt in Voll- oder Rückenmarksnarkose. Der Schnitt ist zwischen 15 und 25 cm lang, bei der Operation werden Drainageschläuche eingelegt, die 2 Tage nach der Operation entfernt werden.

Nachsorge, Krankengymnastik

Aufstehen ist unter physiotherapeutischer Anleitung bereits am Tag nach der OP erstmals möglich. Sobald die Drainagen entfernt sind, folgen erste Gehübungen im Gehwagen, später an Unterarmgehstützen.

Der Zeitraum, über den Sie das operierte Hüftgelenk nur teilbelasten sollten, wird vom Operateur festgelegt und beträgt in der Regel 3-6 Wochen.

Die Hautfäden werden um den 13. Tag nach der Operation entfernt, die Entlassung ist nach 2 Wochen möglich. Gegebenenfalls ist im Anschluss eine stationäre Rehabilitation in einer anderen Klinik möglich, jedoch nicht zwingend erforderlich.

Eine wichtige Rolle in der Nachbehandlung spielt die Physiotherapie. Die Muskeln, die vor der Operation häufig in ihrer Funktion gestört waren, müssen intensiv trainiert werden, um das neue Gelenk zu führen. Die Physiotherapie sollte für etwa 3 Monate fortgesetzt werden.

Auch in den folgenden Jahren sind regelmäßige Kontrollen nötig, da z.B. Lockerungen oder Entzündungen auch nach vielen Jahren auftreten können. Das ist auch ohne Schmerzen möglich. Diese Kontrollen sollten mindestens alle 2 Jahre erfolgen.

Wie lange hält die Prothese?

Durch moderne Implantationsverfahren wurde die Leistungsfähigkeit der Prothesen immer weiter verbessert. In einer Nachuntersuchung unserer zementfreien Prothesen konnten wir zeigen, dass 98% der Prothesenschäfte nach 10 Jahren voll funktionsfähig waren (sog. 10-Jahres-Überlebensrate). Mit großer Wahrscheinlichkeit sind jedoch Haltbarkeiten von mehr als 15-20 Jahren zu erwarten.

Um die "Überlebenszeit" Ihrer Prothese zu steigern, sollten Sie einige Verhaltensregeln beherzigen, über die wir Sie während Ihrer stationären Behandlung noch weiter informieren werden: Nach dieser Zeit können Sie in der Regel ohne Gehhilfen gehen und beginnen, Ihre Aufgaben im Haushalt oder Beruf wieder aufzunehmen. Schwere körperliche Arbeiten, das Heben von schweren Gegenständen ohne Hilfsmittel, das Arbeiten auf Gerüsten, ständige mechanische Erschütterungen (Treckerfahren) u.ä. sollten mit einem Kunstgelenk auf Dauer unterbleiben. Gegebenenfalls sollten Sie sich mit dem Arbeitsamt in Verbindung setzen, um sich dort beraten zu lassen.

Für viele Patienten zählt Sport zu den Dingen, die das Leben lebenswert machen. Auch mit einem Kunstgelenk können und sollen Sie Sport treiben. Vorsichtig sein sollten Sie mit Sportarten, die das künstliche Hüftgelenk überlasten. Das sind insbesondere Sportarten, die mit starken Stauch- und Drehbelastungen des Gelenkes einhergehen, also Sprungsportarten und Ballsportarten mit Gegnerkontakt oder mit plötzlichen Richtungswechseln wie Fuß- und Handball, Tennis, Squash. Auch Extremsportarten, Bergsteigen u.ä. sind wegen der Selbstgefährdung zu vermeiden. Schwimmen, Wandern und ggf. leichtes Joggen mit stoßabsorbierendem Schuhwerk sowie Radfahren (kleiner Gang) sind dagegen zu empfehlen, da sie die Muskulatur kräftigen, ohne das Gelenk zu überlasten .

Zur Verbesserung der Koordination empfehlen besonders wir ein spezielles Trainingsprogramm, das wir zusammen mit dem Sportinstitut der Universität Kiel entwickelt haben. Es dient der Kräftigung der Muskulatur und der Wiederherstellung der Bewegungssicherheit im Alltag. Ihr(e) Physiotherapeut(in) berät Sie gern über weitere Einzelheiten.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Ernährung, die kalorienbewusst sein sollte. Übergewicht ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Gelenkverschleiß und verringert auch die Überlebenszeit Ihres Kunstgelenkes

FAQ (häufig gestellte Fragen):

Sind zementfrei oder zementierte Prothesen besser? Welche sind für welche Patienten geeignet?

