Ein künstliches Kniegelenk ersetzt das eigene
durch Entzündung oder Verschleiß zerstörte Gelenk.
Die Abbildungen 1 und 2 zeigen Röntgenbilder eines
Kniegelenkes vor und nach Protheseneinbau.

Es werden sowohl die Oberschenkelrollen als auch die Schienbeinkopfgelenkfläche und in einigen Fällen die Kniescheibenrückfläche ersetzt (Abb.3). Die Prothese wird mit Hilfe von Knochenzement (z) sowohl im Oberschenkel- als auch im Unterschenkelknochen verankert. Das Kunstgelenk ist aus Metall und Kunststoff, also körperfremden Materialien. Um den unterschiedlichen anatomischen Gegebenheiten gerecht zu werden, verwenden wir verschiedene Prothesenmodelle, die sich über Jahrzehnte bewährt haben.
Zur genauen Positionierung der Prothese verwenden wir auch rechnergesteuerte Navigationssysteme.
In einer Untersuchung aus unserem Hause konnten wir zeigen, dass die meisten Prothesen bei optimalem Verlauf mehr als 10-15 Jahre halten, bevor es ev. zu einer Lockerung der Prothese kommt, die dann einen Prothesenwechsel erforderlich macht.
Nach der Operation erfolgt, um das Risiko einer Thrombose zu vermindern, eine frühe Mobilisation. Das bedeutet, dass Sie bereits am Tage nach der Operation mit Hilfe vor dem Bett stehen werden. Sobald die Drainagen entfernt sind, werden Sie erste Gehübungen im Gehwagen (Abb.4), später an Unterarmgehstützen machen.

Der Zeitraum, über den Sie das operierte Kniegelenk entlasten müssen, wird vom Operateur festgelegt, er beträgt in der Regel 3-6 Wochen. Eine wichtige Rolle in der Nachbehandlung spielt die Krankengymnastik. Die Muskeln, die vor der Operation häufig in ihrer Funktion gestört waren, müssen intensiv trainiert werden, um das neue Gelenk zu führen. Zunächst wird das operierte Kniegelenk wechselnd in Streck- und Beugestellung gelagert.
Unterstützt wird die Krankengymnastik durch die Anwendung von Bewegungsschienen, auf denen das Kniegelenk passiv im schmerzfreien Sektor durchbewegt wird, um schmerzhafte Gewebeschrumpfungen und Verklebungen zu vermeiden (Abb.5).

Zur Schmerzbehandlung nach der Operation bekommen unsere Patienten in der Regel einen sog. “Periduralkatheter”, durch den Betäubungsmittel direkt an die schmerzleitenden Nerven gebracht werden können, oder eine computergesteuerte Pumpe (Patient Controlled Analgesia: PCA-Pumpe), die bei Bedarf auf Knopfdruck Schmerzmittel in die Infusion abgibt.
Auch nach Entlassung aus der Klinik ist eine ambulante Physiotherapie notwendig, gegebenenfalls im Rahmen einer stationären Rehabilitationsbehandlung (AHB=Anschlussheilbehandlung). Ihr Stationsarzt wird bei der Aufnahme weitere Einzelheiten mit Ihnen besprechen. Die Phase der Operation und der ersten intensiven Nachbehandlung ist nach ca. 3-4 Monaten abgeschlossen. Nach dieser Zeit können Sie in der Regel ohne Gehhilfen gehen und beginnen, Ihre Aufgaben im Haushalt oder Beruf wieder aufzunehmen.
Schwere körperliche Arbeiten, das Heben von schweren Gegenständen ohne Hilfsmittel, das Arbeiten auf Gerüsten u.ä. sollten mit einem Kunstgelenk auf Dauer unterbleiben. Gegebenenfalls sollten Sie sich mit dem Arbeitsamt in Verbindung setzen, um sich dort beraten zu lassen.
Für viele Patienten zählt Sport zu den Dingen, die das Leben lebenswert machen. Auch mit einem Kunstgelenk können und sollen Sie Sport treiben. Vermieden werden müssen aber Sportarten, die das künstliche Kniegelenk überlasten. Das sind insbesondere Sportarten, die mit starken Stauch- und Drehbelastungen des Gelenkes einhergehen, also Sprungsportarten und Ballsportarten wie Fuß- und Handball, Tennis oder Squash. Auch Extremsportarten, Bergsteigen u.ä. sind wegen der Selbstgefährdung zu vermeiden. Schwimmen, Wandern und ggf. leichtes Joggen mit stoßabsorbierendem Schuhwerk sowie Radfahren (kleiner Gang) sind dagegen zu empfehlen, da sie die Muskulatur kräftigen, ohne das Gelenk zu überlasten.

Zur Verbesserung der Koordination empfehlen wir ein spezielles Trainingsprogramm, welches wir zusammen mit dem Sportinstitut der CAU entwickelt haben. Es dient der Kräftigung der Muskulatur und der Wiederherstellung der Bewegungssicherheit im Alltag. Ihr/e Physiotherapeut/in berät Sie gern über Einzelheiten.
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Ernährung, die kalorienbewusst sein sollte. Übergewicht ist ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Gelenkverschleiß und verringert auch die Überlebenszeit Ihres Kunstgelenkes.
Auch bei Beschwerdefreiheit sind regelmäßige zunächst jährliche röntgenologische Kontrollen Ihrer Endoprothese notwendig, um Lockerungen rechtzeitig erkennen und behandeln zu können. Ihr Hausarzt kann sie dazu zu einem Orthopäden oder in unsere Ambulanz überweisen.
Wir hoffen, mit diesen Informationen schon einige wesentliche Fragen, die sich aus der Versorgung mit einem Kunstgelenk ergeben, beantwortet zu haben. Zur Untersuchung und persönlichen Beratung können Sie einen Termin in unserer Ambulanz unter der Tel. Nr. 0431-597-2445 vereinbaren.