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Pressemeldung Nr. 185/2013 vom 01.07.2013 | RSS | zur Druckfassung | Suche

Kieler Wissenschaftspreis 2013 verliehen an Martina Gerken und Robert Alexy


In einer Festsitzung der Ratsversammlung wurde am Sonntag, 30. Juni, der Wissenschaftspreis 2013 der Landeshauptstadt Kiel an die Ingenieurin Prof. Dr. Martina Gerken und den Juristen Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Robert Alexy (beide Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, CAU) verliehen. Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Oberbürgermeisterin Dr. Susanne Gaschke ehrten die Wissenschaftlerin und den Wissenschaftler für ihre international anerkannte Arbeit, die dazu beitrüge, „dass der Wissen­schafts­standort Kiel weiter gestärkt wurde und wird“.

Der mit 10.000 Euro dotierte Wissenschaftspreis wird traditionell in der Kieler Woche im jährlichen Wechsel mit dem Kulturpreis der Landeshauptstadt Kiel vergeben. Vorgeschlagen werden die Preis­trägerinnen und Preisträger vom Kieler Kultur- und Wissenschaftssenat. Die Kieler Ratsversammlung hat die diesjährige Auswahl des Senats einstimmig bestätigt.

Professorin Martina Gerken (40) lehrt seit 2008 am Institut für Elektrotechnik und Informationstechnik der CAU. Sie ist Expertin für Nanotechnologie, optische Technologie und integrierte Systeme und wurde bereits mehrmals ausgezeichnet. 2012 erhielt sie den ERC Starting Grant, eine der höchsten Auszeichnungen der Europäischen Union für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Martina Gerken „wird als junge Wissenschaftlerin geehrt, die bereits Herausragendes geleistet hat, obwohl sie noch am Beginn ihrer Karriere steht“, lautet die Begründung der Jury.

Professor Robert Alexy (68) erhält den Wissenschaftspreis für sein Lebenswerk. Der international anerkannte und vielmals ausgezeichnete Rechtswissenschaftler und Rechtsphilosoph – Alexy wurden seit 2008 unter anderem weltweit neun Ehrendoktorwürden sowie 2010 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen – lehrt seit 1986 an der CAU. „Professor Robert Alexy hat in der Rechtswissenschaft national und international höchste Verdienste erworben und den Ruf der Landeshauptstadt Kiel als Wissenschaftsstandort befördert“, heißt es im Urkundentext.

In seiner Begrüßung betonte Stadtpräsident Tovar die aktuelle gesellschaftliche Relevanz, die mit der Preisträgerin und dem Preisträger einhergehe. Gerken bringe in bewundernswerter Weise Karriere, Ehe und vier Kinder in Einklang, und das mit großer Leidenschaft. Außerdem beweise die Professorin für Elektrotechnik und Informationstechnik, „dass Frauen und Technik nicht aus unterschiedlichen Welten stammen, sondern bestens harmonieren“.

Alexy, so Tovar, gehöre „zu den aktiven ‚Ü60ern‘“. Der Rechtsphilosoph lebe seine Wissenschaft nicht nur im Elfenbeinturm, sondern integriere seine Hobbys zuweilen in seine Arbeit, zum Beispiel die Malerei des 19. Jahrhunderts oder Episoden der Fernsehserie „Star Trek“, die er in Hinblick auf die Menschenrechte analysierte.

Schleswig-Holsteins Ministerin für Bildung und Wissenschaft, Professorin Waltraud Wende, bezeichnete in ihrem Grußwort die Preisträgerin und den Preisträger als „zwei wirklich herausragende und gleichzeitig sehr unterschiedliche Forscherpersönlichkeiten“. Wende: „Wir würdigen den Juristen und Philosophen, dessen Forschungsleistungen sich in einem bedeutenden Schriftenverzeichnis widerspiegeln. Und die Ingenieurin, die völlig neue Verfahren entwickelt und erhebliche Drittmittelerfolge zu verbuchen hat.“ Die Ministerin betonte die Verbundenheit zwischen Hochschulen und Stadt. Das Land seinerseits werde gerne dazu beitragen, Kiel als „attraktiven Standort“ für Forschung und Lehre weiter zu entwickeln.

