Prof. Friedrich Temps gewann zusammen mit einem Kollegen Ende 1999 den mit drei Millionen Mark dotierten Leibniz-Preis. Das ist die höchste Auszeichnung für einen deutschen Wissenschaftler. Wetter? Alle Wissenschaftler reden vom OzonKein Mensch redet heute mehr über das Waldsterben. Vor einigen Jahren, gut, da war das noch ein Thema. Aber dann kamen Schweinepest und Rinderwahn und andere schöne Skandale. Wenn interessiert da noch ein toter Wald? So ähnlich ist das auch mit dem Ozonloch. Das haben ebenfalls schon fast alle wieder vergessen, und vielleicht ist das der Grund dafür, dass Professor Friedrich Temps, Direktor am Institut für Physikalische Chemie, am Tag der Offenen Tür über eben dieses Ozonloch redet. Genauer: über die Atmosphären-Chemie. In seinem Vortrag wird der Leibniz-Preisträger über den Ozon-Abbau in der oberen und den Sommer-Smog in der unteren Atmosphäre berichten. Er wird erklären, was Ozon ist, wie es gebildet und wieder zerstört wird und welchen Einfluss darauf der Mensch hat. Auch die Arktis wird in seinem Vortrag vorkommen. Über die redet zwar sonst auch kaum ein Mensch, aber gerade in diesem Jahr haben Wissenschaftler dort eine drastische Abnahme der Ozonschicht festgestellt. "In der Forschung", sagt Temps, "ist das Thema Ozon aktueller denn je."Vielleicht wird der Professor mit seinem Vortrag auch junge Zuhörer für die Faszination der Chemie begeistern können. Zumindest hofft er das. Chemiker nämlich werden dringend gebraucht. "In einigen Jahren", prophezeit Temps, "wird es den Ruf nach der Green-Card für Chemiker geben." Denn seitdem Studenten dieser Fachrichtung Anfang der 90-er Jahre Schwierigkeiten hatten, eine Stelle zu finden, seitdem es einfach zu viele Chemiker auf dem deutschen Arbeitsmarkt gab, ist die Zahl der Erstsemester, die sich an der Kieler Universität im Fach Chemie eingeschrieben haben, um etwa zwei Drittel gesunken. Die Folge: Seit vergangenem Jahr gibt es zu wenig Absolventen. "Wer jetzt Chemie studiert, hat hervorragende Berufsaussichten", sagt Temps. Und sogar ganz sicher einen Arbeitsplatz wird derjenige bekommen, der ab dem kommenden Wintersemester den Zuschlag für eines der hundert Stipendien erhält. Die vergibt der Verband der Chemischen Industrie, um guten Nachwuchs anzulocken. Aber natürlich geht es im Fachbereich Chemie nicht nur um Ozon
und die Vorgänge in der Atmosphäre. Auch wenn das immer noch
ein großes Thema ist. Nicht nur am Tag der Offenen Tür.
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