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Pressemeldung Nr. 15/2004 vom 05.02.2004 | zur Druckfassung | Suche

Erste zweisprachige Doktorprüfung an der Uni Kiel


Am Montag, den 2. Februar 2004, legte die deutsche Doktorandin Annette de la Motte die erste zweisprachige Doktorprüfung an der Universität Kiel ab. Professor Volker Kapp vom Romanischen Seminar und Professor Yves Moraud von der Universität Brest waren Prüfer der in deutsch und französisch abgehaltenen Disputation über Adornos Aussage, nach Auschwitz gebe es keine Dichtung mehr.

Ziel der seit 2001 in Kiel möglichen "co-tutelle du thèse", des binationalen Promotionsvorhabens, ist es, die Forschung in Europa mehr zu vernetzen. Sie kann prinzipiell mit jeder Universität durchgeführt werden. Die Uni Kiel kooperiert jedoch auch mit Universitäten, mit denen schon Partnerschaften bestehen, z.B. die Universität Brest, die Universität Lyon und die Universität Montpellier. Die zweisprachige Promotionsprüfung kann in jedem Fach der Philosophischen Fakultät der CAU abgelegt werden. Die Universitäten schließen Kooperationsverträge für jeden einzelnen Prüffall. Wichtig sind sehr gute Sprachkenntnisse. Während der Anfertigung der Doktorarbeit muss ein mindestens 12-monatiger Aufenthalt an der ausländischen Partneruniversität absolviert werden. In die Disputation sind vier Prüfer, zwei von der Alma Mater und zwei von der Partneruniversität, involviert.

Die Doktorandin de la Motte profitiert von dieser zweisprachigen Doktorprüfung, da sie von zwei Fachvertretern aus unterschiedlichen Ländern betreut wird und der Titel von beiden Universitäten verliehen wird. Sie erklärt, warum sie diese Promotionsform gewählt hat: "Ich war während des Studiums als Stipendiatin der Uni Kiel in Brest. Dort habe ich so wichtige Anregungen bekommen, dass ich sie gern in einer Promotion umsetzen wollte."

De la Motte untersuchte in ihrer französischsprachigen Doktorarbeit die Bedingungen, unter denen die französische Literatur auf den Zweiten Weltkrieg und die Shoa reagierte. Der Titel: "Jenseits des Wortes: ein Diskurs des Schweigens in der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts (Französischer Titel: Au-delà du mot: une "écriture du silence" dans la littérature francaise au vingtième siècle).

Sie erbrachte darin den Nachweis, dass der französische Autor Stéphane Mallarmé bereits am Ende des 19. Jahrhunderts einen Diskurs über das Schweigen als ästhetisches Konzept entwickelte. Dieser Diskurs prägte nach dem Zweiten Weltkrieg den besonderen Weg der französischen Literatur, die von der historischen Erfahrung des Völkermordes zu einer Auseinandersetzung mit der Krise der menschlichen Existenz in der Nachkriegszeit übergeht und so eine neue Form des Schreibens findet. Analysiert wurden die Dichterin Charlotte Delbo als Zeugin von Auschwitz sowie Marguerite Duras und Samuel Beckett als Repräsentanten einer Literatur des zunehmenden Verstummens und einer Sprache des Schweigens.


Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Romanisches Seminar
Prof. Volker Kapp, Fon: 0431-880-2263, Fax: 0431-880-2477,
vKapp@romanistik.uni-kiel.de



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