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Pressemeldung Nr. 54/2013 vom 22.02.2013 | zur Druckfassung | Suche

Die Kieler Universität trauert um Ulf Bichel


Einer der besten Kenner der niederdeutschen Sprache und Literatur und Experte für den niederdeutschen Dichter Klaus Groth, Professor Ulf Bichel, starb am 9. Februar im Alter von 87 Jahren. Bichel war mehr als fünf Jahrzehnte lang am Germanistischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) tätig.

Ulf Bichel wurde 1954 im Fachgebiet Psychologie promoviert und wandte sich anschließend der Germanistik, insbesondere der Niederdeutschen Philologie zu. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Gymnasiallehrer war er 1961 bis zu seiner Pensionierung 1987 zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später als abgeordnete Lehrkraft und seit 1974 als außerplanmäßiger Professor am Germanistischen Seminar tätig. „Sein wissenschaftliches Oeuvre ist außergewöhnlich breit und umfasst sowohl literaturwissenschaftliche als auch linguistische Arbeiten“, beschreibt sein ehemaliger Kollege Professor Michael Elmentaler von der CAU Bichels beeindruckendes Schaffen. In seiner Habilitationsschrift von 1970 und in weiteren Aufsätzen befasste sich Bichel mit dem Problem der Umgangssprachen, lange vor der Herausbildung einer Regionalsprachforschung als eigener Disziplin. Laut Michael Elmentaler haben „seine fundierten Beiträge zur niederdeutschen Literatur und ihrer Geschichte dazu beigetragen, die norddeutsche Literaturtradition weit über die Region hinaus bekannt zu machen.“

Ulf Bichel hat sich auch im Ruhestand intensiv mit der niederdeutschen Literatur beschäftigt. In seinen – häufig gemeinsam mit seiner Frau Inge Bichel verfassten – Arbeiten, standen vor allem die Person und das Werk von Klaus Groth im Mittelpunkt. Hierzu zählen, neben vielen Fachaufsätzen, eine Bildbiographie (1994), eine mehr als 600seitige Klaus-Groth-Bibliographie (2009), regelmäßige literarhistorische Beiträge im Klaus-Groth-Jahrbuch (seit den Neunziger Jahren) sowie, gemeinsam mit Dr. Reinhard Goltz, zwei wichtige Ausgaben Groth’scher Texte („Vertelln“, 2001, „Memoiren“, 2005). An der Niederdeutschen Abteilung baute Bichel zusammen mit Dr. Joachim Hartig ein Klaus-Groth-Archiv auf, das reichhaltiges Material für die Groth-Forschung bereithält. Noch im letzten Jahr erstellte er einen online verfügbaren, viel beachteten Klaus-Groth-Spaziergang, um die interessierte Öffentlichkeit für die enge Verbindung des Dichters mit der Stadt Kiel zu interessieren. „Mit seiner Lesung einiger Groth-Gedichte, die dort nachzuhören ist, wird uns Ulf Bichel auch als exzellenter Rezitator plattdeutscher Lyrik in Erinnerung bleiben“, schließt Thorsten Burkard, Prodekan der Philosophischen Fakultät.

Kontakt:
Philosophische Fakultät
Germanistisches Seminar
Tel.: 0431 880-2321
E-Mail: verw@germsem.uni-kiel.de
Text: Michael Elmentaler