Der Vorsitzende des Kieler Kultur- und Wissenschaftssenats, Universitätspräsident und Historiker Professor Gerhard Fouquet zog einen Vergleich zwischen der Professorenschaft im 13. und im 21. Jahrhundert und strich heraus, dass es heute ebenso schwer sei wie damals, seinen eigenen Weg zu finden und dass „nur die Besten ... hohe Auszeichnungen zu erwarten hatten und haben“. An die Preisträgerin und den Preisträger gerichtet lobte Fouquet: „Wir sind stolz,...dass Sie zur Professorenschaft der Christian-Albrechts-Universität gehören, dass Sie Forschung, Lehre und gesellschaftliches Wirken in herausragender Weise miteinander zu verbinden vermögen.“

Auch Professor Uli Lemmer vom Karlsruher Institut für Technologie beschrieb seine ehemalige Kollegin und „jüngere Schwester im Geiste“, Martina Gerken, in seiner Laudatio als „...herausragende Wissenschaftlerin mit einem eindrucksvollen Werdegang und einer beeindruckenden Breite und Tiefe in den wissenschaftlichen Arbeiten, Publikationen und Ergebnissen.“ Lemmer betonte, wie wichtig es gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sei, junge Frauen für die Disziplinen Ingenieurswissenschaften und Physik zu begeistern, da diese „...für den zukünftigen Wohlstand unseres Landes von höchster Bedeutung“ seien. Man brauche „role models“ wie die Preisträgerin, um junge Wissenschaftlerinnen zu überzeugen.

In seiner Laudatio auf Robert Alexy bezeichnete Professor Stanley L. Paulson von der Washington University, St. Louis, den Preisträger als den „größten Systematiker auf dem Gebiet der Rechtswissenschaft“ heutzutage. Alexys vielleicht bedeutendstes Werk, die „Theorie der Grundrechte“, sei in den Worten eines amerikanischen Kollegen ein „Blockbuster“, sozusagen der internationale Bestseller auf diesem Gebiet, der nur noch von seinem Werk „Theorie der juristischen Argumentation“ zahlenmäßig übertroffen werde. Wie kein anderer auf dem Gebiet des Verfassungsrechts habe Alexy mit seiner Prinzipientheorie Grundlegendes geschaffen.

Erster Preisträger des Wissenschaftspreises der Landeshauptstadt Kiel war 2001 der im vergangenen Jahr verstorbene Kieler Pathologe und Anatom Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Karl Lennert. 2003 ging der Preis an den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Herbert Giersch. 2005 teilten sich die Auszeichnung der Biochemiker Dr. Stefan Rose-John und der Gastroenterologe Prof. Dr. Stefan Schreiber, 2007 waren es der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Heinrich Detering sowie der Meeresgeologe und Chemiker Prof. Dr. Klaus Wallmann. 2009 ging die Auszeichnung an Prof. Dr. Friedhelm Taube vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der CAU und an den jungen Privatdozenten Dr. Konstantin Khalturin vom Zoologischen Institut der CAU. Mit der Theologin Prof. Uta Pohl-Patalong (CAU) wurde 2011 erstmals eine Frau mit dem Wissenschaftspreis der Landeshauptstadt Kiel geehrt.

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Stadtpräsident Hans-Werner Tovar (links) und Oberbürger­meisterin Dr. Susanne Gaschke (rechts) ehren mit Martina Gerken und Robert Alexy zwei herausragende Forschende der Kieler Universität.
Foto/Copyright: Jörg Wohlfromm, Landeshauptstadt Kiel

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Prof. Dr. Martina Gerken

24. Januar 1973  geboren in Göttingen
1993-1998 Studium der Elektrotechnik an der Universität Karlsruhe.
Studienstiftung des deutschen Volkes.
Abschluss Diplom-Ingenieurin
1999-2003 Promotion an der Stanford University, CA, USA. Sequoia
Capital Stanford Graduate Fellowship
2003-2008 Wissenschaftliche Assistentin am Lichttechnischen Institut der Universität Karlsruhe
2004-2007 Postdoktoranden-Eliteförderprogramm der Landesstiftung Baden-Württemberg
2007-2012 NanoFutur-Preis des BMBF
Seit 2008 Professorin für Integrierte Systeme und Photonik am Institut für Elektrotechnik und Informationstechnik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
2008 Adolf-Martens-Preis für den Bereich Werkstoffwissenschaften, Materialforschung und -prüfung
2013-2018 ERC Starting Grant für die Arbeit an intelligenten Oberflächen und die Grundlagenforschung zur Herstellung modernster Sensoren (1,5 Millionen Euro)
 

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Robert Alexy

9. September 1945   geboren in Oldenburg i.O.
1968-73 Studium der Rechtswissenschaft und der Philosophie in Göttingen.
Studienstiftung des deutschen Volkes
1978 Promotion und zweite juristische Staatsprüfung
1978-1984 Assistent am Lehrstuhl für Allgemeine Rechtstheorie in Göttingen
1984 Habilitation für die Fächer Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie in Göttingen
danach Lehrstuhlvertretungen in Regensburg und Kiel
seit 1986 Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie
an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
1994 bis 1998 Präsident der Deutschen Sektion der Internationalen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie
seit 2002 ordentliches Mitglied der Philologisch-Historischen Klasse
der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
seit 2008 neun Ehrendoktorwürden weltweit
2010 Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

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