Die zementierte Technik hat sich seit 50 Jahren bewährt. In einem Punkt ist sie der zementfreien Technik überlegen: Die Prothesenteile sind sofort maximal fest verankert. Daher sind sie vor allem für betagtere Patienten vorzusehen, für die eine längere Bewegungsarmut gefährlich würde oder die nicht gut entlasten können.

An eine zementfrei eingebaute Prothese muss der Knochen erst anwachsen, so dass diese nach der OP zunächst etwas vorsichtiger belastet werden sollte. Auch sollte der Knochen noch etwas Wachstumspotential aufweisen. Sie sind daher eher für biologisch jüngere Patienten geeignet, die noch einen festen Knochen haben.

Die zementfreien Prothesenmodelle sollen länger als die zementierten halten, da der anliegende Knochen sich stets den neuen Belastungen anpassen kann. Sie werden jedoch erst seit ca. 1985 in größerer Zahl verwendet, so dass noch keine ausreichenden 20 – Jahresresultate vorliegen.

Wie lange muss ich in der Klinik bleiben?

Der normale stationäre Aufenthalt dauert etwa 2 Wochen. Im Anschluss ist eine stationäre Anschlussheilbehandlung (Reha) möglich, die dann im Regelfall nochmal 3 Wochen dauert.

Sie ist jedoch nicht zwingend erforderlich. Die Weiterbehandlung kann auch ambulant erfolgen.

Wann kann ich wieder normal gehen, das heißt ohne Stützen und ohne zu hinken?

Das ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Im Regelfall ist die volle Belastbarkeit des operierten Beines etwa 6 Wochen nach der Operation gegeben. Die Muskulatur, die während der OP gespalten wurde, braucht etwa diese Zeit, um wieder fest zusammenzuwachsen.

Mitunter ist die Vollbelastung schon nach 3 - 4 Wochen zu erreichen, und in seltenen Fällen muss sofort nach der OP voll belastet werden, z.B. bei fehlender Entlastungsfähigkeit. Es gibt jedoch auch Fälle, bei denen eine stärkere Belastung erst Monate nach der Operation möglich ist, z.B. nach komplizierten Wechseloperationen und bei dünnen, bruchgefährdeten Knochen.

Einige Patienten hinken auch nach dem Erreichen der Vollbelastung noch. Das ist dann meistens ein Problem der unzureichenden Muskelkraft. Man benötigt nämlich kräftige Gesäßmuskeln, um das Becken beim Einbeinstand und beim Gehen zu stabilisieren. Sind die Muskeln zu schwach, kommt es zum Absinken des Beines auf der Gegenseite, der sogenannten Spielbeinseite – beim Gehen entsteht dann das sog. "Trendelenburg’sche Hinken" (Entengang).

Zur Behandlung diese Hinkens ist intensiver Muskelaufbau erforderlich: Physiotherapie und selbständig fortgesetzte Übungen.

Sollte ich vor der Operation Eigenblut spenden?

Eine Eigenblutspende ist bei jüngeren Patienten sinnvoll. Die Altersgrenze liegt etwa bei 65 Jahren, wird aber flexibel gehandhabt.

Während der Operation und in den ersten Stunden danach fangen wir das aus der Wunde austretende Blut auf, sammeln es und geben es Ihnen nach einer speziellen Aufbereitung zurück (Auto-Retransfusion). Die Notwendigkeit von Fremdblutgaben wird dadurch entscheidend verringert.

Die OP ist zwar ein Standard-Routineeingriff, aber dennoch keine kleine Operation. Demnach kann es in etwa 1/4 der Fälle erforderlich sein, während oder auch noch nach der OP zusätzlich Blut zu geben.

Die Eigenblutspende verringert das Risiko, mit der Transfusion von Fremdblut übertragbare Krankheiten zu erhalten. Diese Risiken liegen in Schleswig-Holstein für HIV (AIDS) bei etwa 1 : 1 000 000 und für infektiöse Gelbsucht bei etwa 1 : 100 000.

Man muss bei aller Begeisterung für eine Eigenblutspende bedenken, dass auch dieses Blut dem Körper entnommen und gelagert wird. Ganz ohne Risiko ist daher auch das Eigenblut nicht, und außerdem ist die Entnahme (im Regelfall 2 - 3 Termine) für Körper und Kreislauf belastend. Daher stammt auch die Altersbegrenzung. Zudem sinkt durch die Eigenblutentnahme der Wert der roten Blutkörperchen, so dass die Wahrscheinlichkeit, nach einem zusätzlichen Blutverlust durch die OP Blut zu benötigen, steigt.


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