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Pressemeldung Nr. 96/2013 vom 11.04.2013 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Ferdinand-Tönnies-Medaille für Klaus Mertes


Der Pädagoge und Jesuit Klaus Mertes hat die Ferdinand-Tönnies-Medaille der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) erhalten. In seiner Festansprache anlässlich der Verleihung bezeichnete CAU-Präsident Prof. Dr. Gerhard Fouquet Mertes als einen Menschen, „der die Menschen und seinen Gott zugleich liebt“. Dies habe er vielfach in seinem Wirken und Handeln bewiesen, unter anderem bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen. Mertes stehe damit für das Prinzip einer dialogischen Verantwortung. Fouquet: „Klaus Mertes hat Verantwortung übernommen, weil es eine schlimme Erfahrung für die (Missbrauchs-)Opfer ist, dass alle mit ihnen solidarisch sein wollen, aber niemand solidarisch mit der Institution Kirche. Er repräsentiert dieses Gegenüber und ermöglicht dadurch Opfern zu sagen, was sie an der Institution schlimm finden. Diese praktizierte dialogische Verantwortung war und ist auch von Kritik und Missgunst, ja von Hass begleitet.“

Die ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Dr. Antje Vollmer hob in ihrer Laudatio auf Klaus Mertes hervor, dass dieser diese Rolle nur deshalb glaubhaft ausfüllen könne, weil er einen festen Standpunkt in seiner Kirche hat: „Klaus Mertes hat das so bezeichnet: Das eine Verbrechen waren die Übergriffe auf Schutzbefohlene, die sich gerade in kirchlichen Räumen in einem vermeintlich besonders vertrauensbasiertem Raum befanden. Das zweite, nicht minder schwere Verbrechen aber ist das Vertuschen, das Wegsehen, das Nicht-Wissen-Wollen und das Nicht-Auflehnen gegenüber falschen Autoritäten. Unter uns haben wir das später oft den eigentlichen Machtmissbrauch, die machtgestützte Männerbündelei genannt.“ Dies nachhaltig infrage zu stellen, das könne man nur, wenn man in der Gemeinschaft bleibt, in der dieser Machtmissbrauch passiert ist. Mertes, so Vollmer, habe dieses Geheimnis gewaltfreier Veränderung auch angesichts persönlicher Nachteile beherzigt und vorbildlich vorgelebt.

Die Grundlage für diese Haltung, so der Preisträger, seien Vertrauen und Verantwortung: „Ich bin nicht die Posaune der Opfer. Ich höre ihnen zu, ich bin ihr Gegenüber, ich stehe für die Institution, die für all das verantwortlich war.“ Klaus Mertes ist nach dem Philologen und Mäzen Dr. Jan-Phillipp Reemtsma sowie dem Theologen und Philosophen Professor Richard Schröder die dritte Persönlichkeit, die die Ehrung erhält. Mit ihr zeichnet die CAU Persönlichkeiten aus, die sich durch besondere wissenschaftliche, kulturelle und/oder politische Leistungen im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ausgezeichnet haben.

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Klaus Mertes (Mitte) erhielt aus der Hand von CAU-Präsident Prof. Gerhard Fouquet (links) die Ferdinand-Tönnies-Medaille der Universität Kiel. Die Laudatio hielt Dr. Antje Vollmer (rechts).
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Pädagogik erfordert die Anerkennung eines Machtgefälles zwischen Lehrendem und Schutzbefohlenem, sagte Klaus Mertes in seiner beeindruckenden Dankrede.
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